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Strategische Planung in volatilen Zeiten

Strategische Planung in volatilen Zeiten

Portrait of Sascha Haghani
Senior Partner, CEO Germany and DACH Region, Member of the Supervisory Board
Frankfurt Office, Zentraleuropa
+49 69 29924-6444
7. Juni 2018

Aktuelle Kernthemen für positive Unternehmensentwicklungen

Der deutschen Wirtschaft geht es gut, die weltweite Konjunktur entwickelt sich positiv und die Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Doch sie sollten darüber nicht vergessen, dass sie mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert sind: Digitalisierung, Fachkräftemangel und nachlassende Innovationskraft sind industrie-immanente Faktoren. Dazu kommen geopolitische Faktoren wie etwa die unsichere Handelspolitik der USA, die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Lage in Iran und Syrien oder die ungeklärten Modalitäten für den Brexit.

Kurzum: Wir haben weltweit eine Multi-Problemlage, die für Unternehmen nur sehr schwer einzuschätzen ist. Die potenziellen Bedrohungen kommen von vielen Seiten und sind mit so vielen Unwägbarkeiten versehen, dass Planung fast unmöglich wird. Bei so kurzfristigen Schwankungen wäre eine Drei-Jahresplanung fast schon visionär und ziemlich sicher bald von der Realität überholt.

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Teams müssen flexibel mit ständig neuen Herausforderungen umgehen können.

Will ein Unternehmen nicht Gefahr laufen, von unvorhergesehenen Entwicklungen überrascht und überrollt zu werden, muss es möglichst flexibel aufgestellt sein. Das heißt zum Beispiel, finanzielle Reserven zu bilden, um gegen kurzfristige Krisen gewappnet zu sein oder Alternativpläne vorzuhalten, für den Fall, dass sich das Umfeld ändern sollte. Dazu gehört auch eine möglichst flexible Struktur, etwa bei der Produktion oder der regionalen Präsenz.

Doch neben den genannten Unsicherheiten sind Firmen aus meiner Sicht auch mit vier grundsätzlichen Themen konfrontiert, die ihre strategische Planung und Weiterentwicklung erschweren.

  1. Informationen filtern und richtig analysieren
    Eine der schwierigsten Aufgaben für Unternehmen ist es, sich in der heutigen komplexen Welt zu informieren und die Hoheit über die relevanten Themen zu behalten. Damit Firmen auf bestimmte Entwicklungen reagieren können, müssen sie in der Lage sein, diese rechtzeitig zu erkennen und sie umfassend zu analysieren. Das heißt, sie müssen die Mechanismen bestimmter Entwicklungen verstehen und die weiterführenden Implikationen einschätzen können. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Wie informiere ich mich als Unternehmen in Zeiten von Fake News? Auf welcher Basis kann ich fundierte Analysen aufbereiten, die meine geschäftlichen Entscheidungen unterstützen? In einer Welt, die immer digitaler wird und in der sich verschiedene, oft konträre Informationen extrem schnell weiterverbreiten, braucht es dafür mehr offenen Austausch unter Menschen. Und auch der Bedarf an Beratung wächst.
  2. Den Business Case für meine Firma erkennen
    Die Digitalisierung wirft in vielen Unternehmen noch schwierige Fragen auf: Wie schnell und wie weit soll ich meine Firma digitalisieren? Nicht jedes Geschäftsmodell ist für jedes Unternehmen gleich gut geeignet: Wie sieht also der passende Business Case für mich aus? Wie viel soll ich dafür investieren und wann rechnet es sich? Hier ist es nötig, verschiedene, maßgeschneiderte Szenarien zu entwickeln und Investitionen daran auszurichten. Denn die Digitalisierung ist ein Phänomen, bei dem schnelle Wendungen, Brüche, Erfolge und Rückschläge extrem nah bei einander liegen können. Investitionen müssen hier gut überlegt werden; denn wer eine falsche Entscheidung trifft, kann schnell in eine Schieflage geraten. Wer allerdings zu lange abwartet, verpasst leicht den Anschluss.
  3. Führungskompetenzen sind gefragt
    Kompetente Fachkräfte zu finden, wird für Unternehmen zu einer immer größeren Herausforderung – und kann schnell zum Engpass für die Unternehmensentwicklung werden. Hier ist aus meiner Sicht die Bildungspolitik stark gefordert: Mit den richtigen Rahmenbedingungen sollte sie dafür sorgen, dass Schulen und Hochschulen den geeigneten Nachwuchs für unsere Wirtschaft ausbilden können. Und damit meine ich nicht, dass unsere Jugend allesamt ausschließlich zu hochqualifizierten Software-Entwicklern und IT-Spezialisten für den künftigen Markt ausgebildet werden soll. Führungskompetenzen und gute analytische Fähigkeiten sind ebenso wichtig, um eine neue Generation von Führungskräften auf diese komplexe Welt vorzubereiten.
  4. Interkulturelle Kompetenzen für globale Unternehmen
    In der heutigen Welt handeln Menschen leider immer mehr gegeneinander, anstatt aufeinander zuzugehen und miteinander zu arbeiten. Dies ist eine gefährliche Entwicklung, denn sie ist das Gegenteil von dem, was eine global vernetzte Welt ausmacht: Wir brauchen heute mehr Kooperation statt Konfrontation – und dafür ist mehr interkulturelles Verständnis nötig, auch in den Unternehmen. Je nach Hintergrund haben Menschen einen unterschiedlichen Blickwinkel auf das gleiche Thema. Hier ist Sensibilität und Offenheit gefragt.

Diese vier Herausforderungen sind aus meiner Sicht die Kernthemen, auf die sich Unternehmen fokussieren sollten. Schaffen es Firmen, diese vier wichtigen Aspekte immer vor Augen zu haben und in ihrer Strategie zu berücksichtigen, so haben sie eine stabile Basis, um sich in volatilen Zeiten erfolgreich weiterzuentwickeln.

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