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Österreichs Krankenanstalten leiden unter den Folgen der Pandemie

17. Dezember 2020

Normalstationen waren im Frühjahr nur noch zur Hälfte ausgelastet

Österreichs Krankenanstalten haben infolge der COVID-19-Pandemie mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen: So rechnen sieben von zehn Krankenanstalten sowohl für das Jahr 2020 als auch in den nächsten fünf Jahren mit einem Rückgang der Erlöse. Der Grund: Während der ersten Welle der COVID-19-Pandemie kam es zu einem dramatischen Einbruch bei den Patientenzahlen. So sank die Auslastung der Intensivstationen im März und April 2020 um 41 Prozent auf die Hälfte der verfügbaren Kapazitäten. Auf den Normalstationen war der Rückgang mit 46 Prozent auf eine Auslastung von 45 Prozent sogar noch stärker ausgeprägt. Die vor der aktuellen zweiten COVID-Welle normalisierten Belegungszahlen bedeuten nicht, dass die Umsatzverluste aus dem Frühjahr und Sommer in 2020 kompensiert werden konnten. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der aktuellen Krankenanstalten-Studie von Roland Berger. Für die Untersuchung wurden im Zeitraum Juli und August 2020 die verantwortlichen Managerinnen und -manager der 100 größten Krankenanstalten in Österreich befragt.

Krankenhaus / COVID-19 / Digitalisierung
Digitale Dienstleistungen wie das Videomonitoring von Patienten eröffnen Krankenanstalten neue Ertragsquellen

„Unsere Krankenanstalten mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigen seit dem Frühjahr eine andauernde Notlage. Wir haben in vielen Ländern bereits im März und im Zuge der zweiten Welle auch in Österreich schmerzlich erfahren müssen, dass aufgrund der pandemischen Ausnahmesituation zu Recht Kapazitäten für COVID-19 Patienten reserviert werden mussten. Es gilt jetzt auf Basis der Erfahrungen der vergangenen Monate die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen und Lücken im System zu schließen, sodass wir weiterhin auf eines der weltweit besten Gesundheitssysteme zählen können", sagt Roland Falb, Managing Partner bei Roland Berger in Österreich.

Pandemie verstärkt prägende Trends im Gesundheitswesen

Nach Ansicht der Studienteilnehmer*innen erhöht die COVID-19-Pandemie die Dynamik von Veränderungen, die schon länger erkennbar sind. So wird insbesondere bei der Digitalisierung eine deutliche Beschleunigung erwartet. Auch die «Ambulantisierung» etwa durch Primary Health Care-Modelle sowie der Rückgang stationärer Fallzahlen wird nach Einschätzung der Befragten weiter zunehmen. Der Trend zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren des Gesundheitssystems, etwa Fondskrankenanstalten und privaten Kliniken, könnte sich im Zuge der Pandemie dagegen eher verlangsamen.

"Die Krise wird hier zu neuen Partnerschaften zwischen Medizintechnikindustrie und Krankenanstalten führen."
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Beschaffung kritischer Güter ist verbesserungswürdig

Wie die Umfrageteilnehmer weiter berichten, war die Versorgung mit Schutzausrüstung während der Pandemie zeitweise schwierig. 36 Prozent der Befragten bezeichneten sie als "herausfordernd", fast zwei Drittel (64 Prozent) sogar als "kritisch". Als Lehre daraus setzen die Krankenanstalten in der Beschaffung künftig vor allem auf bestehende Lieferanten und neue Lieferanten aus dem Inland. Der strategische Einkaufsfokus verändert sich in Richtung regionaler und nationaler Lieferanten, außerdem wird die Lagerhaltung ausgeweitet. Auch bei der Auswahl von Medizintechnik-Geräten ist neben guten Service die Erreichbarkeit zum wichtigsten Kriterium geworden.

Als Konsequenz aus dieser Entwicklung ist die Verfügbarkeit zum wichtigsten Kriterium bei der Auswahl von medizinischem Gerät aufgestiegen; noch vor den bisherigen Nummer-Eins-Kriterien Anschaffungs- und Betriebskosten. Die Krise wird dadurch zum Treiber von neuen Partnerschaften zwischen Medizintechnikindustrie und Krankenanstalten.

"Es gilt jetzt auf Basis der Erfahrungen der vergangenen Monate die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen und Lücken im System zu schließen, sodass wir weiterhin auf eines der weltweit besten Gesundheitssysteme zählen können."
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Vienna Office, Zentraleuropa

Digitalisierungsschub im Gesundheitswesen

Als weitere Folge der Pandemieerfahrung rechnen die Teilnehmer der Befragung damit, dass digitale Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen werden, unter anderem Terminänderungen über Portale, aber auch Leistungen wie Patientenüberwachung per Telemonitoring oder Teleconsulting. Ein weiteres interessantes Ergebnis: 92 Prozent der teilnehmenden Krankenanstalten verfügen zwischenzeitlich über eine Digitalisierungsstrategie. Deren wichtigsten Ziele sind Daten- und Ausfallsicherheit sowie eine Verbesserung der Behandlungsqualität.

„Konsequente Digitalisierung ist einer der wichtigsten Hebel, um die wirtschaftlichen Herausforderungen durch COVID-19 meistern zu können. Aber auch vor dem Hintergrund weiter entwickelter Patientenbedürfnisse und im Sinne der Prozesseffizienz gewinnen digitale Ansätze an Bedeutung“, sagt Oliver Rong – für den Bereich Leistungserbringer verantwortlicher Partner bei Roland Berger. "Unsere Umfrage zeigt, dass viele Verantwortliche diesen Handlungsdruck erkannt haben und ihre Häuser entsprechend modernisieren."

Die Roland Berger Krankenanstalten-Studie 2020 wurde im Zeitraum Juli-August 2020 unter den 100 größten Krankenanstalten in Österreich durchgeführt. Die Studie wurde parallel in mehreren EU-Ländern geführt und bietet einen paneuropäischen Überblick über die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die wirtschaftliche Lage der Krankenanstalten. Die Befragung richtete sich an Geschäftsführer/innen und Ärztliche Direktor/innen der teilnehmenden Krankenanstalten.

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