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Startup-Hub Wien: Zukunftschancen gezielt nutzen

Startup-Hub Wien: Zukunftschancen gezielt nutzen

  1. Roland Berger und Pioneers haben in der Studie „Startup-Hub Wien – Zukunftschancen gezielt nutzen“ den Standort Wien genauer unter die Lupe genommen.
  2. Mehr als 50 persönlich geführte Einzelinterviews mit Investoren, den CEOs und Geschäftsführern der namhaftesten österreichischen Unternehmen und Startups und weiteren Stakeholdern des Startup-Ökosystems machen den Handlungsbedarf deutlich.
  3. Aktuell spielt der Standort Wien im Startup-Bereich auf europäischer Ebene keine Rolle Die Studie gibt fünf konkrete Handlungsempfehlungen dafür, wie Wien zur europäischen Spitze aufschließen kann.

Wien, 18. Mai 2016

Durch gezielte Initiativen zur Erhöhung der Attraktivität für Startups – heimischer und gerade auch internationaler Kreativtalente – hätte Wien die Chance, zur europäischen Spitze der Startup-Aktivitäten aufschließen und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen zu stärken. Grundsätzlich hat die Stadt Wien gute Voraussetzungen und ihr Startup-Ökosystem wächst, aber zu langsam. Daher sind Anstrengungen notwendig, um eine international „kritische Masse“ zu erreichen. Gelingt dies nicht, droht der Verlust des Innovationsmotors für die österreichische Wirtschaft.

„Wien hat den Anschluss an die Spitze der europäischen Startup-Hubs verloren. Dies ist besorgniserregend, da Startups Innovationen für die österreichische Wirtschaft generieren. Die Wettbewerbsfähigkeit ist gefährdet. Daher unsere Motivation für diese groß angelegte Studie zum Status quo des Wiener Startup-Ökosystems und für die abgeleiteten Handlungsempfehlungen, deren Umsetzung der Standort dringend braucht“, betont Dr. Vladimir Preveden, Managing Partner von Roland Berger Wien. Die großen Konzerne müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, um gesund weiterzuwachsen. Dazu brauchen sie in einem Umfeld von Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Ambivalenz Innovationen. Diese Innovationen können von Startups kommen, die aber passende Finanzierungen und Rahmenbedingungen brauchen.

Ein „Startup-Hub“ ist Innovationsmotor und Generator von Arbeitsplätzen und künftigem Wohlstand, sind sich die Verfasser der Studie, Roland Berger und Pioneers, sicher. „Die Startup-Szene in Wien vibriert durchaus – allerdings auf zu geringem Niveau, als dass man davon auf dem internationalen Parkett Notiz nehmen würde. Wir sind überzeugt, dass Wien das Potenzial für den Sprung in die europäische Top-Liga der Startup-Hubs hat“, betont Mag. Oliver Csendes, COO von Pioneers.

Studie bietet Bestandsaufnahme zum Wiener Startup-Ökosystem

Neben der eigentlichen Startup-Szene besteht das Wiener Startup-Ökosystem aus sechs Stakeholdergruppen: der Öffentlichen Hand, privaten Investoren, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Supportern und Medien. „Die Zusammenfassung der Interviews in einer qualitativen Analyse zeigt, dass die österreichische Förderlandschaft im internationalen Vergleich gerade in der Frühphase für Startups ausgezeichnet ist. Mit Runtastic und Shpock hat Österreich hervorragende Vorbilder und mit dem Pioneers Festival und dem AustrianStartups-Stammtisch zwei exzellente Veranstaltungen zur Vernetzung“, so Ing. Rudolf Kemler, Senior Partner von Roland Berger. „Spürbare Schwächen existieren allerdings in der Finanzierung der Expansionsphase ab dem ‚Proof of Concept‘. Hier wäre es dringend nötig, brach liegendes privates Kapital – durch das Schaffen entsprechende Rahmenbedingungen – zugänglich zu machen.“

Beim Humankapital hat Österreich noch Vorteile gegenüber den führenden Startup-Hubs und die Wiener Universitäten und Hochschulen sind besser als ihr Ruf, war in den Interviews mehrheitlich zu hören. Trotzdem sehen die 53 Interviewpartner noch Verbesserungspotenzial. Während die Förderlandschaft gerade in der „Early Stage“ ausgezeichnet ist, existiert sie in der Späteren Phase kaum. Auch habe Entrepreneurship in anderen europäischen Metropolen eine viel höhere politische Priorität. „Die Interviewpartner haben immer wieder betont, dass Österreich viel mehr hervorragende Vorbilder brauche und gerade nach dem Sicherheitsdenken der vergangenen Jahrzehnte jetzt mehr Mut, auch zum Scheitern, angebracht wäre“, so Roland Berger Partner Kemler. Auch sollten die Wiener Universitäten und Hochschulen ihren Output in Unternehmensgründungen manifestieren. Die quantitative Analyse des Wiener Startup-Ökosystems zeigt, dass sich eine Vielzahl von Startups in den beiden Sektoren Lifestyle & Entertainment und Business & Productivity konzentriert, in denen mit niedriger Kapitalausstattung gestartet werden kann. An dritter Stelle mit etwa 14 Prozent aller Startups in Wien rangiert der Sektor Life Science & Agriculture, der auch Biotech miteinbezieht. Dieser Bereich ist gut finanziert: Rund 45 Prozent seiner Startups verfügen über mehr als 500.000 Euro, was durch hohe F&E-Ausgaben dieser Unternehmen zu erklären ist.

Initiativen für Wien: Fünf Handlungsempfehlungen

„Das Startup-Ökosystem Wien muss quantitativ und qualitativ deutlich zulegen, um zu den europäischen Top-Zentren London, Berlin und Paris aufzuschließen. Sonst verlieren wir den Anschluss und gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit. Aus der qualitativen Analyse der Interviews sowie der quantitativen Analyse des vorhandenen Datenmaterials haben wir fünf konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt“, so Roland Berger Partner Preveden.

  1. Großunternehmen stärker aktivieren: Großunternehmen in Österreich zeigen zunehmend Interesse an Startups, deren Gründern und Innovationen. Sie können Startups den Zugang zu Kunden ermöglichen, den diese aufgrund der fehlenden Traktion bzw. Glaubwürdigkeit noch nicht haben. „In der Frühphase suchen Gründer vor allem Zugang zu Märkten sowie unterstützende Infrastruktur, um wachsen zu können“, betont Pioneers-COO Csendes. Ein unabhängiger Player sollte die richtigen Kollaborationspartner identifizieren und ein gemeinsames Vorgehen moderieren. Zum einen muss die Lücke im Local-Venture-Capital-Bereich der Finanzierungslandschaft geschlossen werden, z.B. durch den Zusammenschluss mehrerer großer Unternehmen zur Auflage eines Startup-Fonds in der Größe von 100 bis 300 Millionen Euro. Zum anderen sollten sich Großunternehmen in Österreich bei der Errichtung eines zentralen Startup-Campus engagieren.
  2. Zentralen Startup-Campus errichten: Die Wiener Startup-Szene ist derzeit verstreut und in erster Linie im 7. und 5. Bezirk sowie an den Universitäten zu finden. Räumliche Nähe, kurze Wege und eine Bündelung von Ressourcen fördern hingegen den kreativen und intellektuellen Gedankenaustausch sowie die Effizienz. Das derzeitige Ökosystem schreit förmlich nach einem zentralen Startup-Campus, wo Startup-Gründer, Investoren und große Unternehmen in Co-Working Spaces zusammenarbeiten. Für die Ansiedelungskandidaten bedarf es messbarer Ziele und strikter Kriterien. Eine Jury soll über die Aufnahme entscheiden, um dann Gründer, Unternehmer, Universitäten und Investoren je nach Innovationsfeld systematisch miteinander zu verknüpfen.
  3. Neues politisches Mindset schaffen: Wie in Unternehmen und in Startups müssen auch in der Stadtpolitik Innovation, Strategie und Wertschöpfung Chefsache sein. Die Stadtpolitik muss die steuerlichen, finanziellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Startups auf ihre Innovation konzentrieren können. Die Stadt Wien hat bereits einiges zur Förderung der Startup-Szene getan, darauf kann und muss aufgebaut werden. Gründungen müssen vereinfacht, Hürden bei der Anziehung ausländischer Kreativpotenziale reduziert und die Kosten zur Führung eines neu gegründeten Unternehmens gesenkt werden. Die Senkung der Lohnnebenkosten für die ersten drei Mitarbeiter in den ersten drei Jahren, die Schaffung einer „Limited Company“ im Gesellschaftsrecht und Erleichterungen bei Beteiligungen sowie eine Verkürzung der Verfahrensdauer zur Erlangung einer Rot-Weiß-Rot-Karte wären wichtige Schritte.
  4. Junge Wissenschaftler zum Gründen bewegen: In Österreich spielt die Kommerzialisierung wissenschaftlicher Forschung eine untergeordnete Rolle. Statt an Patenten wird wissenschaftlicher Erfolg an der Zahl der Publikationen gemessen. Rechtliche Rahmenbedingungen oder Programme, die die Kommerzialisierung von Forschung ermöglichen oder fördern, gibt es nicht. Eine kurzfristige Maßnahme wäre die Einführung von Sabbatical-Programmen für wissenschaftliche Mitarbeiter, damit diese sechs Monate Zeit für die Kommerzialisierung ihrer Forschung haben. Auch sollten Doktoranden die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschung kommerziell verwenden können. Rechtliche Rahmenbedingungen sollten eine geringe Equity-Beteiligung der Institute am Startup ermöglichen. Längerfristig sollte die frühzeitige Schaffung einer „Entrepreneurship-Mentalität“ an Schulen und Universitäten vorangetrieben werden. Als Querschnittsmaterie muss Entrepreneurship in allen akademischen Curricula verankert werden.
  5. Unproduktives Kapital mobilisieren: In Österreich ist genug Kapital vorhanden, um neben Speedinvest mindestens einen zweiten VC-Fonds einzurichten und darüber hinaus auch größere Finanzierungen sicherzustellen. Um privates Kapital für die wesentliche Phase der Unternehmensexpansion freizuspielen, müssen die passenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Zur Förderung von Privatinvestitionen in Startups bzw. Fonds nach britischem Vorbild könnte ein Beteiligungsfreibetrag von 100.000 Euro eingeführt werden. Weiters könnten Gewinne und Verluste aus Risikoinvestments gegeneinander aufgerechnet und große Kapitalmengen wie Versicherungsbeiträge für innovative Finanzierungen zugänglich gemacht werden. Auch die Erbringung einer Garantie müsste vereinfacht werden.

„Um Wien entsprechend voranzubringen, ist es im Interesse aller, dass an einem Strang gezogen wird. Ein Umsetzungsteam würde dazu beitragen, dass ein Startup-Hub in kurzer Zeit aufgebaut werden kann“, ist Roland Berger Partner Preveden überzeugt. Mit der konsequenten zielgerichteten Umsetzung der fünf Handlungsempfehlungen kann sich Wien der Spitze der europäischen Gründungsstandorte annähern.

„2009 haben wir Pioneers gegründet, weil wir überzeugt sind, dass Technologie und kreative Ideen die Welt zum Besseren verändern können. Seit sechs Jahren unterstützen wir mit unseren Events und seit Kurzem auch mit unserem Seed-Fund zahlreiche Startups, die zu globalen Erfolgsgeschichten geworden sind und ihre Technologie einer breiten Weltöffentlichkeit vorgestellt haben. Mit ‚Pioneers Discover’ unterstützen wir erfolgreiche und etablierte Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Startups. Über 50 erfolgreiche Projekte wurden dabei abgewickelt. Dieses praktische Wissen haben wir in der Studie genutzt. Wir sind überzeugt, dass diese Handlungsempfehlungen den Standort Wien weiterbringen werden“, erklärt Pioneers-COO Csendes.

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