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Roland Berger Trend Compendium 2050: Gesundheit und Pflege

30. August 2021

Trend 2 unseres Trend Compendiums 2050 analysiert Pandemien und andere Herausforderungen, Krankheiten und Behandlungen sowie die Pflege

In Trend 2 unseres Trend Compendiums 2050 geht es um einen hochaktuellen Megatrend: Gesundheit und Pflege . Hier betrachten wir die verschiedenen Aspekte von Pandemien und anderen gesundheitlichen Herausforderungen sowie von Krankheiten und Behandlungen und das immer drängendere Thema der Pflege.

Pandemien und andere Herausforderungen: Es war nicht die erste und wird nicht die letzte sein – aber andere wichtige gesundheitliche Herausforderungen rücken ganz oben auf die globale Agenda

Während der Lebenszeit eines durchschnittlichen Menschen sind globale Pandemien sehr selten, aber nicht ausgeschlossen. Epidemien – also eher lokal begrenzte, regionale Ereignisse – sind jedoch weitaus häufiger, als uns vielleicht bewusst ist. Dank gezielter medizinischer Maßnahmen kann in der Regel verhindert werden, dass sie zu einer globalen Bedrohung werden. Wie die Ausbreitung des Coronavirus überdeutlich gezeigt hat, ist die Vorbereitung auf solche Ereignisse entscheidend.

"We are going to get more pandemics (…) I don’t think there's any doubt about it. (…) We will get pandemics with much higher mortality than the one we just had."

Die aktuelle Pandemie steht in einer Reihe mit mehreren ebenso drängenden globalen Gesundheitsproblemen. Insbesondere die Resistenz bestimmter Mikroben gegen Medikamente wie Antibiotika, mit denen sich Infektionen leicht und erfolgreich behandeln lassen, stellt eine Bedrohung für die moderne Medizin dar. Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung für neue Medikamente gewinnt durch eine global konzertierte Aktion langsam an Fahrt. Aber Vorsicht: Bleibt der Erfolg in diesem Bereich aus, werden bis zum Jahr 2050 voraussichtlich 10 Millionen Todesfälle pro Jahr direkt auf antimikrobielle Resistenz zurückzuführen sein.

Äußere Umweltbedingungen wie Umweltverschmutzung und andere Auswirkungen des Klimawandels belasten die Weltbevölkerung mit einer alarmierenden Krankheitslast. Die Klimakrise muss auch als eine Gesundheitskrise verstanden werden. Sie reicht von wasserbedingten Krankheiten bis hin zur Verschlimmerung von Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen – und sie hat ihren Preis: Ein Drittel der weltweiten Kosten für die Bewältigung des Klimawandels entfallen auf gesundheitsbezogene Kosten.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen werden bis 2050 in allen Ländern steigen. Der stärkste Anstieg findet in Ländern mit mittlerem Einkommen statt, der schwächste in Ländern mit niedrigem Einkommen, die oft nur über eine unzulängliche Gesundheitsinfrastruktur und Qualität der Versorgung verfügen.

Krankheiten und Behandlungen: Von der Zelle zum System – unser Konzept von Gesundheit geht über die bloße Abwesenheit von Krankheit hinaus

Eine wachsende Weltbevölkerung bis 2050 zeichnet auch ein komplexes, regional unterschiedliches Bild hinsichtlich der Krankheitslast und der Zahl der Todesfälle durch übertragbare und nicht übertragbare Krankheiten. Global ist die weltweite Sterblichkeitsrate bei übertragbaren Krankheiten rückläufig, was häufig auf bessere Hygiene und einen höheren Lebensstandard zurückzuführen ist. Dies rückt jedoch die nichtübertragbaren Krankheiten in den Mittelpunkt, d.h. Krankheiten, die größtenteils chronisch sind und in der Regel aus einer Kombination mehrerer Faktoren wie Bewegungsmangel, ungesunder oder Mangel-Ernährung, dem schädlichen Konsum von Alkohol und Tabak und Umweltfaktoren resultieren.

Bis 2050 werden kosten- und pflegeintensive Krankheiten wie Demenz und Diabetes in allen Regionen ihre Bedeutung unter den fünf häufigsten Todesursachen für nichtübertragbaren Krankheiten ausbauen – hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen. Betrachtet man die Risikofaktoren dieser Gruppe von Krankheiten, so ist ein großer Teil modifizierbar und sogar vermeidbar. Um Behandlungen einen Schritt voraus zu sein, werden Prävention und Selbstfürsorge, unterstützt durch intelligente Geräte wie Wearables, in unserem künftigen Gesundheitskonzept eine immer größere Rolle spielen: Ziel ist die Verlängerung unserer Gesundheitsspanne, nicht nur unserer Lebensspanne.

Künftig wird die Behandlung von Krankheiten zunehmend technologiegesteuert und -unterstützt sein, was schon in Anwendungen im Bereich der elektronischen Gesundheitsdienste bis hin zu FuE-Durchbrüchen während der COVID-19-Pandemie sichtbar wurde. Neuartige Gen- und Zelltherapien eröffnen neue therapeutische Ansätze für weit verbreitete Krankheiten mit langanhaltender Wirkung. Die Zunahme medizintechnischer Anwendungen, der Einsatz von KI und maschinellem Lernen sowie die wachsende Bedeutung von Telemedizin unterstreichen die Tatsache, dass künftige Gesundheitskonzepte prädiktiver und präventiver sein werden.

Pflege und Betreuung: Eine alternde Gesellschaft und ihr zunehmender Pflegebedarf

Pflege kann viele Formen annehmen, aber im Kern geht es immer um die Unterstützung einer bedürftigen Person bei den Aktivitäten des täglichen Lebens. Pflegesysteme sowie die Allokation von Pflegeressourcen sind weltweit sehr unterschiedlich. Soweit Daten verfügbar sind, wird deutlich, dass die häusliche Pflege durch Familienmitglieder – in der Regel ungeschult und unbezahlt – weltweit den Eckpfeiler der Pflege darstellt und dadurch für die Wirtschaft als auch für den Einzelnen erhebliche Belastungen bedeutet.

Außerhalb der entwickelten, zumeist westlichen Länder sind die Systeme zur Unterstützung der Langzeitpflege bestenfalls lückenhaft, wobei die für die Pflege bereitgestellten Mittel nur einen Anteil von 1-3% des BIP ausmachen. Trends in der Langzeitpflege zeigen in vielen Ländern eine Verlagerung von der Pflege in Heimen hin zur häuslichen Pflege: Ziel ist es, die Nachhaltigkeit der Pflegesysteme zu erreichen, indem die kostenintensive institutionelle Langzeitpflege-Infrastruktur verringert wird. In Europa sind 81% der Arbeitskräfte in der Langzeitpflege weiblich – das Geschlechterverhältnis hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert.

Ein unbestrittener Aspekt in der Pflege ist der steigende Personalbedarf in den kommenden Jahren. Mit der weltweiten Zunahme von Demenz, aber auch anderen pflegeintensiven Krankheiten in alternden Gesellschaften, wird der Pflegebedarf immer komplexer. Nach Angaben der OECD werden bis zum Jahr 2040 60% mehr Pflegekräfte benötigt, um das derzeitige Verhältnis von Pflegekräften zu älteren Pflegebedürftigen aufrechtzuerhalten – mit einer Erhöhung der Produktivität könnte diese Zahl jedoch halbiert werden. Hierfür gibt es zahlreiche Ansatzpunkte: Ein Drittel der Pflegearbeit ist mit administrativen Tätigkeiten verbunden. Auch ist in den meisten Ländern in diesem arbeitskräfteintensiven Sektor die Mitarbeitergewinnung und -bindung bereits ein zentrales Anliegen. Daher müssen Erleichterungen bei Prozessen und anderen herausfordernden Aufgaben der Pflege durch eine umfassende Nutzung technologischer Innovationen den lebenswichtigen Sektor auf seinem Weg ins Jahr 2050 moderner und attraktiver machen.

Wie Unternehmen Megatrends nutzen können

Es ist wichtig, aus außergewöhnlichen Ereignissen wie COVID-19 zu lernen, aber ebenso wichtig ist es, auf wahrscheinlichere, lokal begrenzte Störfälle vorbereitet zu sein. Auswirkungen auf Lieferketten, aber auch auf politische und regulatorische Rahmenbedingungen müssen von Unternehmen regelmäßig überprüft werden, um vorbereitet zu sein – auch auf weitreichende, klimabedingte Gesundheitsauswirkungen. Die Förderung eines gesunden Arbeitsplatzes sowie präventive Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge wirken sich direkt auf die Produktivität aus. Eine alternde Belegschaft erfordert Gespür und Flexibilität, aber die Förderung der Nutzung von Gesundheitstechnologien spart Zeit und Ressourcen. Unternehmen müssen berücksichtigen, dass Pflege ein universelles, aber oft unsichtbares Thema ist, das jeden zu jeder Zeit betreffen kann – und damit auch den Geschäftserfolg.

Für Unternehmen, die im Gesundheits- und Pflegesektor tätig sind, sind die Herausforderungen und Chancen noch akuter

In der Arzneimittelforschung und -entwicklung kann sich eine offene Perspektive als äußerst vorteilhaft erweisen, um neue Synergien zu finden, die über das ursprüngliche Ziel hinausgehen. Unternehmen sollten vom Trend zur Digitalisierung und Vernetzung in vielen Bereichen der persönlichen Gesundheit und des Wohlbefindens profitieren – von Selbstpflege-Apps bis hin zu Wearables. Bei der Diagnose und Behandlung, aber auch bei der Pflege, sollten Unternehmen sich die Möglichkeiten innovativer Technologien wie KI oder von Robotern zunutze machen. Pflegemitarbeiter sind eine wichtige Zielgruppe für intelligente Technologien, die funktionieren, ohne den Kern ihres Berufs zu beeinträchtigen: die gegenwärtige und zukünftige Qualität der Pflege. Dieser Trend verändert auch Aspekte der Rekrutierung und Bindung von Pflegekräften und kann dazu beitragen u.a. mehr männliche Pflegekräfte für den Beruf zu gewinnen.

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Roland Berger Trend Compendium 2050: Gesundheit und Pflege

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Trend 2 unseres Trend Compendiums 2050 analysiert Pandemien und andere Herausforderungen, Krankheiten und Behandlungen sowie die Pflege

Veröffentlicht August 2021. Vorhanden in
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