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Maschinen- und Anlagenbau am Scheideweg: Neuaufstellung statt Weiter so

Maschinen- und Anlagenbau am Scheideweg: Neuaufstellung statt Weiter so

21. Juli 2020

Die Corona-Krise als Katalysator - mehr Zukunftsorientierung, mehr Profitabilität, mehr Nachhaltigkeit

"Der Maschinenbau sollte die Corona-Krise als Chance nutzen, schon länger bestehende Probleme und Herausforderungen anzugehen."
Portrait of Gerald Orendi
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Die Corona-Krise legt Probleme offen, die den Maschinen- und Anlagenbau bereits seit vielen Jahren beschäftigen und zu dessen wirtschaftlicher Stagnation geführt haben. Die alten Erfolgsmodelle einfach weiterzuführen, wird daher kaum möglich sein. Die Krise eröffnet aber die Chance, bestehende Geschäftsmodelle grundsätzlich zu hinterfragen und Produktivität „neu zu denken". Dafür braucht es ein Verständnis für die langfristigen Treiber und Entwicklungen, aus denen sich Handlungsoptionen für eine Repositionierung ergeben, die wiederum an die individuelle Situation jedes Unternehmens angepasst werden müssen.

Umsatzausfälle, Produktionsstillstand, einbrechende Exportmärkte – die Corona-Krise hat den Maschinen- und Anlagenbau hart getroffen. Allerdings war die Situation bereits vor der Pandemie schwierig: Das Exportvolumen sank schon 2019 um 1,5 Prozent und die EBIT-Marge ist sogar schon seit einem Jahrzehnt rückläufig. Dazu kommt eine insgesamt abnehmende Produktivität des produzierenden Gewerbes in Deutschland. Die Corona-Krise ist also nicht die Ursache für die Probleme der Maschinenbaubranche, aber sie legt sie schonungslos offen und verschärft einen schleichenden, über 30 Jahre anhaltenden Effekt, der zu einer Stagnation führte.

Drei Trends als zentrale Treiber

Die Maschinenbaubranche nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten DACH-Region steht also vor Herausforderungen, die weit über den Neustart nach Corona hinausgehen: Es geht um die Frage, wie sich die Branche in Zukunft aufstellt und auch, welche neuen Chancen es zu ergreifen gilt. Dabei gilt es vor allem drei zentrale Treiber zu berücksichtigen:

  • Digitalisierung und Automatisierung als differenzierender Faktor: Auch im Maschinenbau werden physische und digitale Welten weiter zusammenwachsen.
  • "Grüne“ Produkte und Services für nachhaltiges Wirtschaften: Um erhöhte Abgaben und schlechte PR zu vermeiden, müssen Unternehmen künftig ihre Wertschöpfungsketten strikt auf Nachhaltigkeit ausrichten und dabei die Stranded Assets der fossilen Ära trotzdem noch integrieren.
  • Produkte mit dem "richtigen" Preispunkt und Services als Kompensation für zurückgehendes Maschinengeschäft: Statt physischer Assets werden steuernde und datengenerierende Komponenten für · produzierende Unternehmen zunehmend wichtiger. Maschinen- und Anlagenbauer müssen sich daran anpassen. Auch kostengünstigere Investitionsgüter ('asset-light') werden wichtiger.

Welche Optionen Maschinen- und Anlagenbauer jetzt haben

Die genannten drei Treiber haben sich bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie isoliert und zögerlich entwickelt. Im Zusammenspiel mit den direkten und unmittelbaren Effekten der Krise entfalten sie nun ihre volle Wirkung – etwa durch die rasant gestiegene Akzeptanz der Digitalisierung in Unternehmen und Gesellschaft. Bei der Suche nach Handlungsoptionen ist es daher sinnvoll, die Treiber und die Corona-Effekte in Kombination zu betrachten. Daraus ergeben sich vier denkbare Entwicklungen und Handlungsoptionen für die Unternehmen:

I. Recovery/"Weiter so": Diese Handlungsoption zielt auf eine mittelfristige Rückkehr auf das Vor-Corona-Niveau. Sie pflegt daher bewährte Erfolgsmuster des Maschinen- und Anlagenbaus. Dazu gehört ein verstärktes Augenmerk auf die Elektromobilität genauso wie die teilweise Rückbesinnung auf vorhandene und der selektive Einsatz neuer Technologien. Automatisierung und Digitalisierung ermöglichen neue Marktchancen, allerdings sind die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle häufig nicht skalierbar.

II. Side-step/"Weiter so ohne Ambition": Diese Handlungsoption konzentriert sich noch stärker auf Investitionen in bekannte Technologien, während neue Trends unberücksichtigt bleiben. Das hat eine Abwärtsspirale zur Folge und zwingt zu kostensenkenden Maßnahmen. Schwache Anbieter werden von starken angegriffen, die Branche konsolidiert sich weiter. Im besten Fall kommt es zu einer Seitwärtsbewegung auf derzeitigem Niveau, im schlimmsten Fall zu einem beschleunigten Niedergang.

III. Escape: Bei dieser Option wandern bzw. flüchten Unternehmen in Nischen, die überdurchschnittliche Margen versprechen. Ein Teil der hiesigen Maschinenbauer dockt an internationale Akteure an, nutzt deren Ökosysteme und entwickelt Produkte und Services für spezifische Nischen. Andere Anbieter verschwinden ganz oder gehen in internationalen Unternehmen auf. Sehr wenige agieren in dieser Konsolidierung proaktiv.

IV. Attack: Diese Handlungsoption nutzt die Krise für einen Angriff nach vorne: Relevante Treiber werden antizipiert und gezielt in digitale, nachhaltige und preis- und leistungsmäßig optimierte Produkte investiert. Wichtig sind dabei ein enger Fokus auf den Kunden, eine ganzheitlich ausgerichtete Wertschöpfung, eine entsprechende Positionierung im Markt und eine stetige Innovation insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung. Dieser Weg ist unbequem und wird Widerstände auslösen. Sind diese jedoch überwunden, lässt sich ein ganz neues Maß an Produktivität erzeugen.

Die neue Normalität nach Covid-19 dürfte vermutlich eine Mischung aus all dem sein. Daher lassen sich die Handlungsoptionen auch kombinieren, etwa, um für unterschiedliche Geschäftsfelder jeweils individuell passende Maßnahmen zu entwickeln. In jedem Fall gilt es die Chancen zu nutzen, die sich aus der Krise ergeben. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Mit ihrer internationalen Ausrichtung, ihrer Bereitschaft zur Übernahme oder Anpassung von Best Practices und ihrem ausgeprägten Erfinder- und Tüftlergeist war die Branche immer wieder zu neuen Spitzenleistungen fähig und hat in der Vergangenheit Transformationen regelmäßig in neue Erfolge umgesetzt. Insbesondere die "Attack"-Option ermöglicht Unternehmen, die Krise als Beschleuniger für die Transition in die neue Normalität zu nutzen.

In einem ausführlichen Artikel erläutern unsere Experten die Lage der Maschinen- und Anlagenbauer in der DACH-Region und beschreiben, wie sich die Branche nach der Corona-Krise zukunftssicher neuaufstellen kann. Fordern Sie den Artikel hier an.

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