Profitables Wachstum organisieren: zentral steuern, dezentral führen
2008
Unternehmen, die sich heute im Wettbewerb behaupten wollen, müssen einen schwierigen Spagat meistern: Es gilt, Innovationen zu ermöglichen, ohne dabei Effizienz- und Kostenkriterien zu vernachlässigen.
Nur mit Innovationen können sie den wertschöpfenden Wettbewerbsvorsprung gegenüber den gewaltig aufholenden Schwellen- und Industriestaaten Asiens auf Dauer verteidigen und nur mit innovativen Ideen lassen sich die Probleme des Wachstums angesichts der drängenden Fragen des Klimawandels und der Energieversorgung lösen. Innovation bedeutet dabei nicht nur die Entwicklung neuer Produkte, sondern auch neue (Produktions-)Prozesse, neue Vertriebswege oder neue Kundenansätze.
Doch Innovationen setzen Kreativität und Freiheit voraus – zwei höchst individualistische Wertvorstellungen, die sich in streng hierarchisch aufgebauten Großorganisationen nicht verwirklichen lassen. Um komplexe Strukturen zu führen und gleichzeitig Kostendisziplin und Effizienz zu wahren, sind Hierarchien notwendig. Ohne verbindliche Führungsstrukturen und organisatorische Leitplanken würde der Arbeitsalltag im Chaos versinken.
Die Diskurse der Management-Theorie waren in der Vergangenheit bestimmt von einem zentralen Konflikt: Zu viel Hierarchie erstickt Innovationen, ein Mangel an Zentralismus jedoch bremst Skaleneffekte und Effizienzgewinne aus. Anders formuliert: Nur mit einem hohen Zentralisierungsgrad lassen sich Effizienz- und Kostenziele erreichen, doch Wachstums- und Marktpotenziale lassen sich nur in weitgehend dezentralen Strukturen realisieren
Die Fallbeispiele unserer Studie zeigen, dass Dezentralisierung deutlich wachstumsfördernde Effekte hat, etwa indem sie Entscheidungswege verkürzt und Informationen schneller verarbeitet werden können. Diese Effekte kommen jedoch für das Gesamtunternehmen nur zum Tragen, wenn sie mit den Vorteilen einer Zentralisierung kombiniert werden. Aktuelle Entwicklungen wie Globalisierung oder neue Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen die Verbindung von zentralen und dezentralen Organisationsstrukturen und machen sie gleichzeitig erforderlich, um im zunehmenden Wettbewerb bestehen zu können.

