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Pandemie kann Disruption in der Automobilindustrie beschleunigen

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29. April 2020

Trends wie Elektromobilität und autonomes Fahren trotz Krise auf dem Vormarsch

Die Automobilindustrie hatte eigentlich genug Baustellen für die kommenden Jahre: die Einhaltung der Klimaziele, weltweit sinkende Absatzzahlen, neue Konkurrenz, Handelskriege zwischen Staaten und ein hoher Investitionsbedarf in neue Technologien. Zu diesen Punkten gesellt sich jetzt die Corona-Pandemie, die einen noch nicht abschätzbaren Schaden in der Wirtschaft hinterlassen wird. In unserem Negativszenario rechnet Roland Berger mit einem Einbruch des Automobilmarkts von bis zu 40 Prozent. Wann sich der Markt erholen wird, ist dabei unklar. Sicher ist: Die Krise hat in der bereits angespannten Situation das Potenzial, die Automobilindustrie nachhaltig zu verändern.

Die "kleinen" Länder überraschen weiterhin positiv und liegen oft vor den großen Automobilnationen.
Die "kleinen" Länder überraschen weiterhin positiv und liegen oft vor den großen Automobilnationen.

Als Basis für eine disruptive Veränderung in der Automobilindustrie gelten neue Mobilitätskonzepte, das autonome Fahren, die Vernetzung von digitalen Services und die Elektrifizierung des Antriebsstranges – kurz MADE. Aus diesem Grund untersucht Roland Berger seit drei Jahren regelmäßig den Verlauf und die Auswirkungen dieser Trends im "Automotive Disruption Radar" (ADR), der alle sechs Monate erscheint. In unserer siebten Ausgabe können wir feststellen, dass sich die neuen Technologien weiter im Markt verfestigen. Es entwickelt sich langsam eine Regulatorik in Punkto autonomes Fahren in den von uns untersuchten 18 Ländern. Auch die Ladeinfrastruktur wird immer stärker ausgebaut. So hat sich die Netzabdeckung mit Ladesäulen im Vergleich zu unserem ersten "Automotive Disruption Radar" verdreifacht. Außerdem steigt weltweit die Akzeptanz der Kunden für die neuen Technologien.

Beim Thema autonomes Fahren stechen einzelne Projekte heraus. Beispielsweise weitet Walmart in den USA sein Angebot von Lebensmittellieferungen mit computergesteuerten Fahrzeugen aus. Und in Europa testet unter anderem die Fluggesellschaft Air France am Flughafen in Toulouse eine autonome Zugmaschine für die Beförderung von Gepäck. Zudem gibt es im Bereich Logistik mit dem sogenannten LKW-Platooning – selbstfahrenden LKW-Kolonnen – erste Pilottests auf deutschen Straßen. Weiteres Wachstum im Bereich der E-Mobilität kommt vor allem durch die fortschreitende Diversifizierung der Modelpalette. Mittlerweile existieren so weltweit über 300 verschiedene Elektrofahrzeuge, die meisten davon in China, Deutschland und Frankreich. Im Bereich Künstliche Intelligenz steigen weiterhin die Investitionen. Gegenüber 2018 wurden im vergangenen Jahr 7,7 Milliarden US-Dollar investiert, ein Plus von 32 Prozent.

Von den untersuchten Ländern sind besonders die Niederlande hervorzuheben. Gemeinsam mit China teilt sich das Land die Spitzenposition in unserem Ranking. Damit bestätigt sich die Annahme des ADR 6, dass die kleineren Märkte bei Infrastruktur und Marktdurchdringung schneller zulegen können. Insbesondere bei der Dichte an Ladestationen sind die Niederlande führend. Es bleibt abzuwarten, ob kleinere Länder in Anbetracht der Corona-Krise diese Dynamik beibehalten können.

Der Automotive Disruption Radar von Roland Berger:

Der ADR ist eine halbjährliche Analyse der Markttrends im Zusammenhang mit Disruptionen in der globalen Automobilindustrie. Seine neuesten Ergebnisse basieren auf Feldforschung und einer Umfrage unter über 17.000 Autonutzern in 18 Märkten (Belgien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Niederlande, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Südkorea, Spanien, Schweden, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien, USA). Die 26 Indikatoren des ADR sind in fünf Dimensionen gruppiert: Kundeninteresse, Regulierung, Technologie, Infrastruktur und Industrieaktivitäten.

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Studie

Pandemie kann Disruption in der Automobilindustrie beschleunigen

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Störender Wandel in der Automobilindustrie: Lesen Sie in unserer Studie, wie sich die Trends entwickeln.

Veröffentlicht April 2020. Vorhanden in
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