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AmCham Germany Transatlantic Business Barometer 2022

AmCham Germany Transatlantic Business Barometer 2022

7. April 2022

Transatlantischer Schulterschluss wichtiger als jemals zuvor

Die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Europa und den USA sind seit Jahrzehnten eng. Die Zusammenarbeit in der NATO, der umfangreiche Handel und die starken, wechselseitigen Investitionsaktivitäten belegen das tiefgehende Verhältnis. Dennoch gab es in den letzten Jahren auch Streitpunkte. Auf wirtschaftlicher Seite waren das insbesondere das Scheitern von transatlantisches Handelsabkommen, der Handelsstreit unter Präsident Trump und der Streit um Nordstream 2. Auf die vom russischen Präsidenten angeordnete Invasion der Ukraine haben die europäischen Staaten mit kaum gekannter Geschlossenheit reagiert – und dem Willen, die transatlantische Partnerschaft Europas mit den USA zu stärken.

Transatlantic Business Barometer 2022
Das Transatlantic Business Barometer misst jährlich die transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA.

Ein transatlantischer Schulterschluss ist genau das, was die Unternehmen diesseits und jenseits des Atlantiks erwarten. Das ist ein zentrales Ergebnis des Transatlantic Business Barometers 2022, das die American Chamber of Commerce (AmCham) gemeinsam mit Roland Berger im Frühjahr 2022 durchgeführt hat. Befragt wurden US-Unternehmen, die in Deutschland tätig sind, und deutsche Unternehmen mit Aktivitäten in den USA. Die Befragung fand kurz vor und kurz nach dem Beginn des Ukraine-Krieges statt und liefert so ein Stimmungsbild in der sich verschärfenden Situation.

Transatlantische Handels- und Geschäftsbeziehungen mit Luft nach oben

Bei den deutsch-amerikanischen Handels- und Geschäftsbeziehungen besteht Handlungsbedarf. Zwar schätzt nur eine Minderheit auf beiden Seiten des Atlantiks die Beziehungen als schlecht oder sehr schlecht ein. Doch ist es auch nur eine Minderheit, die die Beziehungen als gut oder sehr gut beurteilt. Die Mehrheit nimmt eine neutrale Bewertung vor. Das kann nicht der Anspruch der transatlantischen Partnerschaft sein und die Ergebnisse können als klarer Auftrag an die Politik in Europa und den USA verstanden werden, sich erneut für den Abschluss eines Handelsabkommens einzusetzen.

Digitaler transatlantischer Wirtschaftsraum

Ein Bereich hat für die transatlantischen Geschäftsbeziehungen, aber auch für Konsumenten und die Politik, eine besondere Bedeutung: die Digitalisierung . Ein digitaler transatlantischer Wirtschaftsraum, der auch in diesem Bereich Handelsbarrieren abbaut und Regularien harmonisiert, würde die gemeinsame Schlagkraft nicht nur der Digitalindustrie, sondern aller Wirtschaftsbereiche erhöhen. Im Business Barometer 2022 wurde danach gefragt, was die Unternehmen von einem solchen Wirtschaftsraum erwarten.

Eine stärkere gemeinsame transatlantische Positionierung wird auf beiden Seiten des Atlantiks als wichtigstes Handlungsfeld gesehen. Es folgen bei den US-Unternehmen in Deutschland die Sicherung eines transatlantischen Austauschs von personenbezogenen Daten und eine Kooperation für mehr Cybersicherheit. Die deutschen Unternehmen in den USA priorisieren ebenfalls eine Kooperation für mehr Cybersicherheit, gefolgt von Vertrauenswürdigkeit als regulatorischem Maßstab.

Positive Erwartungen für das laufende Jahr

Neben den transatlantischen Beziehungen wurden beim Business Barometer 2022 die Geschäftserwartungen und die Einschätzung des Standorts abgefragt. Bei den Geschäftserwartungen sind die Unternehmen trotz der Situation in der Ukraine und der Auswirkungen auf die Weltwirtschaft optimistisch. 90% der US-Unternehmen in Deutschland und 78% der deutschen Unternehmen in den USA gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr ihre Umsätze im Partnerland steigern werden. Auch beim Ausbau von Investitionen und Beschäftigung sind viele Unternehmen zuversichtlich.

Reformbedarf in Deutschland

Bei der Beurteilung des Standorts schneiden die USA besser ab als Deutschland. 78% der deutschen Unternehmen bewerten den Standort USA als sehr gut oder gut, während umgekehrt nur 59% der US-Unternehmen diese Einschätzung für Deutschland vornehmen. Deutschland punktet vor allem bei der Qualität der Mitarbeiter, dem Potenzial als Absatzmarkt und der Qualität von F&E. Schwächen hat Deutschland in der Qualität der digitalen Infrastruktur, der Unternehmensbesteuerung, den Arbeitskosten und den Energiekosten – mit Ausnahme der Arbeitskosten sind dies Punkte, in denen die USA gut abschneiden. Das Business Barometer bestätigt damit die Punkte, die schon lange von Wirtschaft und Verbrauchern kritisiert werden. Der Reformbedarf zur Überwindung der deutschen Schwächen ist erkannt, die Reformen müssen nun zügig von der Politik umgesetzt werden.

Kurzumfrage zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine

Basierend auf den neusten geopolitischen Entwicklungen, insbesondere aufgrund des russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, hat die American Chamber of Commerce in Germany eine Blitzumfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Mitglieder der AmCham Germany sind Firmenvertreter deutscher, amerikanischer und weiterer internationaler Unternehmen. Die Blitzumfrage fand zwischen dem 23. – 31. März 2022 statt und basiert auf den Antworten von 267 Firmenvertretern. Hierbei haben 65% deutsche Unternehmen, 28% US-Unternehmen und 7% andere Unternehmen teilgenommen.

Für das Transatlantic Business Barometer 2022 wurden im Februar und März 2022 36 US-Unternehmen mit einem Standort und Umsatz von insgesamt mehr als 55 Mrd. € in Deutschland sowie 26 deutsche Unternehmen mit einem Standort und Umsatz von insgesamt über 100 Mrd. € in den USA befragt.

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Studie

AmCham Germany Transatlantic Business Barometer 2022

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Das Transatlantic Business Barometer fasst die Ergebnisse einer Befragung deutscher und US-amerikanischer Tochterunternehmen im jeweils anderen Land zu Geschäftsbedingungen und Standortfaktoren zusammen.

Veröffentlicht April 2022. Vorhanden in
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