Europäische Handelskammer initiiert neue Studie zum Abbau von Überkapazitäten in der chinesischen Industrie
Peking, 1. Dezember 2009
- Erste branchenorientierte Bestandsaufnahme zu Kapazitätsauslastung und Überkapazitäten in sechs Schlüsselbranchen der chinesischen Industrie
- Überkapazitäten gefährden die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung Chinas und befeuern die zunehmenden Handelsspannungen und Anti-Dumping-Verfahren zwischen China und seinen Handelspartnern
- Maßnahmen der Behörden zum Abbau von Überkapazitäten gehen in die richtige Richtung, Europäische Unternehmen in China sehen jedoch weiteren Handlungsbedarf
Die Europäische Handelskammer in China hat unter dem Titel "Overcapacity in China: Causes, Impacts, and Recommendations", eine einzigartige neue Studie lanciert, um die Auswirkung und den Einfluss von Überkapazitäten in der chinesischen Industrie zu beurteilen. Diese Studie ist die bislang erste branchenorientierte Bestandsaufnahme zum Thema Kapazitätsauslastung in der chinesischen Industrie und wird in Zusammenarbeit mit Roland Berger Strategy Consultants veröffentlicht. Das sechzig Seiten starke Werk enthält eine eingehende Analyse der Ursachen und Wirkungen von Überkapazitäten in sechs chinesischen Schlüsselbranchen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die von den chinesischen Behörden zum Abbau von Überkapazitäten jüngst ergriffenen Maßnahmen ein erster Schritt in die richtige Richtung sind. Europäische Unternehmen in China sehen jedoch weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Ausgehend von dem Wissen und den Erfahrungen ihrer 1.400 Kammermitglieder liefert sie eine Reihe von Empfehlungen zur Lösung des Problems.
"Unsere Studie zeigt, dass die Auswirkungen der Überkapazität subtil, aber weitreichend sind, dass sie Dutzende Wirtschafts-zweige betreffen und dem Wirtschaftswachstum in China wie auch weltweit schaden. Im Inland drückt die überschüssige Kapazität auf die Gewinnmargen, bremst die Innovationstätigkeit und verhindert die Entwicklung von Spitzenunternehmen. Global lässt sich ihr Einfluss deutlich an den wachsenden Handelsspannungen zwischen China und seinen wichtigsten Handelspartnern ablesen. Ziel dieser Studie ist es, Lösungen anzubieten, von denen nicht nur chinesische Unternehmen und die chinesische Industrie im Allgemeinen profitieren werden, sondern das gesamte Weltwirtschaftssystem. Wenn es China gut geht, profitieren wir alle davon," so Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer.
Die Studie gelangt zu dem Fazit, dass Überkapazitäten die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung Chinas beeinträchtigen. Zudem tragen sie maßgeblich zur Verschwendung ökonomi-scher Ressourcen bei, lassen die Zahl notleidender Kredite weiter anschwellen und schüren Umweltprobleme. Die Studie macht auch deutlich, dass Überkapazitäten in bestimmten Branchen die Innovationstätigkeit in China bremsen, da Gewinne unterminiert werden und somit dem Bereich F&E weniger Mittel zur Verfügung stehen. Angesichts steigender Sparquoten in den USA und Europa und gleichzeitig rückläufiger Importe belegen die Studienergebnisse überdies, dass Überkapazitäten einer der Treiber der derzeit zunehmenden Handelsspannungen und Anti-Dumping-Verfahren zwischen China und seinen Handelspartnern sind.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse endet die Studie mit einer Reihe von Vorschlägen dazu, wie sich Überkapazitäten durch eine Verlagerung der politischen Schwerpunkte und eine Abkehr vom investitions- und exportorientierten Wachstumsmodell abbauen lassen. Die Empfehlungen der Studie lauten wie folgt:
- Ankurbelung des Binnenkonsums und Gewährleistung eines klaren Investitionsfokus
- Entwicklung eines dynamischen, weniger ressourcen- und energieintensiven Dienstleistungssektors durch Förderung von Wettbewerb
- Förderung der marktbedingten Konsolidierung in Branchen, die unter Überkapazitäten leiden
- Reform der Preisbildungsmechanismen, um ein ausgewogeneres Kostensystem für Kapital-, Energie- und Ressourceninput zu schaffen
- Stärkung der Zentralregierung, z.B. des Umweltschutzministeriums, bei der Umsetzung nationaler Gesetze und im Kampf gegen lokalen Protektionismus
Charles-Edouard Bouee, President of Asia, President & Managing Partner of Greater China, Roland Berger Strategy Consultants: "Überkapazitäten in der chinesischen Industrie haben auf allen Ebenen der Supply Chain sowie für die Endverbraucher beträchtliche Auswirkungen. Durch den Einbruch der US-Nachfrage nach chinesischen Gütern und den massiven Anstieg der Anlageinvestitionen in einigen Branchen hat sich das Problem der Überkapazitäten weiter verschärft. Daher kommt diese Studie unseres Erachtens genau zum richtigen Zeitpunkt und stellt eine wertvolle Ergänzung zur anhaltenden Debatte über den künftigen Wachstumskurs der chinesischen Wirtschaft dar."
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