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E-Mobilität: China übernimmt erstmalig Gesamtführung und unterstreicht seine Dominanz in den Feldern Markt und Industrie - Deutschland verliert Spitze bei Technologie an Frankreich

E-Mobilität: China übernimmt erstmalig Gesamtführung und unterstreicht seine Dominanz in den Feldern Markt und Industrie - Deutschland verliert Spitze bei Technologie an Frankreich

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  • "Index Elektromobilität Q2/2017" von Roland Berger und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (fka): China bei den Rankings Markt und Industrie spitze; Frankreich bei Technologie
  • Zellproduktion in Deutschland 2016 eingestellt; Batterieproduzenten stammen fast ausschliesslich aus Asien. Deutscher Markt für Elektrofahrzeuge wächst zu langsam
  • Absatz der neu verkauften E-Autos in China verdoppelt sich 2016 auf über 350.000
  • Staatliche Förderung und boomende Start-Up-Szene festigen positiven Trend in China – lokale Automobil-Startups greifen Premiumsegment an
  • Für die Schweizer Wirtschaft hat diese Entwicklung signifikante Relevanz. So sind die Automobilhersteller in den genannten Ländern wichtige Kunden unser hiesigen Zulieferindustrie

Zürich, 04. September 2017

Im neuen "Index Elektromobilität", den Roland Berger und die Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen (fka) für das zweite Quartal 2017 erstellt haben, verliert Deutschland seine Spitzenposition im Ranking Technologie an Frankreich. Im ersten Quartal belegten beide Länder noch gemeinsam den ersten Platz. Grund für diese Verschiebung ist vor allem der zunehmende Anteil an Plug-In-Fahrzeugen im Portfolio deutscher Automobilhersteller. Diese besitzen geringere elektrische Reichweiten und Höchstgeschwindigkeiten. Ausserdem nutzen Plug-In-Fahrzeuge aufgrund der geringeren Batteriekapazität einfachere Ladetechnologien.

Der "Index Elektromobilität" vergleicht regelmässig die relative Wettbewerbsposition der sieben Automobilnationen Deutschland, Frankreich, Italien, USA, Japan, China und Südkorea im Bereich der Elektromobilität. Die Länder werden nach den Indikatoren Technologie, Industrie und Markt bemessen. Dabei übernimmt China aufgrund der Topplatzierungen bei Industrie und Markt im zweiten Quartal 2017 zum ersten Mal die Gesamtführung. "Chinas Aufstieg wird durch nationale Fördergelder und Zulassungserleichterungen gestützt", erklärt Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger. "Ausserdem sehen wir auf dem chinesischen Markt viele technologiestarke Start-Ups, die sich mit ausreichend Kapital Schritt für Schritt im Premiumsegment etablieren."

Position der Schweiz

"Für die Schweizer Wirtschaft hat diese Entwicklung signifikante Relevanz. So sind die Automobilhersteller in den genannten Ländern wichtige Kunden unser hiesigen Zulieferindustrie, die unter anderem Strukturteile giesst, Akustiksysteme entwickelt und wichtige Komponenten für Elektroantriebe und Batteriesysteme liefert. Zudem sollten auch Schweizerische Maschinenbauer die Entwicklung eng verfolgen. Der sinkende Anteil der Verbrennungsmotoren wird sich bald durch eine sinkende Nachfrage nach z.B. Werkzeugmaschinen äussern. Gleichzeitig ergeben sich neue Chancen für Fertigungsspezialisten wie zum Beispiel in den Bereichen Montagetechnik, Oberflächen-Beschichtung oder Digitalisierung", erklärt Sven Siepen, Managing Partner in Zürich.

Ranking Industrie: China an der Spitze

China profitiert im Ranking Industrie von den grossen Produktionsvolumina heimischer Hersteller. In den Jahren 2015-2019 stellen diese rund 3,5 Millionen Elektrofahrzeuge her. Die zweiplatzierten amerikanischen Hersteller produzierten im gleichen Zeitraum gerade mal ein Drittel dieses Volumens. Dabei werden über 90 Prozent der Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Zellen aus lokaler Fertigung bedient. Deshalb steigt China auch zum weltweit führenden Anbieter im Bereich der Zellfertigung gemessen am Produktionsumfang.

"Die grossen deutschen Automobilhersteller produzieren mehr Elektroautos", sagt Alexander Busse, Consultant bei der fka. "Allerdings ist 2016 die ohnehin niedrige, lokale Zellfertigung in Deutschland komplett weggebrochen." Aus diesem Grund befindet sich Deutschland im Industrieranking nur auf Platz vier hinter Japan. "In ganz Europa existiert im Bereich Zellfertigung deutlicher Nachholbedarf gegenüber Asien", warnt Busse.

Deutsche Hersteller könnten EU-Flottenemissionsziele verfehlen

Auch im Ranking Markt gibt das Reich der Mitte den Ton an: Der Absatz der neuverkauften E-Autos verdoppelte sich in China im Jahr 2016 – auf rund 350.000 Fahrzeuge. Frankreich hält trotz geringerem Absatzvolumen mit, da es einen höheren Marktanteil von E-Fahrzeugen im Vergleich zum Gesamtmarkt aufweisen kann.

Im Markt-Ranking erreicht Deutschland nur den vierten Platz mit rund 28.000 neu zugelassenen Plug-In Hybriden und rein elektrischen Autos im Jahr 2016 – dies entspricht gerade mal 0,8 Prozent am gesamten Fahrzeugmarkt. "Das gefährdet die von der Europäischen Union festgelegten Flottenemissionsziele, die Automobilhersteller nach 2021 erreichen müssen", warnt Stefan Riederle, Experte von Roland Berger. "Stärkere staatliche Anreize und der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Deutschland könnten hier sicherlich die Marktentwicklung beflügeln."

Chinesische Start-Ups greifen Premiumsegment an

Auf eine starke staatliche Förderung kann der Erfolg der Elektromobilität in China zurückgeführt werden. Allein im Jahr 2015 stellte die chinesiche Regierung über eine Milliarde Euro für die E-Mobilität zur Verfügung. Aufgrund von Betrugs- und Missbrauchsfällen kürzte China allerdings gegen Ende 2016 die staatlichen Gelder um rund 20 Prozent. Doch insgesamt hält das Land an seinen Subventionen und ambitionierten Zielen fest: Bis 2025 sollen 15 bis 20 Prozent der verkauften Neuwagen E-Fahrzeuge sein. Bis 2030 sollen es sogar 40 bis 50 Prozent sein.

Um diese Ziele zu erreichen fokussiert sich China nicht nur auf Fördermittel, sondern auch auf innovative Start-Ups im Automotive-Bereich, die ausschliesslich auf Elektroantrieb und autonomes Fahren setzen. "Wir sehen einen richtigen Boom chinesischer Start-Ups", beschreibt Wolfgang Bernhart die Situation. "Mit kapitalstarken Investoren, erfahrenen Managern aus der Automobilbranche, globalen Entwicklungszentren und innovativen Geschäftsmodellen greifen die Startups das Premiumsegment an."

Die immer stärkere Präsenz von dynamischen Startups auf dem chinesischen Markt setzt auch die etablierten Automobilhersteller zunehmend unter Druck: "Die grossen europäischen OEMs müssen hier flexibler werden, um den Marktanschluss nicht zu verpassen", warnt Stefan Riederle. "Die klassischen Produktzyklen von sieben Jahren sind heute nicht mehr gefragt. Unternehmen sollten insgesamt schneller, flexibler und innovativer in ihren Angeboten werden."

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