Roland Berger Trend Compendium 2050: Bevölkerung und Gesellschaft

Roland Berger Trend Compendium 2050: Bevölkerung und Gesellschaft

16. September 2026

Trend 1 des Trend Compendiums analysiert globale demographische und gesellschaftliche Entwicklungen bis 2050

Trend 1 des Roland Berger Trend Compendiums 2050 beleuchtet die grundlegenden Elemente, die alle anderen Megatrends prägen: Menschen und Gesellschaft. Wir untersuchen, wie sich Bevölkerung, Migration, Bildung und Arbeit sowie Werte und Kultur global und in wichtigen Regionen bis zum Jahr 2050 entwickeln.

Bevölkerung: Die Weltbevölkerung wächst weiter, wird älter und urbaner – mit unterschiedlichen Dynamiken je nach Region

Rückläufige Geburtenraten werden das globale Bevölkerungswachstum bis 2050 schrittweise verlangsamen – dennoch bleibt die Weltbevölkerung auf Wachstumskurs. Bis 2050 wird die Erde 9,6 Milliarden Menschen beheimaten – ein Anstieg von rund 1,4 Milliarden gegenüber 2025. Das Wachstum konzentriert sich überwiegend auf weniger entwickelte Regionen. So wird sich die Bevölkerung in Afrika in den Ländern südlich der Sahara nahezu verdoppeln. Die Bevölkerung der stärker entwickelten Regionen wird dagegen leicht zurückgehen. Das unterschiedliche Bevölkerungswachstum führt dazu, dass sich die Verteilung der Weltbevölkerung weiter verschiebt. Im Jahr 2050 werden rund 87 % der Weltbevölkerung in weniger entwickelten Regionen leben.

Gleichzeitig beschleunigt sich die globale Alterung: Das weltweite Medianalter steigt von 30,9 Jahren im Jahr 2025 auf 36,1 Jahre im Jahr 2050 – angetrieben durch sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung, die global auf 77,0 Jahre anwachsen wird. Bis 2050 werden fast 1,6 Milliarden Menschen älter als 65 Jahre sein – verglichen mit nur rund 850 Millionen Menschen heute. Allerdings werden die Entwicklungsländer – mit einem Medianalter von knapp 35 Jahren – im Durchschnitt deutlich jünger bleiben als die Industrienationen, in denen das Medianalter bis 2050 bei 45 Jahren liegen wird.

Der anhaltende Trend zur Urbanisierung setzt sich fort: Heute leben 58% der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten – ein Anteil, der bis 2050 auf 67 % ansteigen wird. Die größten Zuwächse werden in Afrika und Asien erwartet. Megastädte wachsen weiter: Bis Mitte des Jahrhunderts wird Dhaka Jakarta voraussichtlich als weltgrößte Metropole ablösen, und neun der zehn größten Städte der Welt werden in Asien liegen. Schon 2035 wird es weltweit 40 Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern geben.

Migration: Aus freiem Willen oder aus Notlage – mehr Menschen überqueren Grenzen und verlagern ihren Lebensmittelpunkt

Im Jahr 2024 lebten weltweit über 304 Millionen Menschen außerhalb ihres Herkunftslandes. Migration ist indes vielschichtig: Ein erheblicher Anteil der Migrantinnen und Migranten sucht im Ausland Beschäftigung und Bildungsmöglichkeiten, wobei die USA, Deutschland und andere Länder mit hohen Durchschnittseinkommen die wichtigsten Zielregionen darstellen. Gleichzeitig sind viele Menschen gezwungen, vor Konflikten, Verfolgung oder Naturkatastrophen zu fliehen. Ende 2025 waren weltweit rund 118 Millionen Menschen zwangsvertrieben – 76% von ihnen stammten aus nur zehn Ländern, darunter Venezuela, die Ukraine und Syrien.

Intern Vertriebene bilden darunter die größte Gruppe: Im Jahr 2025 befanden sich 82,2 Millionen Menschen innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen auf der Flucht. Innerhalb von Regionen entwickelt sich der Klimawandel zunehmend zu einem bedeutenden Treiber von Migration: Die Weltbank prognostiziert bis 2050 bis zu 216 Millionen Klimamigrantinnen und -migranten innerhalb von sechs Regionen – eine Zahl, die durch entschlossenes globales Handeln um 60 bis 80% reduziert werden könnte.

Internationale Arbeitsmigration bleibt darüber hinaus ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer erreichten 2024 mit 683 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekordwert und zählen damit zu den wichtigsten externen Finanzierungsquellen vieler Entwicklungsländer. Günstige demografische Profile und hohe Erwerbsquoten machen Migrantinnen und Migranten zu einer unverzichtbaren Ressource für Zielländer, die mit alternden Belegschaften und Fachkräftemangel konfrontiert sind.

Bildung & Arbeit: Immer mehr Menschen erhalten Zugang zu guter Bildung

Der Bildungsstand Erwachsener steigt global kontinuierlich an. Bis 2050 werden 7,7 Milliarden Erwachsene eine formale Bildung erhalten haben. Der Anteil der erwachsenen Bevölkerung mit einem postsekundären Abschluss wird voraussichtlich auf rund jeden Vierten anwachsen, während der Anteil der Erwachsenen ohne jegliche formale Bildung auf etwa 6% sinken wird. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Bildung sind eng mit dem nationalen Wohlstand und den individuellen Einkommensperspektiven verknüpft – ein überzeugendes Argument für nachhaltige Investitionen in Bildungssysteme weltweit. China und Indien werden die Welt in Bezug auf die absolute Größe ihrer hochqualifizierten jüngeren Arbeitskräfte noch jahrzehntelang anführen.

Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz Bildung und Arbeitsmarkt grundlegend. Forschungsergebnisse belegen, dass generative KI die Produktivität in Bereichen wie Texterstellung, Softwareentwicklung und Kundendienst spürbar steigern kann. Dabei sind nicht alle Berufe gleichermaßen betroffen: Tätigkeiten, die überwiegend repetitive kognitive Aufgaben umfassen, sind stärker von Automatisierung bedroht, während Berufe mit analytischen, kreativen oder zwischenmenschlichen Anforderungen eher von KI ergänzt werden.

Werte & Kultur: Die menschliche Freiheit steht auf dem Prüfstand

Werte und Kultur bilden das Fundament jeder Gesellschaft. Ein zentraler Maßstab zur Beurteilung globaler Entwicklungen freiheitlicher Werte ist der Human Freedom Index – er misst die menschliche Freiheit anhand persönlicher und wirtschaftlicher Indikatoren. Der Index, der 165 Länder und damit 98% der Weltbevölkerung auf einer Skala von 0 (geringste Freiheit) bis 10 (höchste Freiheit) erfasst, zeichnet ein vielschichtiges Bild: Seit dem Jahr 2000 bewegt sich der globale Durchschnitt auf einem leicht rückläufigen Kurs und lag 2023 bei 6,17. Von den 165 erfassten Ländern verzeichneten 91 einen Rückgang ihres Freiheitswertes, während 67 Länder Verbesserungen erzielten. Der stärkste Einbruch fand während der Zeit der Coronapandemie statt, als viele Länder Freiheitsrechte einschränkten. Die Bandbreite zwischen den Ländern ist groß: Die Schweiz belegt mit einem Wert von 9,15 den Spitzenplatz, Syrien rangiert mit 3,27 am Ende der Skala. Bemerkenswert: Nur 14% der Weltbevölkerung leben in Ländern des obersten Viertels mit den höchsten Freiheitsrechten, während 39% im untersten Viertel angesiedelt sind.

Mit Blick auf 2050 wird die Entwicklung globaler Werte durch mehrere Kräfte bestimmt: den Aufstieg einer multipolaren Weltordnung, die rasante Entwicklung digitaler Technologien, die wachsenden Ansprüche aufstrebender Mittelschichten sowie die notwendigen Antworten auf globale Herausforderungen wie den Klimawandel. Ob diese Kräfte in Richtung mehr Offenheit und individueller Rechte oder verstärkter Überwachung, Restriktion und Fragmentierung wirken, ist noch nicht entschieden.

Wie Unternehmen von Megatrends profitieren können

Unternehmen stehen vor einem Zusammenspiel demografischer und gesellschaftlicher Veränderungen, das strategische Antworten auf mehreren Ebenen erfordert.

Schrumpfende Talentpools adressieren: In vielen entwickelten Volkswirtschaften reduziert die alternde Gesellschaft das verfügbare Arbeitskräftepotenzial. Unternehmen sollten systematische Bedarfsanalysen durchführen, um genau zu ermitteln, welche Rollen Weiterqualifizierung oder Neuausrichtung erfordern, wo neue Stellen benötigt werden und welche Aufgaben das höchste Automatisierungspotenzial bieten. Kontinuierliche Weiterbildungsprogramme, die der immer kürzer werdenden Halbwertszeit von Wissen und Fähigkeiten Rechnung tragen, sind ebenso unerlässlich wie die Anpassung der Einstellungspraktiken, um auf einen größeren, inklusiveren Talentpool zuzugreifen.

Wandelnde Kundenprofile und Marktdynamiken berücksichtigen: Demografischer Wandel und Urbanisierung verändern Konsummärkte nachhaltig. Der Eintritt in Märkte mit robustem Bevölkerungswachstum und steigender Kaufkraft kann eine überzeugende Wachstumsstrategie darstellen. Zugleich bedeutet die globale Alterung, dass die Kunden im Durchschnitt älter werden – Unternehmen müssen Produkte und Dienstleistungen entsprechend anpassen. Die fortschreitende Urbanisierung treibt unterdessen die Nachfrage nach smarter und nachhaltiger Infrastruktur weiter an.

Migration nutzen und diverse Organisationen aufbauen: Der Migrationsdruck auf Länder des Globalen Nordens wird zunehmen und zunehmend diverse Belegschaften und Kundengruppen hervorbringen. Unternehmen sollten umfassende Strategien zur Gewinnung, Integration und Bindung von Talenten entwickeln, internationale Austauschprogramme für Leistungsträgerinnen und -träger fördern und mehrsprachige Kommunikation anbieten, um den Bedürfnissen einer vielfältigen Belegschaft gerecht zu werden. Marketing- und Produktstrategien sollten angepasst werden, um unterschiedliche Kundengruppen zu adressieren.

Das Potenzial von KI erschließen: Die Chance, mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Arbeitsproduktivität zu steigern, sollte kein Unternehmen ungenutzt lassen. Eine klare KI-Integrationsstrategie mit konkretem Bezug zu den Unternehmenszielen, dedizierte Programme zur Gewinnung und Entwicklung von KI-Talenten sowie schrittweise Automatisierungspfade, die das Potenzial der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine bestmöglich heben, sollten auf der Unternehmensagenda stehen.

DEI als unternehmerisches Gebot verankern: Angesichts wachsender Erwartungen von Stakeholdern muss Diversity, Equity and Inclusion (DEI) als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie betrachtet werden – nicht als optionales Zusatzprogramm. Organisationen sollten die Transparenz durch regelmäßige DEI-Berichterstattung stärken, ihre Talentbewertung über vertraute Profile hinaus ausweiten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Investoren sowie Kundinnen und Kunden aktiv in ihre DEI-Vorhaben einbeziehen. Unternehmen mit starken DEI-Praktiken sind nicht nur besser positioniert, um im zunehmend umkämpften, globalen Umfeld Top-Talente zu gewinnen und zu halten, sondern auch innovativer und insgesamt erfolgreicher als ihre Mitbewerber.

Studie

Roland Berger Trend Compendium 2050: Bevölkerung und Gesellschaft

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In Trend 1 of our Trend Compendium we are dealing with the basis of all other megatrends: population and society.

Veröffentlicht September 2026. Vorhanden in
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David Born
Head of Roland Berger Institute
Frankfurt Office, Zentraleuropa
+49 69 29924-6500