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Startups könnten bis 2030 fast 4 Millionen Jobs in Deutschland schaffen

22. Juni 2021

Multiplikatoreffekte in anderen Branchen vervierfachen den Beschäftigungseffekt

Geschätzt werden Startups und Scaleups vor allem für ihre Innovationskraft – sei es, weil sie durch Payment-Apps das Bezahlen erleichtern, sei es, weil sie neuartige Impfstoffe entwickeln oder durch neue Software Geschäftsprozesse revolutionieren. Relativ wenig ist dagegen über ihren Beschäftigungseffekt bekannt, also ihre Rolle bei der Schaffung und Sicherung neuer Arbeitsplätze. In einer aktuellen Studie haben Roland Berger, die Internet Economy Foundation, der Bundesverband Deutsche Startups und die Deutsche Börse das Thema genauer untersucht.

Rund 415.000 Menschen sind derzeit hierzulande bei Startups und Scaleups beschäftigt. Gelingt es Deutschland, das "Niveau" der USA – gemessen im prozentualen Anteil der in Startups und Scaleups Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung – zu erreichen, könnten es 2030 schon 3,7 Millionen sein.
Rund 415.000 Menschen sind derzeit hierzulande bei Startups und Scaleups beschäftigt. Gelingt es Deutschland, das "Niveau" der USA – gemessen im prozentualen Anteil der in Startups und Scaleups Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung – zu erreichen, könnten es 2030 schon 3,7 Millionen sein.
"Entscheidend ist, dass die Politik kurzfristig die richtigen Weichen stellt. Davon profitieren nicht nur Gründerinnen und Gründer, sondern der gesamte deutsche Arbeitsmarkt."
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Startups und Scaleups schaffen überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze

Das Ergebnis: Aktuell sind rund 415.000 Menschen in der Startup-Szene tätig. Und: Startups haben in den vergangenen Jahren deutlich stärker als etablierte Unternehmen dazu beigetragen, dass in Deutschland qualifizierte und gut bezahlte neue Jobs entstanden sind. So stieg beispielsweise die Beschäftigtenzahl in den größten börsennotierten deutschen Unternehmen zwischen 2018 und 2019 nur um 1,3 Prozent und ging zwischen 2019 und 2020 pandemiebedingt sogar um 2,2 Prozent zurück, während sie in den seit 2005 gegründeten Jungunternehmen zwischen 2018 und 2020 sogar um 55 Prozent zunahm.

Der Anteil von 0,9 Prozent der insgesamt knapp 45 Millionen Beschäftigten in Deutschland mag sich aktuell noch bescheiden ausnehmen. Zum Vergleich: In den USA liegt der Wert bei fast 8,4 Prozent, in Israel bei rund 5,4 Prozent. Gelingt es aber, diese Dynamik zu halten und weiter auszubauen, so das Ergebnis der Studie, haben Startups und Scaleups durchaus das Potenzial, für ein „Wirtschaftswunder 2.0“ in Deutschland zu sorgen.

Hinzu kommt: Für jeden neuen Arbeitsplatz in einem jungen Unternehmen entstehen weitere Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Das schnelle Wachstum führt also zu einem beschleunigten Beschäftigungseffekt insgesamt. Vorsichtige Schätzungen beziffern den Multiplikatoreffekt in Deutschland derzeit auf rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze. Stellt die nächste Bundesregierung mit einer umfassenden Startup-Strategie nach ihrer Amtsübernahme schnell die richtigen Weichen, könnten, so die Schätzung, in einigen Jahren bereits bis zu vier Millionen Menschen in innovativen Neugründungen tätig sein.

Hausaufgaben für die Politik: Gründungen unterstützen, Diversität fördern, Zugang zu Kapital erleichtern und für fairen Wettbewerb sorgen

Damit Startups und Scaleups in diesem Umfang zur positiven Beschäftigungsentwicklung beitragen können, bedarf es allerdings mehr und vor allem gezielter Unterstützung. Diese sollte die neue Bundesregierung im Rahmen einer Startup-Strategie beschließen und zeitnah umsetzen. Um das Beschäftigungspotenzial voll auszuschöpfen, empfiehlt die Studie ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem die Unterstützung von Gründungen über Inkubatoren und Akzeleratoren aus Hochschulen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Ein entscheidender Hebel für eine vitale Startup- und Scaleup-Landschaft sei außerdem die Verbreiterung der Gründerbasis. Insbesondere der bislang niedrige Anteil an Gründerinnen und Jungunternehmern mit Migrationshintergrund zeige, wie viel Potenzial noch ungenutzt sei. Deswegen sollte der Staat bei seinen Investitionen eine Vorbildfunktion wahrnehmen und die von ihm geschaffenen Finanzierungsinstrumente stärker an die Diversität der finanzierten Startups und Scaleups koppeln.

Auch beim Zugang zu Late Stage-Kapital müsse Deutschland neue Wege gehen. So fehle es vor allem in der so entscheidenden Wachstumsphase an Wagniskapital: Die hier ansässigen Venture Capital-Fonds sind der Studie zufolge häufig schlicht zu klein, um erfolgreichen Startups mit dem nötigen Wachstumskapital zum Durchbruch zu verhelfen. Ein wichtiger Hebel für mehr und größere VC-Fonds sei außerdem die Einbindung privater institutioneller Investoren wie Versicherungen und Stiftungen. Damit deutsche und europäische Startups und Scaleups schließlich überhaupt eine Chance haben, sich im internationalen Wettbewerb unter Beweis zu stellen, brauche es auch in der digitalen Welt klare, faire und durchsetzbare Marktregeln. Mit dem Digital Services Act und dem Digital Markets Act habe die Europäische Kommission dazu gute Vorschläge gemacht. Nun komme es darauf an, diese 2022 ohne Abschwächung gesetzlich zu verankern.

Studie

Startups könnten bis 2030 fast 4 Millionen Jobs in Deutschland schaffen

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Rund 415.000 Menschen sind derzeit hierzulande bei Startups und Scaleups beschäftigt. Gelingt es Deutschland, das "Niveau" der USA – gemessen im prozentualen Anteil der in Startups und Scaleups Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung – zu erreichen, könnten es 2030 schon 3,7 Millionen sein.

Veröffentlicht Juni 2021. Vorhanden in
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