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Krankenhäuser planen die Krise ein – neuer Erlösdruck verschärft die strukturelle Schieflage

Krankenhäuser planen die Krise ein – neuer Erlösdruck verschärft die strukturelle Schieflage

  • Verluste erreichen Rekordhöhe: 73 Prozent der Krankenhäuser schlossen 2025 mit einem Defizit ab. Mehr als jedes zweite Haus verzeichnete einen Fehlbetrag von 10 bis 25 Prozent des Umsatzes.
  • Defizite sind längst eingeplant: 84 Prozent erreichten ihr Wirtschaftsplanziel – obwohl rund drei Viertel rote Zahlen schrieben. Planerfüllung ist damit kein Beleg mehr für wirtschaftliche Stabilität.
  • Zusätzlicher Erlösdruck trifft fehlende Puffer: Für 2027 erwarten die Kliniken durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durchschnittlich sieben Prozent weniger Erlöse, mehr als jedes zweite Haus will Investitionen verschieben oder streichen.

München, 30. Oktober 2026

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Deutschlands Krankenhäuser stehen wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Zwar ist der Anteil der defizitären Häuser 2025 leicht gesunken, doch die Höhe der Verluste hat sich dramatisch verschärft. Das zeigt die Roland-Berger-Krankenhausstudie 2026, für die im Juni und Juli dieses Jahres rund 600 Führungskräfte aus dem deutschen Krankenhaussektor befragt wurden. Demnach verzeichnen 73 Prozent der befragten Kliniken Defizite. Mehr als jedes zweite Krankenhaus schließt das Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von 10 bis 25 Prozent seines Umsatzes ab. Nur rund jedes zehnte Haus erreichte eine positive Ergebnismarge.

Planung wird präziser – aber nicht profitabler

Gleichzeitig können die Häuser ihre wirtschaftliche Entwicklung deutlich genauer vorhersagen: 84 Prozent erreichten 2025 das im Wirtschaftsplan festgelegte Jahresergebnisziel, in den Vorjahren war dies nur etwa der Hälfte gelungen. Die höhere Trefferquote ist jedoch kein Zeichen der Erholung. Fast vier von fünf defizitären Häusern erfüllten ihren Plan, weil die erwarteten Verluste bereits einkalkuliert waren. Für Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien rückt damit eine neue Frage in den Mittelpunkt: nicht, ob ein Ziel erreicht wurde, sondern ob das geplante Ergebnis auf Dauer tragfähig ist.

Auch der Ausblick bleibt angespannt. Rund zwei Drittel der Häuser rechnen bis Ende 2029 mit schlechteren Jahresergebnissen und einer weiteren Verschlechterung ihrer Liquidität. Bis 2031 hellt sich die Erwartung nur teilweise auf: Knapp die Hälfte geht weiterhin von rückläufigen Ergebnissen aus, während lediglich jedes vierte Krankenhaus eine Verbesserung erwartet. 45 Prozent bewerten ihre aktuelle Liquidität als gefährdet oder stark gefährdet.

Sieben Prozent weniger Erlös verschärfen den Handlungsdruck

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz kommt 2027 ein weiterer Belastungsfaktor hinzu. Im Durchschnitt erwarten die Kliniken einen Erlösverlust von sieben Prozent. Als größte Risiken gelten die Streichung der Tarifrefinanzierung, ausgeweitete Prüfregelungen und der Wegfall pauschaler Zusatzvergütungen. Gut ein Drittel der Häuser sieht dadurch seine mehrjährige Finanzplanung erheblich belastet, ein Viertel bewertet die Fortführung des Betriebs ohne strukturelle Eingriffe als existenzgefährdet.

„Mehr als jedes zweite Haus verschiebt Investitionen, um den Erlösdruck kurzfristig abzufedern. Das verbessert zwar kurzfristig die Ergebnis- und Liquiditätssituation, aber die Verluste sind mittlerweile zu hoch. Ohne strategische und strukturelle Maßnahmen, die von vielen Beteiligten einiges abverlangen, wird aber kein Krankenhaus seine Zukunft langfristig sichern können", sagt Peter Magunia, Senior Partner bei Roland Berger.

Bislang reagieren die Kliniken vor allem operativ: Rund neun von zehn Häusern planen Personalmaßnahmen außerhalb der Pflege, jeweils gut zwei Drittel wollen im Pflegebereich sowie bei Aufgabenverteilung, Dokumentation, Kodierung, Entlassmanagement und Sachkosten ansetzen. Strukturelle Maßnahmen nennen dagegen nur 49 Prozent.

Über die Studie

Für die Roland-Berger-Krankenhausstudie 2026 wurden rund 600 Führungskräfte deutscher Krankenhäuser befragt. Die Erhebung richtete sich an Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sowie Ärztliche Direktorinnen und Direktoren. Sie umfasst Kliniken unterschiedlicher Versorgungsstufen und Trägerschaften – von der Grund- und Regelversorgung bis zu Maximalversorgern und Universitätskliniken.

Über Roland Berger
Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München, unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung komplexer Transformationen – von strategischer Neuausrichtung über Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter, KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.

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