Roland Berger Studie "Global Supply Chain Management Excellence"
München, 14. April 2009
Gemeinsame Studie von Roland Berger Strategy Consultants, Universität Stanford und ETH Zürich: Supply Chain Management steigert Rendite
- 259 Teilnehmer aus 234 Unternehmen in insgesamt 16 Ländern, mit einem durchschnittlichem Jahresumsatz von ca. 15,32 Mrd. EUR
- Unternehmen, die ihre Supply Chain an die strategischen Erfordernisse ihres Produktportfolios angepasst haben, erzielen mehrheitlich eine um 4 bis 5 Prozentpunkte höhere Gesamtkapitalrendite (ROA) als Unternehmen ohne einen solchen Supply-Chain-Fit
- Gezielte Lieferantenauswahl und gemeinsame Nutzung von Informationen sind entscheidend für die Flexibilität in der Beschaffung
- Zusätzliche Daten für die Sektoren Maschinenbau, Prozessindustrie, Konsumgüterindustrie, Elektronikindustrie und die Automobilindustrie
Unternehmen, die auf Supply-Chain-Fit setzen und ihre Supply Chain-Struktur den speziellen Erfordernissen ihrer Produkte anpassen, erzielen deutlich überdurchschnittliche Erfolge. In Zusammenarbeit mit drei internationalen Spitzenuniversitäten hat Roland Berger Strategy Consultants erstmals nachgewiesen, dass Unternehmen ihre Performance durch optimalen Supply-Chain-Fit steigern können. Unternehmen, die ihre Supply Chain entsprechend optimiert haben, erzielen beispielsweise eine Gesamtkapitalrendite (ROA), die 4 bis 5 Prozentpunkte über der von Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit liegt; bei Umsatzwachstum und EBIT-Marge liegt die Verbesserung zwischen 3 bis 5 Prozentpunkte. Betrachtet man die Rendite des eingesetzten Kapitals (ROCE) sind die Werte sogar zwischen 12 und 16 Prozentpunkten höher. Das sind die Ergebnisse der Roland Berger Studie "Global Supply Chain Management Excellence". Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 259 Teilnehmern aus 234 Unternehmen, vor allem der europäischen und US-amerikanischen verarbeitenden Industrie, darunter zahlreiche Blue-Chip-Unternehmen mit einem Umsatzvolumen über 1 Milliarde Euro. Die Studie zieht den Schluss, dass es im Supply Chain Management (SCM) von grundlegender Bedeutung ist, die Struktur der Supply Chain an die Erfordernisse der Produktpalette anzupassen: Standardprodukte erfordern eine möglichst effiziente Supply-Chain-Struktur, bei differenzierten Produkten kommt es auf die schnelle Reaktion an.
"Vor allem in der Konsumgüter- und Elektronikindustrie erzielen Unternehmen mit Supply-Chain-Fit erheblich bessere Unternehmenskennzahlen. In der Elektronikindustrie zum Beispiel, liegen die ROA Werte bis zu 10 Prozentpunkte über dem Durchschnitt", sagt Stephan Wagner, Professor für Logistikmanagement an der ETH Zürich. "Mit strategischen Entscheidungen zu ihrer Supply-Chain-Struktur nehmen Unternehmen direkt Einfluss auf die beiden Haupttreiber zur Verbesserung des ROA: die Anlagenproduktivität und die EBIT-Marge", ergänzt Robert Ohmayer, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und ebenfalls Autor der Studie .
Die spezifischen Bedürfnisse eines Unternehmens ergeben sich in erster Linie aus den speziellen Eigenschaften seiner Produkte: Standardprodukte mit langer Nutzungsdauer, geringen Nachfrageschwankungen, guter Prognosegenauigkeit und seltenen Bestellungsänderungen durch die Kunden erfordern eine effiziente Supply-Chain-Struktur mit geringen Kosten, hohem Bestandsumschlag und hoher Kapzitätsauslastung. Produkte mit hohem Differenzierungsgrad zeichnen sich im Gegensatz dazu durch einen kurzen Produktlebenszyklus, zahlreiche Produktvarianten, geringere Prognosegenauigkeit und häufigere Änderungen der Bestellungen aus. Deshalb benötigen sie eine reaktionsschnellere Supply-Chain-Struktur mit höherer Liefersicherheit, hohem Pufferbestand, großer Kapazität und hohem Kundenservicegrad. "Die Bayer Schering AG etwa hat ihre Supply Chain strategisch mit Blick auf besondere Reaktionsschnelligkeit optimiert. Dadurch erzielt das Unternehmen hervorragende ROCE-Werte von 25,2% mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 7,5% (2004-2006)."
Der Prozentsatz der Unternehmen, die ihre Supply Chain auf die Erfordernisse ihrer Produkte abgestimmt haben, variiert von 36% in der Prozessindustrie bis zu 76% im Bereich Konsumgüter. "Offenbar gibt es in allen Branchen immer noch zahlreiche Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit", sagt Steffen Kilimann, Mitverfasser der Studie und Project Manager bei Roland Berger. "Und das obwohl der durchschnittliche ROA von Unternehmen mit Supply-Chain-Fit im Zeitraum 2004-2006 für Hersteller von Standardprodukten bei 10% und für Hersteller von differenzierten Produkten bei 9% lag. Das sind 4 bzw. 5 Prozentpunkte mehr als bei Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit." Vergleichbare Ergebnisse wurden z.B. für Umsatzwachstum und EBIT-Marge ermittelt: Unternehmen mit Standardprodukten und optimierter Supply Chain erzielten 11% Umsatzwachstum (ggü. 6%) und 10% EBIT-Marge (ggü. 6%). Hersteller von differenzierten Produkten hatten ein Umsatzwachstum von 12% (ggü. 8%) und eine EBIT-Marge von 10% (ggü. 8%). „Die Ergebnisse verdeutlichen klar, welchen direkten Einfluss das heutige Supply Chain Management auf die Profitabilität von Unternehmen hat“, sagt Pan Grosse-Ruyken von der ETH Zürich und ergänzt, dass „ Unternehmen Ihre dynamischen Supply Chains als strategischen Wettbewerbsvorteil nutzen müssen, um überdurchschnittliche Renditen erzielen zu können“.
Zunehmende Bedeutung von Nachfrageplanung und Prognose
Während sich die Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren bei der Optimierung ihrer Supply Chain vor allem auf die Einsparung von Kosten konzentrierten, stehen jetzt Verbesserungen bei Nachfrageplanung und Prognose an. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Unternehmen ohne optimiertes SCM bereits Handlungsbedarf erkannt haben", sagt Robert Ohmayer.
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