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Agieren statt reagieren!

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2008

Keine Atempause – Warum Restrukturierung auf der Aganda bleibt

Die Welle der Negativschlagzeilen aus der Finanzwelt reißt nicht ab: Um Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken, schleusen Zentralbanken neue Milliardenbeträge in die Märkte, während
Großbanken täglich mit Wertverlusten zu kämpfen haben. Die Auswirkungen werden auf beiden Seiten des Atlantiks zwar noch unterschiedlich wahrgenommen, die enge Verzahnung der
Märkte schürt dennoch eine hohe Unsicherheit – bei Unternehmen und Konsumenten. Die Rezessionsanzeichen in den USA lassen das Konsumentenvertrauen zunehmend schwinden. Exportorientierte Unternehmen in Europa bleiben vom US-Markt abhängig, verlieren durch den schwachen Dollarkurs an Einnahmen, sehen sich aber gleichzeitig mit hohen Eigenkosten konfrontiert, die natürlich in Euro anfallen. Noch sind die Konjunkturprognosen für die exportstarken Länder Europas stabil bis positiv. Doch wie lange noch? Unternehmen müssen sich gerade in dieser Phase flexibel aufstellen, um auf alle Entwicklungen schnell und richtig reagieren zu können. Die wahren Champions warten nicht: Sie restrukturieren frühzeitig, auch wenn sie noch profitabel wachsen.

Dass tatsächlich viele Unternehmen nach wie vor fundamentale Anpassungsaufgaben zu erledigen haben, zeigt eine exklusive Roland Berger Studie. Rund 8 Prozent der europäischen Großunternehmen weisen unserer Analyse zufolge Symptome einer strategischen Krise auf. Ihre Wettbewerbsposition hat sich Schritt für Schritt verschlechtert, etwa weil sie zu lange an unprofitablen Geschäftsbereichen festhalten oder auf wichtige Nachfrageänderungen zu langsam reagieren.

Fast 20 Prozent der untersuchten Firmen haben sogar mit einer akuten Ergebnis- oder Liquiditätskrise zu kämpfen. Der unternehmerische Handlungsspielraum ist bereits deutlich eingeschränkt. Kreditgeber, Lieferanten und Kunden verlangen neben laufenden Informationen besondere Sicherheiten. Mitunter müssen die Unternehmen weitreichende Zugeständnisse machen und strenge Auflagen, sogenannte Covenants, erfüllen.

Insgesamt befindet sich damit über ein Viertel der Unternehmen in einer Krisensituation. Für nicht wenige bleibt eine grundlegende und schmerzhafte Sanierung der einzige Ausweg. Untersucht wurden dabei keineswegs Nischenplayer, sondern tausend börsennotierte Großunternehmen mit einem Umsatz von über 500 Millionen Euro pro Jahr – das Herz der europäischen Wirtschaft, wenn man so will. Die besten Firmen haben in den vergangenen Jahren bei Umsatz, Produktivität und Gewinn deutlich zugelegt, konnten ihren Free Cash Flow fast verdoppeln und ihre Kapitaldienstfähigkeit erheblich verbessern. Die Schlechten unter ihnen – das macht die Sache kompliziert – haben oberflächlich betrachtet immer noch gar nicht schlecht abgeschnitten und beispielsweise den Umsatz um fast ein Fünftel steigern können. Erst der Blick auf die Details macht klar, wie frappierend die Unterschiede sind: Die Gewinne stagnieren, die Cash Flows sind um fast 10 Prozent zurückgegangen, die Kapitaldienstfähigkeit hat schwer gelitten. Eigentlich müssten die Alarmglocken längst läuten.

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