Roland Berger Strategy Consultants untersucht Markt für faule Kredite
München, 19. Oktober 2007
Bessere rechtliche Rahmenbedingungen und Handel über Börse erforderlich
Nach einem Boom im Jahr 2006 wird sich der Handel mit notleidenden Krediten (Distressed Debt) in Deutschland, Österreich und der Schweiz in diesem Jahr stark abschwächen. Wie eine Trendstudie von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, rechnen Banken im deutschsprachigen Raum mit einem Rückgang des Transaktionsvolumens bei Unternehmenskrediten von rund 21 Milliarden auf etwa 7,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Für 2008 wird wieder eine leichte Erholung auf rund 10 Milliarden Euro erwartet. Neben der internationalen Finanzkrise sind das größte Handelshindernis aus Sicht der Befragten die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. Daher wünscht sich mehr als die Hälfte der befragten Manager eine Börse für schwierige Kredite, die den Handel einfacher und transparenter gestalten würde. Auch eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen und die weitere Professionalisierung des Marktes gelten als wesentliche Erfolgsfaktoren.
Die US-Immobilienkrise und die damit verbundenen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten hat die Lust der Banken auf den Handel mit notleidenden Krediten deutlich gemindert. Trotzdem bleibt das Thema vor allem in Deutschland auf der Agenda. Das Gesamtvolumen an Distressed Debt wird dort auf rund 150 Milliarden Euro geschätzt. Kaum eine Rolle spielen notleidende Kredite hingegen in Österreich, wo sich auch kein entsprechender Markt etabliert hat.
Viele potenzielle Verkäufer, aber kaum Händler
"Auffallend ist, dass mehr als drei Viertel der im Distressed-Debt-Bereich tätigen Banken ausschließlich als Verkäufer von Krediten auftreten. Reine Käufer gibt es unter den von uns befragten Banken nicht", erklärt Nils Kuhlwein von Rathenow, Partner im Kompetenzzentrum Corporate Performance bei Roland Berger Strategy Consultants. 2006 agierte nur ein Fünftel der Kreditinstitute auch als Händler. Banken verkaufen notleidende Kredite hauptsächlich, um ihr Kreditbuch zu bereinigen oder weil sie einen attraktiven Verkaufspreis erzielen können. Weniger wichtig für den Verkauf sind eine verringerte Eigenkapitalunterlegung oder die Verbesserung der eigenen Bonität.
Kein funktionierender Markt
"Am Volumen kann es nicht liegen, dass sich in Mitteleuropa noch kein funktionierender Distressed-Debt-Markt entwickelt hat", meint von Kuhlwein. Alleine in Deutschland wird der Markt auf rund 150 Milliarden Euro geschätzt. Dass diese durchaus eine kritische Masse bilden, zeigt ein Blick auf die USA: Hier liegt die Untergrenze für Fonds, die in Distressed Debt investieren, bei "nur" rund 500 Millionen US-Dollar. Das Problem in Europa sind vielmehr unterschiedliche Preisvorstellungen (88,9 Prozent der Befragten sehen das so) und fehlende rechtliche Rahmenbedingungen (72,2 Prozent). Daher wünschen sich 58 Prozent, dass der Handel mit Problemkrediten über die Börse organisiert werden soll. Dadurch würde der Markt transparenter und Kredite wären leichter zu handeln. "Allerdings existiert bei Banken noch keine klare Vorstellung darüber, wie ein solcher Handel im Detail organisiert sein könnte und wer die Kosten für die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur tragen soll", so der Berater.
Reputation des Käufers für Kreditverkauf entscheidend
"Aufgrund der herrschenden Rechtsunsicherheit spielt neben dem Preis die Reputation des Käufers eine wesentliche Rolle im Handel mit notleidenden Krediten. Enge persönliche Kontakte und Vertrauen sind in diesem Geschäftsfeld essenziell", sagt von Kuhlwein. Denn der Weiterverkauf von nichtfälligen Krediten ist nur mit Zustimmung des Schuldners möglich. Für Banken ist es zudem wichtig, dass ihr eigener Ruf durch den Verkauf nicht leidet und der Käufer in der Abwicklung sehr erfahren ist. Vor allem Spezialinstitute möchten das Risiko eines Reputationsschadens minimieren und suchen Käufer mit hoher Sanierungskompetenz, um negative Auswirkungen auf ihr Geschäft zu vermeiden.
Fast alle befragten Banken, die an der Trendstudie von Roland Berger teilnahmen, verkaufen vorrangige Darlehen beziehungsweise haben sie in der Vergangenheit verkauft. 63,2 Prozent der Kreditinstitute setzen den Schwerpunkt auf Avale/Garantien, während 52,6 Prozent nachrangige Darlehen/Mezzanine veräußern.
Kleine und mittlere Unternehmen stärker von faulen Krediten betroffen
Auffallend ist auch, dass kleine und mittelständische Firmen stärker von Problemkrediten betroffen sind als Großkonzerne. So entfiel 2006 ein Viertel von Distressed Debt bei den befragten Banken auf Unternehmen mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr, jeweils rund 30 Prozent auf Firmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 100 Millionen sowie zwischen 100 und 500 Millionen Euro Umsatz. Nur 15,9 Prozent der Problemkredite betrafen Großkonzerne mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz.
Banken vertrauen auf interne Frühwarnsysteme
Um möglichst früh notleidende Kredite erkennen und die entsprechende Gefahr einschätzen zu können, vertraut ein Großteil der Institute auf interne Frühwarnsysteme. Zudem ziehen Banken Zahlungsverzug und die Ausfallkriterien nach Basel II zur Klassifizierung von Krediten heran. Auch eine wirtschaftlich schlechte Situation des Kreditnehmers dient als Indikator.
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