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Deutsche Kommunen brauchen mehr Unterstützung bei der Digitalisierung

Deutsche Kommunen brauchen mehr Unterstützung bei der Digitalisierung

19. März 2020

Vor allem bei Datenplattformen und Cloud-Infrastruktur gibt es großen Nachholbedarf

Zunächst die gute Nachricht: Die Digitalisierung deutscher Städte und Gemeinden hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Wie die dritte repräsentative Kommunalbefragung von Roland Berger für die Initiative Stadt.Land.Digital im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt, sind vor allem die größeren Kommunen recht aktiv: Fast jede zweite Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern hat inzwischen eine Digitalisierungsstrategie, bei den Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnern ist es knapp jede fünfte.

Auch an der grundsätzlichen Notwendigkeit einer digitalen Transformation herrscht kaum noch Zweifel, und diese Überzeugung wird immer häufiger in die Tat umgesetzt: So hat sich die Anzahl der Kommunen in der Konzeptions- oder Umsetzungsphase zwischen 2015 und 2019 von 40 Prozent auf 78 Prozent nahezu verdoppelt. Inhaltlich decken die Digitalisierungsvorhaben der Kommunen dabei eine große Bandbreite ab: Fast alle greifen das Thema Verwaltung auf – auch, weil die eigene Digitalisierung für viele den Ausgangspunkt der Transformation ihres Umfelds bildet. Darüber hinaus sind die Bereiche Breitband, WLAN, Cybersicherheit und Datenplattformen jeweils in mehr als zwei Drittel der Konzepte zu finden.

Nur eine von zehn Kommunen hat ihre Pläne schon weitgehend umgesetzt

Bei der Umsetzung der Digitalisierungsvorhaben jedoch, und auch das zeigt die aktuelle Befragung, gibt es massive Defizite. So befinden sich erst weniger als 20 Prozent der Kommunen in der Umsetzungsphase, nur in jeder zehnten ist sie bereits weit fortgeschritten. Sechs von zehn Kommunen geben sogar an, erst noch an einer Strategie zu arbeiten oder Entsprechendes zu planen. Die große Mehrheit steht auf dem Weg zur „Smart City“, also ganz am Anfang.

Ein weiterer interessanter Befund: Gerade bei den Themen, die viele Städte und Gemeinden für besonders wichtig halten, lässt der Stand der Umsetzung stark zu wünschen übrig. Dies zeigt sich etwa bei technischen Grundlagen wie Datenplattformen. Zwar hat die Mehrheit der Kommunen erkannt, dass Datenplattformen und Cloud-Infrastrukturen zu den kritischen Erfolgsfaktoren der Digitalisierung zählen, weil sie die Chance bieten, Daten zu bündeln und neue Lösungen zu entwickeln. Trotzdem werden sie bislang erst von jeweils weniger als einem Drittel der Kommunen genutzt.

Ähnlich verhält es sich im Bereich Cybersicherheit. Auch hier liegt der Anteil der Kommunen, die das Thema in ihren Digitalisierungsprojekten bereits umsetzen, deutlich unter dem Anteil der Kommunen, die es in ihrer jeweiligen Strategie behandeln. Die Abweichung zwischen ursprünglicher Planung und erfolgter Realisierung ist ein klares Indiz dafür, wie komplex die Umsetzung dieser Vorhaben ist beziehungsweise von den Kommunen eingeschätzt wird.

Mehr Information, mehr Austausch, mehr Geld: Deutsche Kommunen brauchen mehr Unterstützung

Für eine erfolgreiche Digitalisierung benötigen Städte und Gemeinden der Befragung zufolge deutlich mehr Hilfe als bisher. Dabei sehen sie in erster Linie den Bund, die Länder und kommunale Spitzenverbände in der Verantwortung. Konkret erwünscht sind Umsetzungs-, Technik- und Konzeptionsberatung, aber auch mehr Information. Auch Geld spielt eine wichtige Rolle. Fast alle Kommunen hätten gerne mehr Informationen über Projektfördermöglichkeiten, zumal sie die Beantragung externer Mittel oft vor großen Hürden stellt.

Um die digitale Transformation deutscher Städte und Gemeinden schneller voranzutreiben, empfiehlt die Studie die Umsetzung eines am digitalen Reifegrad der Kommunen orientierten Fünf-Punkte-Plans. Danach sollten Kommunen, die sich derzeit mit der Konzeption ihrer Digitalisierungsstrategie beschäftigen – das ist die Mehrheit –, durch Angebote wie Leitfäden und Checklisten besser unterstützt werden. Die führenden 20 Prozent der Kommunen, die bereits in der Umsetzung sind, benötigen dagegen Hilfe in Form beispielhafter Umsetzungslösungen sowie bei der Planung und Finanzierung ihrer Projekte. „Nachzügler“-Kommunen, die bei der Digitalisierung noch ganz am Anfang stehen, sollten durch anschauliche „best cases“ aktiviert werden.

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Studie

Deutsche Kommunen brauchen mehr Unterstützung bei der Digitalisierung

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Unsere repräsentative Bestandsaufnahme zeigt, wie „smart“ Deutschlands Kommunen wirklich sind.

Veröffentlicht März 2020. Vorhanden in
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