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Fokus verschiebt sich über Covid-19 hinaus, da PE-Deal-Flow stark bleibt

8. Juni 2021

Technologie als klarer Pandemie-Gewinner, wobei sich die Digitalisierungsbemühungen vom Aufbau neuer Geschäftsfelder auf die Kernprozesse verlagern

Wirtschaftlich gesehen war Covid-19 das beherrschende Thema für 2020 sowie seine Auswirkungen auf das Deal-Making, auf Portfoliounternehmen und auf das tägliche Leben. Mittlerweile hat sich die Private-Equity-Branche (PE) daran gewöhnt, mit Covid-19-bedingten Einschränkungen beim Deal-Making erfolgreich umzugehen und konzentriert sich auf die Entwicklungsperspektiven der Unternehmen über Covid-19 hinaus. Für die verbleibenden Monate im Jahr 2021 erwarten die PE-Profis eine positive Entwicklung, basierend auf dem bisher schon starken Dealflow.

The strong deal flow in 2021 is based on a strong interest in topics related to technology and software, pharma and healthcare and business services.
The strong deal flow in 2021 is based on a strong interest in topics related to technology and software, pharma and healthcare and business services.

In diesem Artikel finden Sie ein Interview mit Christof Huth und Thorsten Groth, den Experten von Roland Berger für Investorenbetreuung, über die Aussichten für den europäischen PE-Markt sowie mit Ulrich Kleipaß, dem Digitalexperten von Roland Berger, der die zunehmende Relevanz von Technologie- und Software-Ressourcen für das PE-Geschäft erläutert.

"Es wird einen zunehmenden Trend zu digitalen Plattformen geben, auch in konservativen und komplexen Branchen."
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Welchen Ausblick auf PE-bezogene Transaktionen erwarten Sie für das Jahr 2021?

Christof Huth: Laut dem European PE Outlook 2021 , haben PE-Profis in ganz Europa einen ausgesprochen positiven Ausblick für das Jahr 2021. Dieser positive Impuls im Deal-Making hat sich bereits in den ersten Monaten des Jahres 2021 konkretisiert, als der Deal-Flow besonders stark war. Aus der geografischen Perspektive sehen die PE-Profis die besten Wachstumsaussichten für 2021 in Deutschland, gefolgt von Skandinavien und den Benelux-Staaten.

Thorsten Groth: Die für die PE-Branche 2021 besonders interessanten Branchen sind weiterhin „Technologie und Software“, gefolgt von „Pharma und Gesundheit“ sowie „Unternehmensbezogene Dienstleistungen“. Aktivitäten im Bereich „Technologie und Software“ waren bereits 2020 sehr stark.

Warum sind PE-Unternehmen so sehr an Technologie und Software-Ressourcen interessiert?

Christof Huth: Die Technologiebranche kann definitiv als ein Covid-19-Gewinner angesehen werden. Da die Angestellten in kürzester Zeit auf das Arbeiten im Homeoffice gewechselt haben, benötigen Unternehmen ausgefeilte technologische Lösungen, die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, in ihrer häuslichen Umgebung produktiv zu bleiben - über Videokonferenz-Tools hinaus. Mit Covid-19 als Katalysator sehen Unternehmen auch das Potenzial, die Effizienz durch den Einsatz digitaler Lösungen weiter zu verbessern.

Thorsten Groth: Aus der Perspektive einer PE-Firma sind Softwareunternehmen aus drei Gründen interessant: Erstens weisen Softwareunternehmen aufgrund des zunehmenden Digitalisierungsbedarfs in den meisten Branchen ein hohes Umsatzwachstum auf, und sie haben damit oft eine große Resilienz in der Krise bewiesen. Zweitens sind die meisten Unternehmen aufgrund der Skalierbarkeit ihrer Lösungen hochprofitabel und weisen eine hohe Cash Conversion auf. Drittens gibt es viele Branchen, die immer noch fragmentiert genug sind, um attraktive Wachstumsmöglichkeiten durch Buy-and-Build zu ermöglichen. Auch aus diesem Grund haben wir RB Digital Partner Ulrich Kleipaß eingeladen, seine Perspektiven darzulegen.

Covid-19 hat den Nachholbedarf bei der Digitalisierung über alle Branchen hinweg aufgedeckt. Welche Prioritäten haben die Unternehmen bei der Digitalisierung gesetzt und vor welchen Herausforderungen stehen sie?

Ulrich Kleipaß: Covid-19 beschleunigte die Nachfrage nach technologischen Lösungen und löste auch eine starke Verlagerung der Digitalisierungsbestrebungen von der Etablierung neuer Geschäftsfelder jenseits der Kernwertschöpfungskette hin zur Fokussierung der Bestrebungen auf die Kerngeschäftsprozesse aus. Konkret sehen wir derzeit, dass Unternehmen zunehmend digitale Lösungen nutzen, um ihre Kerngeschäftsprozesse effizienter und robuster zu gestalten. Besondere Herausforderungen bestehen für viele Unternehmen in der Modernisierung der IT-Strukturen, die oft noch viele Silo-Prozesse beinhalten.

Welche großen technologischen Trends unterstützen diese Entwicklung?

Ulrich Kleipaß: Die wichtigsten technologischen Trends sind Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud Computing. Künstliche Intelligenz ist ein Trend, der nur langsam voranschreitet. Die KI hat ein enormes Potenzial, Prozesse effizienter zu gestalten und durch Automatisierung, Vorhersage und Personalisierung enorme Einsparungen zu erzielen, dennoch ist es für Unternehmen immer noch schwierig, gute Anwendungsfälle für die KI zu identifizieren. Es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis branchenspezifische Anwendungsfälle für die KI identifiziert und implementiert werden, und wir erwarten, dass bald mehr branchenunabhängige KI-Tools eingeführt werden - zum Beispiel die Automatisierung von Callcentern durch sprachgesteuerte Chatbots. Beim Cloud Computing sehen wir derzeit eine große Verschiebung von On-Premise- über Hybrid- zu Full-Cloud-Lösungen.

Welche Rolle werden digitale Plattformen in Zukunft spielen?

Ulrich Kleipaß: Es wird einen zunehmenden Trend zu digitalen Plattformen geben, auch in konservativen und komplexen Branchen. Im Gesundheitswesen zum Beispiel hat Covid-19 die Zeitspanne für den Aufbau und das Angebot von Plattformlösungen für Patienten, Ärzte und Versicherer deutlich verkürzt, da die Nachfrage von allen Seiten während der Pandemie gestiegen ist, insbesondere für Telemedizin. Im Gegensatz zu Preisvergleichs-Websites oder Suchmaschinen erwarten wir in komplexeren Branchen, in denen die Prozesse länger und komplexer sind und mehr Interessensgruppen einbeziehen, keine „winner takes it all“-Plattform. Stattdessen erwarten wir verschiedene Plattformen für unterschiedliche Anwendungsfälle. Am Beispiel des Gesundheitswesens erwarten wir, dass es separate Plattformen für Terminvereinbarungen, Telemedizin, Diagnostik und so weiter geben wird.

Wie lässt sich aus Sicht von PE-Firmen das kommerzielle Potenzial von Technologieunternehmen bewerten?

Ulrich Kleipaß: Es gibt verschiedene Faktoren, die bei der Bewertung des kommerziellen Potenzials von Technologieunternehmen berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören eine Überprüfung des schnell wachsenden Marktes, der Kundentrends und der Wettbewerbsdynamik. Darüber hinaus müssen die Einzigartigkeit und Skalierbarkeit einer bestimmten Technologielösung und deren technologisches Grundgerüst untersucht werden. In diesem Zusammenhang kann Roland Berger auf die umfangreichen Ressourcen unserer globalen Digital Practice zurückgreifen.

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Erfahren Sie mehr über die jüngsten Entwicklungen in der Private-Equity-Branche, einschließlich der kommenden Trends für 2021 und der Marktaussichten für den Rest des Jahres.

Veröffentlicht Juni 2021. Vorhanden in
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