Neustart für den Automobilstandort Deutschland

Neustart für den Automobilstandort Deutschland

6. Oktober 2026

Vom globalen Erfolgsmodell zur schmerzhaften Konsolidierung

Die deutsche Automobilindustrie steht unter massivem Druck. Das traditionelle Erfolgsmodell trägt in Zeiten einer sinkenden globalen Nachfrage, verschärftem globalen Wettbewerb, hohen Kosten und langsamen Anpassungsprozessen nicht mehr. Ein grundlegender Neustart ist unausweichlich: Die Branche muss ihre Strukturen verschlanken und ihre Kostenbasis wettbewerbsfähiger gestalten. Mit den richtigen strategischen Entscheidungen ist es unserer Überzeugung nach möglich, einen dauerhaft profitablen Kern der automobilen Wertschöpfung in Deutschland zu erhalten. Dafür braucht es jedoch konsequentes Handeln. Wir zeigen auf, was die Automobilbranche angehen muss und welche Rahmenbedingungen sich ändern müssen, damit der Automobilstandort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt.

Zentrale Erkenntnisse der Studie:

• Bis 2030 werden in Deutschland mindestens 200.000 weitere Arbeitsplätze in der Automobilindustrie wegfallen. Werden jetzt nicht die richtigen Schlüsse gezogen, dürfte diese Zahl noch deutlich höher ausfallen.

• Der automobile Produktionsstandort Deutschland wird schrumpfen: Die Zahl der Fahrzeugwerke sinkt von 20 im Jahr 2025 auf unter 15 bis 2030/35.

• Deutsche Automobilhersteller (OEMs) befinden sich weiterhin in einem strukturellen Nachteil: Sie benötigen 48 bis 60 Monate für die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs, chinesische Wettbewerber dagegen lediglich 18 bis 24 Monate.

"Deutschland kann einen profitablen Kern seiner Automobilindustrie erhalten – aber er wird deutlich kleiner sein als heute."
Felix Mogge
Senior Partner, Supervisory Board Vice Chairman
München Office, Zentraleuropa

Das deutsche Erfolgsmodell in der Automobilindustrie erodiert

Jahrzehntelang profitierte die deutsche Automobilindustrie von einem starken Zusammenspiel zweier Faktoren: wachsende globale Nachfrage und hohe Margen im chinesischen Markt. Eine hohe Werksauslastung sicherte die Produktion in Deutschland, während die Premiumpositionierung überdurchschnittliche Gewinne im Ausland ermöglichte. Dieses Modell trägt nicht mehr. Die zunehmende Regionalisierung schwächt die Exportstärke, und deutsche OEMs haben massive Anteile im chinesischen Pkw-Markt verloren. Waren es im Jahr 2018 noch 21 Prozent, betrug ihr Anteil 2025 lediglich 14 Prozent. Die einst hohen Gewinne aus dem Geschäft in China, die deutschen Herstellern lange erlaubten, geringere Margen in anderen Märkten zu kompensieren, sind weitgehend Geschichte und werden sich kaum erholen.

Beschleunigt wird dieser Rückgang durch die wachsende Präsenz chinesischer Hersteller in Europa: Ihr Anteil an den europäischen Neuzulassungen stieg von 0,1 Prozent im Jahr 2018 auf 5,2 Prozent im Jahr 2025 und soll bis 2030 auf 12,1 Prozent anwachsen. Chinesische Anbieter drängen mit wettbewerbsfähigen Produkten und aggressiver Preispolitik in den Markt und bauen ihre Produktion in Europa aus. Deutschland bleibt bislang außen vor, die Werke der chinesischen OEMs werden hauptsächlich in anderen europäischen Ländern errichtet.

Strukturelle Schwächen werden zur wachsenden Belastung

Der externe Druck trifft auf strukturelle Schwächen im Inland. Besonders ins Gewicht fällt die Entwicklungsgeschwindigkeit: Deutsche OEMs haben auf veränderte Marktbedingungen nicht entschlossen genug reagiert, deshalb bleiben die Entwicklungszyklen zu lang. Während deutsche Hersteller 48 bis 60 Monate für ein neues Modell benötigen, realisieren chinesische Elektrofahrzeug-OEMs dies in lediglich 18 bis 24 Monaten.

Das zweite Problem ist die Kostenstruktur: Chinesische Hersteller produzieren ein Fahrzeug derzeit rund 30 Prozent günstiger als ihre deutschen Wettbewerber. Verschärft wird dieser Nachteil durch die unzureichende Kapazitätsanpassung an die gesunkenen Volumina. Deutsche OEM-Werke waren 2025 nur zu rund 60 Prozent ausgelastet – mit der Folge, dass die Fertigungskosten auf 3.500 bis 5.000 Euro pro Fahrzeug gestiegen sind, verglichen mit 2.000 bis 2.500 Euro an einem europäischen Best-Cost-Standort. Damit wächst der Druck auf Profitabilität und Beschäftigung in Deutschland.

Ein kleinerer, aber profitabler Kern der Automobilindustrie bleibt bestehen

Schrittweise Anpassungen reichen nicht mehr aus. Die Produktionskapazitäten müssen konsequent auf die gesunkenen Volumina ausgerichtet werden, während die Entwicklungszyklen deutlich kürzer werden müssen. Werke mit zu geringer Auslastung benötigen entweder eine tragfähige Neuausrichtung oder eine geplante Stilllegung. Die Folgen für den Arbeitsmarkt werden erheblich sein: Selbst unter bestmöglichen Rahmenbedingungen wird die Beschäftigung in der deutschen Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren um rund 200.000 Vollzeitstellen sinken.

Für diese Transformation sollten Unternehmen und Politik eng zusammenarbeiten. Deutschland muss zugleich wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen schaffen, damit der Produktionsstandort langfristig tragfähig bleibt. Das Ziel ist nicht, das alte Exportmodell wiederzubeleben. Es geht vielmehr darum, einen dauerhaft profitablen Kern automobiler Wertschöpfung zu sichern – kleiner als heute, wirtschaftlich robuster und besser auf die künftige Nachfrage ausgerichtet.

Lesen Sie unsere Studie und erfahren Sie, welche Maßnahmen Unternehmen und Politik ergreifen müssen, um einen profitablen Kern der automobilen Wertschöpfung in Deutschland zu erhalten.

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Felix Mogge
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München Office, Zentraleuropa
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