Macroeconomic & Geopolitical Analyses
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Von David Born
Die deutsche Wirtschaft bleibt auch 2026 von einer nur moderaten Erholung geprägt. Nach einem minimalen Wachstum von 0,2 % im Vorjahr setzt sich die verhaltene konjunkturelle Dynamik fort. Strukturelle Standortfaktoren und globale Herausforderungen – von geopolitischen Spannungen, wachsende Importkonkurrenz aus China bis hin zu erhöhten US-Zöllen – belasten die Wettbewerbsfähigkeit und erschweren die Planungssicherheit für Unternehmen. Die Effekte des staatlichen Investitionspakets werden erst 2027 voll wirksam, sodass das BIP 2026 voraussichtlich um 0,8 % wächst.
Die jüngsten Exportdaten zeigen eine wachsende Zweiteilung: Während die Ausfuhren in die USA und nach China deutlich an Dynamik verloren haben, wirkt der Handel mit anderen EU-Staaten stabilisierend. Die Exporterwartungen des verarbeitenden Gewerbes sind im vierten Quartal ins Negative gerutscht – eine nachhaltige Erholung der Exportperspektive ist nicht absehbar.
Licht und Schatten in der Industrie: Die Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe hat sich zuletzt leicht verbessert, getrieben vor allem durch öffentliche Großaufträge im Rüstungssektor. Ohne diese Impulse wäre der Auftragseingang weitgehend stagniert. Die Industrieproduktion zeigt im November 2025 einen leichten Anstieg (+0,8 %), während die energieintensiven Sektoren weiterhin unter Druck stehen. Besonders die Automobilindustrie und der Maschinenbau konnten zulegen, während die Energieerzeugung deutlich rückläufig war.
Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Die Arbeitskräftenachfrage hat sich 2025 infolge des niedrigen Wirtschaftswachstums weiter abgeschwächt. Sowohl Bestand als auch Zugänge gemeldeter Stellen erreichten historische Tiefstände. Auch die Arbeitslosenquote stieg auf 6,3 % und damit den höchsten Stand seit 2015. Die steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen macht sich ebenfalls auf dem Arbeistmarkt bemerkbar. Diese erreichten mit rund 23.900 Fällen den höchsten Stand seit 2014, besonders betroffen sind mittelständische Betriebe.
Gedämpfte Stimmung bei Konsumenten: Das Konsumklima trübt sich weiter ein, die Sparneigung der Verbraucher erreicht den höchsten Wert seit der Finanzkrise. Der Einzelhandel verzeichnete 2025 ein reales Umsatzplus von 2,4 %, getrieben durch einen Sondereffekt bei einem Online-Retailer: Durch eine Umstellung der Fakturierung werden Umsätze nun statistisch Deutschland zugeordnet, ohne das reale Konsumvolumen entsprechend zu steigern.
Begrenzte Impulse durch fiskalische Spielräume: Die Ausgaben für Rüstung, Soziales und Zinsen beanspruchen einen wachsenden Anteil des Bundeshaushalts, die fiskalischen Spielräume sind bis 2029 stark eingeschränkt. Die Inflationsrate ist im Dezember 2025 auf 1,8 % gesunken und liegt damit erstmals seit 2024 wieder unter der 2-Prozent-Marke. Die EZB hält ihren geldpolitischen Kurs stabil, während die US-Fed den Leitzins weiter senkt.
Chancen und Risiken im Jahr 2026: Für 2026 erwartet das Roland Berger Institute ein BIP-Wachstum von +0,8 %. Die Hauptimpulse kommen von öffentlichen Ausgaben, während strukturelle Belastungen und außenwirtschaftliche Unsicherheiten die kurzfristige Dynamik dämpfen. Erst 2027 dürften die Investitionsprogramme der Bundesregierung die Konjunktur spürbar beleben – vorausgesetzt, flankierende Reformen und eine Entspannung im Welthandel schaffen neue Wachstumschancen.
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