How automakers can harness the power of AI and compute platforms through close, integrated collaboration with chipmakers.
Mittelstandsstudie Automotive 2026: Zwischen Anspruch und Realität
Von Felix Mogge, Thomas Schlick, Markus Held und Matthias Nagl
Warum alternative Finanzierung ein Schlüssel für die Zuliefer-Transformation sein könnte
Mehrere Jahre anhaltender Krisen, technologischer Disruptionen, eines schleppenden Wachstums und harten Wettbewerbs haben eine völlig neue Realität für den automobilen Mittelstand geschaffen. Zügige Anpassung ist daher das Gebot der Stunde. Die aktuelle Mittelstandsstudie von Roland Berger zeigt auf, wie KMU-Zulieferer ihrer Position stärken können.
Mittelständische Zulieferer müssen ihre Situation realistisch einschätzen und prüfen, ob ihre Position so stabil ist wie angenommen.
Sie müssen außerdem über klassische Bankenfinanzierung hinausdenken und alternative Finanzierungsoptionen ausloten, insbesondere Kapitalmärkte und Private Equity. Diese sind zwar mit komplexeren Anforderungen verbunden, bieten aber erhebliche Vorteile.
Angesichts des Konsolidierungstrends ist ausreichende Liquidität der Schlüssel zum Erfolg.
Mittelständische Zulieferer wurden von den strukturellen Umwälzungen des Automobilsektors besonders hart getroffen und stehen nun vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen ihre Marktposition behaupten und sich zugleich neue Wachstumsquellen erschließen, auch außerhalb des bestenfalls stagnierenden Automobilmarkts. Herkömmliche Maßnahmen wie Kostensenkung und Effizienzsteigerung genügen nicht mehr. Erhöht wird der Druck noch dadurch, dass Banken – die traditionelle Finanzierungsquelle des europäischen Mittelstands – infolge gestiegener Risiken in der Automobilindustrie ihre Kreditvergabe deutlich restriktiver handhaben.
Wie sollten mittelständische Zulieferer auf diese Situation reagieren? Wie können sie sich an das veränderte Marktumfeld anpassen? Antworten auf diese Fragen gibt die neueste Ausgabe unserer jährlichen Automotive Mittelstandsstudie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Zugang zu Transformationskapital. Der Bericht analysiert, was die Studienerkenntnisse für den Automotive-Mittelstand bedeuten, spricht Handlungsempfehlungen für verschiedene Stakeholder-Gruppen aus und ermöglicht den Unternehmen vor allem eine transparente Selbsteinschätzung ihrer Positionierung und finanziellen Situation.
"Das größte Risiko für mittelständische Zulieferer ist nicht allein der Marktdruck, sondern mangelnder Realismus in der Bewertung der eigenen Positionierung."
Analyse und Einordnung der Studienerkenntnisse
Für die Studie wurden Experten aus der DACH-Region sowie aus Frankreich, Italien und Spanien zu einem breiten Themenspektrum befragt – von Management-Prioritäten über Finanzierungspräferenzen bis zur Rolle von Private Equity (PE) in der Zulieferbranche. Die folgenden Abschnitte nennen die wichtigsten Erkenntnisse; detaillierte Informationen enthält der vollständige Bericht.
Management-Prioritäten
Das Gesamtbild zeigt, dass die Management-Agenda 2026 durch Preisdruck, die Notwendigkeit zur Erschließung neuer Kundengruppen und die Expansion in neue Märkte geprägt ist. Dabei dominiert in der DACH-Region die fehlende Wachstumsperspektive, während in Frankreich, Italien und Spanien die Erschließung neuer Kundengruppen und die Reaktion auf steigenden Wettbewerbsdruck ganz oben auf der Agenda stehen.
Strategische Positionierung
Über 70 % der Umfrageteilnehmer bewerten das aktuelle Marktumfeld als herausfordernd, mit geringen länderübergreifenden Variationen. Trotz der schwierigen Bedingungen halten sich 59 % für besser oder deutlich besser positioniert als ihre Wettbewerber. Rund zwei Drittel bezeichnen sich außerdem als strategisch relevante Partner für ihre Schlüsselkunden und verlassen sich in einem möglichen Krisenszenario auf Unterstützung durch OEMs und vorgelagerte Zulieferer. Dies offenbart einen wichtigen „blinden Fleck“ der Unternehmen: Zwar ist ihnen die Krise bewusst, ihre positive Selbsteinschätzung zeigt aber, dass sie das Ausmaß der Gefahr offenbar nicht auf sich beziehen. Dieser mangelnde Realismus ist der größte Risikofaktor für die Branche.
Bevorzugte Finanzierungsformen
Der europäische Automotive-Mittelstand ist auf traditionelle Finanzierungsquellen angewiesen. Mehr als 70 % der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen von Bankkrediten abhängig ist; alternative Finanzierungsformen bleiben die Ausnahme. Das Problem: In einer stagnierenden Branche mit hohem Kapitalbedarf für künftiges Wachstum führen sinkende Unternehmensbewertungen und eine schrumpfende Schuldenkapazität dazu, dass der Zugang zu Kapital immer schwieriger wird.
Restriktive Kreditvergabe
Banken haben bereits ein hohes Kreditengagement im Automobilsektor; das aktuelle Wirtschaftsklima und spezifische Branchenprobleme bergen erhebliche Zusatzrisiken. Beispielsweise gingenin Deutschland seit 2019 100 000 Automotive-Arbeitsplätze verloren. Bei der Kreditvergabe an mittelständische Zulieferer handeln Banken daher zunehmend restriktiver – ein Trend, der von der Mehrheit der Studienteilnehmer beklagt wird. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass die meisten eine wachsende Bedeutung alternativer Finanzierungsformen erwarten.
Private Equity und Konsolidierung
Angesichts der schwierigen Finanzierungslage müssen sich Zulieferer nach Alternativen umsehen. Private-Equity-Investoren sind hier zwar eine Option, stellen jedoch andere Anforderungen als traditionelle KapitalgeberDie Unternehmen wiederum nennen konkrete Bedingungen für den Private-Equity-Einstieg. Die Mehrzahl wünschen sich eine langfristige Ausrichtung und transparente Kommunikation der Kapitalgeber. Obwohl fast 95 % von einer deutlichen Konsolidierung in den nächsten fünf Jahren ausgehen, glaubt nur rund ein Drittel, dass Private Equity dabei einen nennenswerten Einfluss haben wird. Die Antworten zeigen: Mittelständische Zulieferer brauchen dringend alternative Finanzierungsoptionen, sind aber noch nicht überzeugt, dass Private-Equity-Gesellschaften die beste Lösung bieten.
Wie Zulieferer wieder auf Erfolgskurs gelangen können
Zwei Erkenntnisse der Studie stechen besonders heraus:
- Mittelständische Zulieferer müssen ihre Situation realistisch einschätzen und sich fragen, ob ihre Position tatsächlich so stark ist, wie sie glauben. Sie müssen ehrlich zu sich selbst sein und ihr Insolvenzrisiko umfassend bewerten.
- Sie müssen außerdem über Bankkredite hinausdenken und alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen. Dazu zählen Private Equity, die Kapitalmärkte, Anleihen, Private Debt und weitere Finanzierungsquellen. Diese können mit höheren Anforderungen – beispielsweise an die Berichterstattung – und Risken – etwa aktiv eingeforderte, weitreichende Kostensenkung– verbunden sein, zugleich aber große Chancen bieten.
Welche Umsetzungshebel haben mittelständische Zulieferer? Als erste Maßnahme müssen sie eine ehrliche Selbsteinschätzung vornehmen. In der vollständigen Studie skizzieren wir die wichtigsten Aspekte, die hierbei zu berücksichtigen sind, und geben Handlungsempfehlungen für verschiedene Entscheidergruppen. Ergänzt wird dies durch einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung, der den Unternehmen bei der Ermittlung ihrer strategischen und finanziellen Position sowie der erfolgreichen Transformation als Leitfaden dienen kann.
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