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Family Offices in unsicheren Zeiten

Family Offices in unsicheren Zeiten

7. Dezember 2022

Herausforderungen und Chancen für SFO in Krisenzeiten

Pandemie, geopolitische Verwerfungen, Energie- und Rohstoffkrise haben auch vor Family Offices (FO) nicht Halt gemacht. Hinzu kommen Inflation und Zinserhöhungen, die die Unsicherheit zusätzlich erhöhen und Familieninvestoren vor völlig neue Herausforderungen stellen. Auch Single Family Offices (SFOs) geraten zunehmend unter Druck und müssen handeln. In der aktuellen Family Office-Studie von Roland Berger in Zusammenarbeit mit dem Institut für Familienunternehmen und Mittelstand der WHU wurden über 140 FO in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu aktuellen Trends befragt. Besonders bemerkenswert dabei: Trotz der aktuellen Herausforderungen wollen 44 Prozent der Studienteilnehmer ihr Engagement bei Direktbeteiligungen auch zukünftig erhöhen. Ein Trend, den wir bereits in unserer letzten SFO-Studie vom November 2021 beobachten konnten.

Globale Unsicherheiten erhöhen die Menge an Herausforderungen erheblich und Familieninvestoren stehen vor völlig neue wirtschaftlichen Entwicklungen. Vor allem Single Family Offices (SFOs) geraten zunehmend unter Druck und müssen deshalb handeln, um auch zukünftig erfolgreich zu bleiben.
Globale Unsicherheiten erhöhen die Menge an Herausforderungen erheblich und Familieninvestoren stehen vor völlig neue wirtschaftlichen Entwicklungen. Vor allem Single Family Offices (SFOs) geraten zunehmend unter Druck und müssen deshalb handeln, um auch zukünftig erfolgreich zu bleiben.
"Direktbeteiligungen liegen weiter voll im Trend. Gleichzeitig steigt aber die Komplexität bei Transaktionen."
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Energie- und Rohstoffkrise sowie steigende Zinsen belasten die Branche

Die Befragten sind sich einig: Von der Energie- und Rohstoffkrise gehen die größten Herausforderungen aus. Mehr Energieunabhängigkeit und der Ausbau erneuerbarer Energien rücken damit auch bei SFOs stärker in den (Investment-)Fokus.

Ebenso wichtig sind die weiteren Entwicklungen am Kapitalmarkt und die Konjunkturaussichten. Über 80 Prozent der SFOs schätzen die Auswirkungen steigender Zinsen daher hoch bis sehr hoch ein. Besonders betroffen sind SFOs, die aktiv in Direktbeteiligungen investieren, denn die Ungewissheit über die weitere Zinsentwicklung setzt sie zunehmend unter Druck. Hinzu kommt die Gefahr einer möglichen Rezession im nächsten Jahr, die das Marktumfeld ebenfalls negativ beeinflussen würde, glauben mehr als 70 Prozent. Dagegen ist die pandemische Entwicklung für fast drei Viertel der SFOs nicht mehr das bestimmende Thema.

Neue Rahmenbedingungen erfordern mehr Flexibilität

Das neue Umfeld mit hoher Volatilität, steigenden Kosten und Zinsen sowie hoher Inflation erfordert mehr Flexibilität und Anpassungsvermögen. Denn mit der richtigen Anlagestrategie können diese Herausforderungen auch neue Chancen bieten. Dabei sind insbesondere vier Hebel zu nennen:

(I) Anpassungen in der Asset Allokation

Viele Anlagen, die einst als sicher und rentabel galten, kommen für SFOs heute aufgrund der gestiegenen Inflation weniger in Frage. So verlieren unter Anderem festverzinsliche Anlagemöglichkeiten an Attraktivität und der bereits bekannte Trend zu mehr Direktbeteiligungen an Unternehmen setzt sich weiter fort. Nachdem fast die Hälft der Befragten SFOs plant verstärkt in Direktbeteiligungen zu investieren wird für diese über alle Assetklassen hinweg der stärkste Zuwachs erwartet.

Allerdings werden Unternehmensbeteiligungen immer komplexer, und die Bewertungen liegen derzeit in vielen Fällen noch auf sehr hohem Niveau. Gleichzeitig werden Finanzierungen teurer und schwieriger. Dennoch könnte dies für SFOs eine Chance sein. Denn, im Gegensatz zu PE-Investoren, bringen SFOs bei ihren Investments mehr Eigenkapital ein und haben typischerweise einen längeren Anlagehorizont.

(II) Verschiebungen im Investmentfokus

Immer mehr SFOs richten sich neu aus und verlagern ihren Investitionsschwerpunkt weg von der ursprünglichen Industrie der Eigentümerfamilie. Ein Grund: SFOs, die bereits von der jüngeren Generation geführt werden, berücksichtigen bei ihren Investitionsentscheidungen zunehmend auch Kriterien wie Nachhaltigkeit und Zukunftstechnologien.

Neben Investitionen in Grüne Technologien (68%), Medizin und Gesundheit (66%) sowie IT und digitale Geschäftsmodelle (64%), fokussieren sich einige Befragte auch auf Bereiche wie Infrastruktur, Energie und Bildung. An Bedeutung verloren haben dagegen Investitionen in Servicedienstleistungen (38%), industrielle Anwendungen (29%) sowie Finanzunternehmen und FinTechs (18%).

Generell nimmt die Bedeutung von ESG (Environment, Social, Governance)-Kriterien bei der Auswahl potenzieller Investments zu. Die Definition klarer Auswahl- und Bewertungskriterien, die den Werten der Eigentümerfamilie entsprechen, werden daher immer wichtiger. Allerdings tun sich viele damit schwer, so dass umfassende Screenings potenzieller Targets bei der Durchführung einer Due Diligence zu einem kritischen Bestandteil werden.

(III) SFOs arbeiten öfter zusammen

Die Anzahl der „Club Deals“ hat zugenommen. 56 Prozent planen, zukünftig „Club Deals“ zu machen oder haben sich schon einmal daran beteiligt. Der Vorteil: Die direkte Zusammenarbeit ermöglicht einerseits Einsparungen bei den Overhead-Kosten und andererseits die Bündelung von zusätzlichem Know-how und damit mehr Effizienz bei der Durchführung von Transaktionen.

(IV) Interne Optimierungen bleiben wichtig

Die gestiegenen Unsicherheiten führen auch zu internen Herausforderungen, vor allem, wenn Unternehmerfamilien mehr Mitbestimmung bei der Vermögensallokation fordern. Die Governance sollte deshalb so angelegt sein, dass die aktive Einbindung der Familienmitglieder einen echten Mehrwert bringt. Hinzu kommen weitere Herausforderungen wie die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern und die immens steigenden internen Kosten, sei es durch die Inflation als auch durch den Kampf um die besten Talente.

Mit der richtigen Strategie wird die Krise zur Chance

Die neue Realität zwingt auch SFOs zum Handeln. Wenn sie künftig erfolgreich sein wollen, müssen sie insgesamt flexibler werden und schneller auf die neuen Rahmenbedingungen reagieren. Neben der Anpassung der Asset Allokation und einer aktiveren Mitwirkung in Entscheidungsprozessen, müssen Investitionen krisensicher und langfristiger sein. Eine Zusammenarbeit mit anderen SFOs, etwa durch „Club Deals“, kann eine Möglichkeit sein, dem gestiegenen Kosten- und Zinsdruck entgegenzuwirken. Dennoch sind auch interne Optimierungen weiterhin unabdingbar, um in diesen volatilen Zeiten bestehen zu können.

Aber in jedem Fall gilt: Mit der richtigen Strategie kann die aktuelle Krise eine Chance sein!

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Registrieren Sie sich jetzt, um die vollständige PDF „Family Offices 2“ mit den wichtigsten Erkenntnissen aus unserer Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Institut für Familienunternehmen und Mittelstand der WHU, sowie unseren Empfehlungen für die Entscheidungsträger innerhalb dieser Unternehmen herunterzuladen. Zusätzlich erhalten Sie Einblicke bezüglich des allgemeinen Krisenmangagement sowie den darausfolgenden Strategieentwicklungen.

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