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Patientenmangel verursacht hohe Einbussen: COVID-19 verschärft die wirtschaftliche Lage der Schweizer Spitäler

Patientenmangel verursacht hohe Einbussen: COVID-19 verschärft die wirtschaftliche Lage der Schweizer Spitäler

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  • Fast Zweidrittel der Häuser erwartet 2020 ein Defizit
  • Mittelgrosse Spitäler und Häuser in öffentlicher Trägerschaft sind besonders betroffen
  • Pandemie beschleunigt Konsolidierung und Digitalisierung

Zürich, 16. November 2020

Die Covid-19-Pandemie stellt die Schweizer Spitäler nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich vor grosse Herausforderungen. So erwarten drei Viertel der Maximalversorger und Universitätsspitäler für das laufende Jahr ein Defizit. Auch die weiteren Aussichten sind wenig optimistisch: Nachdem ein grosser Teil der Einrichtungen 2019 noch einen steigenden Umsatz und positive Ergebnisse vorweisen konnte, rechnen diesmal 65 Prozent mit einem Defizit. 91 Prozent gehen sogar davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation in den nächsten fünf Jahren weiter verschlechtert. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Befragung unter den 150 grössten Schweizer Spitälern, die Roland Berger zwischen Ende September und Mitte Oktober 2020 durchgeführt hat.

Hauptursache für die prekäre Lage ist die schlechte Auslastung der Spitäler. So sind viele planbare Eingriffe während der "ersten Welle" Pandemie-bedingt verschoben worden. Insbesondere kleine und mittlere Häuser hatten dadurch grosse Einbussen. Während und nach der ersten Welle der Pandemie sank das Auslastungsniveau auf den Intensivstationen um bis zu 14 Prozentpunkte, auf den Normalstationen sogar um fast 40 Prozentpunkte. Nur grosse Spitäler erreichten eine Auslastung von durchschnittlich 82 Prozent ihrer Intensivstationen.

Hoffnung auf wieder steigende Patientenzahlen

Während der Befragung im September sind noch 70 Prozent davon ausgegangen, dass die Zahl der stationär behandelten Patienten im nächsten halben Jahr wieder steigt. "Ob sich die Erwartungen auf eine schnelle Erholung angesichts der aktuellen „zweiten Welle“ der Pandemie bestätigen, bleibt allerdings abzuwarten", sagt Roland Berger Partner Peter Magunia.

In der Versorgung mit kritischem Material wie bspw. Schutzmasken haben die Spitäler aus den Erfahrungen der vergangenen Monate bereits Lehren gezogen. So soll die Beschaffung künftig stärker regionalisiert und die Lagerhaltung ausgebaut werden, um Engpässe künftig zu vermeiden. Wie die Umfrageteilnehmer berichten, mussten fast 80 Prozent der Kantonsspitäler den Verbrauch bestimmter Materialien stark einschränken. Trotzdem sei es zu Versorgungsausfällen gekommen.

COVID-19 beschleunigt die wichtigsten Trends

Wie die Untersuchung weiter zeigt, treibt die Pandemie bereits vorhandene Entwicklungen im Gesundheitswesen weiter an, allen voran Konsolidierung und Digitalisierung. Aktuell haben 86 Prozent der Spitäler eine Digitalisierungsstrategie. Vor allem digitale Dienstleistungen wie Videomonitoring und -Konsultationen von Patienten gewinnen zunehmend an Bedeutung.

„Die Studie belegt, dass COVID-19 die aktuell grösste Herausforderung für Schweizer Spitäler ist“, sagt Senior Partner Matthias Bünte. „Um sie erfolgreich zu bewältigen, müssen die Häuser ihre Ergebnissituation verbessern und die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen.“

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