Future of health 4 – Der Patient der Zukunft

Future of health 4 – Der Patient der Zukunft

28. September 2022

Den zukünftigen Konsumenten von Gesundheitsdienstleistungen verstehen: Verhaltensweisen, Erwartungen und Einstellungen

Der „Patient der Zukunft“ sieht sich mit einer breiten Palette neuer Diagnoseansätze konfrontiert – von Smartphone-Apps bis zu Selbsttests für zu Hause und DNA-Analysen. Er profitiert bei der Suche nach der richtigen Therapie von neuartigen therapeutischen Technologien, beispielsweise der Nutzung von Big Data und künstlicher Intelligenz (KI), sowie von neuen, innovativen Heilmitteln wie Zell- und Gentherapien und mRNA-Therapeutik, die teilweise sehr personalisiert angewendet werden können. In Verbindung mit technologischen Fortschritten wie tragbaren Geräten und telemedizinischen Diensten verändern diese revolutionären Behandlungsansätze die Art und Weise, wie die Patienten mit Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen interagieren und gesundheitsbezogene Dienstleistungen in Anspruch nehmen, und bieten ihnen mehr Mitwirkungsmöglichkeiten als je zuvor. Die Frage ist, wie sie dieses neu gewonnene Mitspracherecht nutzen werden. Welche Erwartungen haben sie an die Gesundheitssysteme, die Behandlungen und die Interaktionen mit den Akteuren des Gesundheitswesens? Und wie offen sind sie für neue Technologien, den Austausch von gesundheitsrelevanten Daten und anderen Trends in der Branche? Wir schauen uns genau an, wie der Patient der Zukunft tickt, und geben Ratschläge, wie die Akteure der Gesundheitsbranche darauf reagieren sollten.

Ergebnisse der neuen Umfrage: Future of health 4

Die vierte Studie der Reihe Future of health von Roland Berger richtet den Fokus auf den Gesundheitskonsumenten oder den „Patienten der Zukunft“. Nahezu 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 19 Ländern beantworteten in unserer Erhebung eine Reihe von Fragen zu ihrer Offenheit für medizinische und digitale Innovationen, zum Vertrauen, das sie diversen Akteuren im Gesundheitssektor entgegenbringen, zu aktuellen Trends in der Gesundheitsversorgung und zu ihrer Bereitschaft, für integrierte digitale Gesundheitsdienstleistungen aus eigener Tasche zu bezahlen. Am meisten überrascht uns dabei die überwiegend positive Einstellung der Patienten zu innovativen Angeboten. Das gilt insbesondere für die jüngere Generation, wohingegen sich die ältere Generation gegenüber neuen Trends skeptischer zeigt und traditionelleren Behandlungsansätzen den Vorzug gibt. Weil Vertreter der älteren Generation mit höherer Wahrscheinlichkeit einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen, ergibt sich somit, dass gerade diejenige Gruppe, die von innovativen Behandlungsansätzen am meisten profitieren würde, am wenigsten offen für sie ist.

Der Patient der Zukunft – drei Archetypen

Auf der Grundlage der Erhebungsergebnisse erkennen wir drei Archetypen von Patienten – oder Gruppen von Gesundheitskonsumenten mit signifikanten Unterschieden in ihren Merkmalen, Eigenschaften, Erwartungen und Einstellungen zu medizinischen Innovationen und Trends in der Gesundheitsbranche nach der Pandemie einschließlich neuer digitaler Anwendungen. Wir sprechen bei diesen Gesundheitskonsumenten von den Überzeugten, den Interessierten und den Skeptischen. Auffällig ist, dass wir in industrialisierten Ländern mit gut entwickelten Gesundheitssystemen und tendenziell älterer Bevölkerung weniger Überzeugte finden als in weniger industrialisierten Ländern – einer von mehreren markanten Unterschieden zwischen den Gesundheitskonsumenten der verschiedenen Länder.

Eine Frage des Vertrauens

In der Frage, wie die Patienten durch das Gesundheitssystem geleitet werden wollen, zeigen sich die Befragten gespalten. Ein Viertel spricht sich dafür aus, innerhalb eines koordinierten Gesundheitssystems geleitet werden zu wollen, während ein weiteres Viertel der freien Wahl von Ärzten und Krankenhäusern den Vorzug gibt. Die Übrigen können mit beiden Systemen leben. Es scheint so zu sein, dass zwar einige Patienten selbst entscheiden möchten, wann sie eine Behandlung erhalten und durch wen, dass aber die überwiegende Mehrheit es dennoch begrüßen würde, bei bestimmten Gelegenheiten durch das Gesundheitssystem geleitet zu werden. Wie im Fall der Offenheit für digitale Innovationen unterscheiden sich die Antworten je nach Alter, Bildungsniveau und gegenwärtigem Gesundheitszustand der Befragten. Bei der Frage nach dem Hauptansprechpartner in Gesundheitsfragen nannte nur die Hälfte der Befragten ihre Krankenkasse. Die übrigen scheinen es eher ihrem Hausarzt als ihrem Versicherer zuzutrauen, sie durch das System zu leiten. Die traditionellen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen genießen das größte Vertrauen der Patienten.

Empfehlungen für die Akteure im Gesundheitswesen

Für alle Akteure des Gesundheitswesens ist es von entscheidender Bedeutung, wie sie ihre Botschaft in einer Welt formulieren, in der die Gesundheitsversorgung von Covid-19 geprägt ist. Der „Patient der Zukunft“ wird seine persönlichen Gesundheitsdaten nur dann privaten Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen preisgeben, wenn ihm die Vorteile klar kommuniziert werden. Solange er nicht klar erkennen kann, was er von der Behandlung oder Erfahrung hat, wird er sehr viel weniger dazu bereit sein. Wie viel Vertrauen er digitalen Anbietern entgegenbringt, wird zudem von der Transparenz der Anbieter beispielsweise bezüglich der Frage abhängen, wo sie seine Gesundheitsdaten speichern. Die Patienten haben großes Vertrauen in die traditionellen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen, wie auch in der Pandemie deutlich wurde. Alle anderen Akteure müssen stärkere, auf Vertrauen basierende Beziehungen zum „Patienten der Zukunft“ aufbauen, um erfolgreich zu sein.

Wie auch in unseren Studien vor der Pandemie decken unsere Empfehlungen für die Akteure des Gesundheitswesens ein breites Spektrum von Bereichen ab. Wir stellen hier nur eine Auswahl vor; weitere detaillierte Empfehlungen für die Branche finden Sie im vollständigen Bericht. Für die Krankenversicherer haben digitale Themen ein großes Marketingpotenzial, wenn es um jüngere, gesündere und besser ausgebildete Zielgruppen geht. Für ältere, weniger gesunde und weniger gebildete Patienten bedarf es jedoch einer anderen Botschaft. Mit der Intensivierung des Wettbewerbs durch Big Tech müssen die traditionellen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen ihr Alleinstellungsmerkmal (USP) kennen. Auf dieser Grundlage können traditionelle Anbieter im Gesundheitswesen möglicherweise Partnerschaften mit Technologieunternehmen eingehen, um relevante Dienstleistungen zu erbringen und so ihre Wertschöpfungskette in der Branche zu erweitern.

Die Pharmaunternehmen werden ihrerseits ihre Abhängigkeit von Integratoren und Plattformen verringern wollen, indem sie von ihrer eigenen Innovationskraft Gebrauch machen und Patienten auf Basis starker Evidenz von ihren Produkten überzeugen. Medizintechnische Unternehmen werden einen wesentlichen Beitrag zur Diagnose und Behandlung leisten und gleichzeitig die Daten generieren, die schließlich ein vollständig datengestütztes (und KI-basiertes) Gesundheitssystem ermöglichen. Von allen Akteuren im Gesundheitswesen unterliegen sie dem größten Druck, ihr Portfolio zu digitalisieren. Und schließlich wäre die Politik gut beraten, das Potenzial der datengesteuerten digitalen Gesundheitsversorgung zu nutzen, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Dadurch werden die Gesundheitssysteme – angefangen von den traditionellen Gesundheitsdienstleistungen bis hin zu modernen Trends in der Branche wie Telemedizin, cloudbasierter Patientenüberwachung mit künstlicher Intelligenz und Gesundheitstechnologie wie Smartphone-Apps zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens – in einer postpandemischen Welt effizienter. Dies wird auch dazu beitragen, dass sich eine immer ältere Bevölkerung auch bei vermindertem Personalbestand angemessen versorgen lässt.

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