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Digitalisierung im deutschen Großhandel: Drehscheibe der Wirtschaft in digitaler Not?

Digitalisierung im deutschen Großhandel: Drehscheibe der Wirtschaft in digitaler Not?

  • Studie von Roland Berger und dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA): 54 Prozent der deutschen Großhändler sehen digitale Plattformen als größte Gefahr für das traditionelle Geschäftsmodell
  • Bedroht sehen die Teilnehmer sich v.a. durch Pricing, Kundenzugang und Logistikkompetenz der Plattformen, den bisher klassischen Kernfunktionen des Großhandels
  • Großhändler sollten den Kunden (noch) stärker in den Fokus ihres Handelns stellen, sich neuen Technologien wie RFID öffnen und Vertriebskanäle integrieren
  • Individuelle Strategien für die digitale Welt müssen fühlbaren Mehrwert für Kunden durch passende Produkt-, Service- und Pricing-Angebote liefern

München, 14. November 2016

Mit seinen rund 160.000 Unternehmen beschäftigte der Großhandel 2015 rund 2 Millionen Arbeitnehmer und setzte Waren im Wert von 1.130 Milliarden Euro um. Das macht ihn zum drittgrößten Arbeitgeber in Deutschland und entspricht fast zwei Drittel des Gesamt-Handelsumsatzes. Konkurrenz bekommen die Großhändler allerdings seit einiger Zeit von neuen, digitalen Wettbewerbern. Das bestätigt die umfassende Studie von Roland Berger und dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) mit dem Titel "Digitale Transformation des Großhandels". Befragt wurden 890 deutsche Großhandelsunternehmen.

Mehr als jeder Zweite (54 Prozent der Befragten) befürchtet vor allem durch digitale Plattformen eine Gefahr für sein Geschäftsmodell. Somit ist der digitale Wandel auch im deutschen Großhandel bereits Realität und wird das traditionelle Geschäftsmodell künftig tiefgreifend verändern. Das sehen auch 94 Prozent der Studienteilnehmer so. "Waren früher ausschließlich persönliche Kundenbeziehungen, ein umfassendes Sortiment oder die Finanzierungsfunktion des Großhandels ausschlaggebend für den Erfolg, ist heute die umfassende Analyse von Kundendaten als Basis für die effektive Kombination von on- und offline-Vertriebskanälen mit entscheidend." sagt Patrick Heinemann, Großhandelsexperte bei Roland Berger.

Der Großhandel gerät durch die Digitalisierung immer stärker unter Druck. Denn Hersteller nutzen vermehrt digitale Vertriebskanäle und die daraus gewonnen Kundendaten direkt für sich, und digitale Wettbewerber drängen zunehmend in den B2B-Markt. "Dies wird das Geschäftsmodell Großhandel in vielen Branchen massiv verändern oder sogar in Frage stellen", sagt Heinemann. Aktuell sehen die Großhändler allerdings die größte Gefahr bei der Preisgestaltung von Produkten (62%), dem Zugang zu digital affinen Kunden (43%) und der Logistikkompetenz digitaler Plattformen (37%).

Kundenbindung hat höchste Priorität

"Viele Großhändler haben bereits mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse begonnen; immerhin fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer konnten so ihren Gewinn verbessern. Selbst von den nach eigener Einschätzung stark aktiven Großhändlern im Bereich Digitalisierung glaubt jeder fünfte Teilnehmer allerdings, dass seine Bemühungen noch nicht ausreichen, um im digitalen Wettbewerb zu bestehen" erklärt André Schwarz, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BGA.

Die meisten Initiativen konzentrieren sich derzeit auf den Bereich Vertrieb. Rund die Hälfte der Firmen setzt neue Methoden und Technologien zur Kundenbindung ein oder baut sie aus (67%). Auch die Nutzung quantitativer Datenanalysen (Big Data) wird bereits von über 20 Prozent vorangetrieben, steckt aber oftmals noch in den Kinderschuhen. Die Vorteile solcher Analysen sieht v.a. der klassische Außendienst oftmals kritisch, und beschwört seit jeher den direkten Kundenkontakt, wenn es darum geht, die Kunden wirklich zu verstehen. "Hier ist ein Umdenken erforderlich. Denn die systematische Auswertung großer Datenmengen und detailliertes Wissen über Kundenwünsche ermöglichen ein passgenaueres Produktangebot und einen effizienteren Vertrieb", erläutert Heinemann. Nachholbedarf sehen die Experten auch beim Einsatz der RFID-Technik. Denn diese Technik für die Gewinnung von Daten wird aktuell nur von 5 Prozent der Befragten vorangetrieben.

Vertrieb ist wichtige Schnittstelle für erfolgreiche Digitalisierung

Die Digitalisierung wird auch im Großhandel durch das Top-Management vorangetrieben (71%). Zu wenig eingebunden ist bislang der Vertrieb (22%), der den wichtigsten Beitrag bei der digitalen Kundenbindung liefern sollte.

Digitalisierung sollte Mehrwert für Kunden bringen

Insgesamt lautet die Marschrichtung: mehr Innovationen wagen und in neue Ideen investieren, um die neuen Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Denn der digitale Wandel bietet dem Großhandel auch beträchtliche Chancen und weitere Absatzmöglichkeiten. "Um den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern, braucht jedes Unternehmen eine individuelle Strategie für die digitale Welt", so Schwarz.

"Wichtig ist es dabei, dass die Mitarbeiter in den Prozess aktiv eingebunden werden und gleichzeitig Verantwortung übernehmen. Fehler müssen erlaubt sein, die in einem solchen Transformationsprozess nicht ausbleiben", so Schwarz. In diesem Zusammenhang spielen externe Innovationsnetzwerke eine zunehmend wichtige Rolle, in denen Unternehmen und Mitarbeiter die digitale Welt kennenlernen.

Veränderungen sind aber auch mit Blick auf die Kunden erforderlich: Bestehende und potenzielle sollten anhand ihrer digitalen Anforderungen in neue Kundensegmente eingeteilt werden. Auf dieser Basis entscheidet sich dann, welcher Kunde über welche Kanäle wie angesprochen wird. Wichtig ist, dass die gesamte Produkt- und Servicepalette über On- und Offline-Kanäle angeboten werden kann. Für die Vertriebsstrukturen im Großhandel folgt, dass sich die klassischen Trennlinien im Vertrieb auflösen müssen, damit die analoge mit der digitalen Welt zusammenwächst, fasst Patrick Heinemann zusammen.

Über Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA):

Der BGA vertritt als Dachverband die rund 160.000 Unternehmen des Groß- und Außenhandels sowie unternehmensnahe Dienstleister mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten und 60.000 Auszubildenden, die einen Jahresumsatz von über 1,8 Billionen Euro erwirtschaften. Das BGA-Netzwerk bündelt das Know-how von 45 Branchen- sowie 23 Landes- und Regionalverbänden und setzt sich vor Ort, in Berlin und Brüssel sowie in über 100 Organisationen weltweit für seine Unternehmen ein.

Über Roland Berger:

Roland Berger, 1967 gegründet, ist die einzige der weltweit führenden Unternehmensberatungen mit deutscher Herkunft und europäischen Wurzeln. Mit rund 2.400 Mitarbeitern in 34 Ländern ist das Unternehmen in allen global wichtigen Märkten erfolgreich aktiv. Die 50 Büros von Roland Berger befinden sich an zentralen Wirtschaftsstandorten weltweit. Das Beratungsunternehmen ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 220 Partnern.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

André Schwarz
Stellvertretender Hauptgeschäftsführer
BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA)
Tel.: +49 30 590 099 521
E-Mail: Andre.Schwarz@bga.de
www.bga.de

Claudia Russo
Head of Regional Marketing & Communications
Germany and Switzerland
Roland Berger
Tel.: +49 89 9230-8190
E-Mail: Claudia.Russo@rolandberger.com
www.rolandberger.com

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