Restrukturierung in Japan: Ungeahnte Freiheiten für ausländische Unternehmen
2009
Trotz der Veränderungen, welche die japanische Wirtschaft in den letzten Jahren durchlaufen hat, trifft man auch heute noch immer auf landestypische Besonderheiten. Seien es langfristige Lieferantenbeziehungen, die lebenslange Beschäftigung oder das Senioritätsprinzip: Seit langem sind sich ausländische Manager dieser Japan-Spezifika sehr bewusst und dementsprechend passen sich Niederlassungen westlicher Unternehmen mehr oder weniger dem japanischen Umfeld an.
Was aber, wenn mehr Wettbewerb, plötzlicher Umsatzrückgang oder anspruchsvollere Gewinnziele der ausländischen Muttergesellschaft ein hartes Restrukturierungsprogramm erfordern? Dann geraten die Leiter der Japan-Niederlassungen in ein Dilemma: Auf der einen Seite stehen sie unter dem Druck restrukturieren und dabei z.B. Personal abbauen oder das Lieferantenportfolio konsolidieren zu müssen – auf der anderen Seite sehen sie sich durch das japanische Umfeld dahingehend eingeschränkt, dass man etwa „keine Mitarbeiter entlassen kann“ und die langfristigen Lieferantenbeziehungen quasi unantastbar sind. Auch Japan ist von der aktuellen Finanzkrise betroffen. Deshalb werden dort in nächster Zeit sowohl für japanische wie für ausländische Manager Restrukturierungsprogramme im weitesten Sinne wieder ganz oben auf der Agenda stehen.
Was ist in Japan also möglich und was nicht? Wie kann ein ausländisches Unternehmen ein effektives Restrukturierungsprogramm für seine japanische Niederlassung gestalten? Die Studie versucht, Antworten auf diese Fragen zu geben. Mit „Restrukturierung“ sind im vorliegenden Rahmen alle tiefgreifenden Veränderungen gemeint, also nicht nur des Personalbestands, sondern auch der Organisationsstruktur, des Lieferantenportfolios und der Strategie.
Das Ergebnis überrascht: Ausländische Unternehmen genießen in Japan deutlich größere Freiheitsgrade als einheimische. Und: Japan-Spezifika müssen nicht hinderlich sein, sondern können gerade eine Restrukturierung teilweise sogar unterstützen. Es gilt, diese Freiheitsgrade für das Restrukturierungsprogramm zu nutzen – zwar mit Fingerspitzengefühl, aber ohne übertriebene Selbstbeschränkung.
Die Studie wurde in der zweiten Jahreshälfte 2008 gemeinsam von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) und Roland Berger Strategy Consultants erarbeitet. Grundlage ist eine Online-Umfrage, die an das Topmanagement von 385 deutschen Unternehmen in Japan verschickt wurde. 98 Fragebögen konnten ausgewertet werden, was einer Rücklaufquote von repräsentativen 26 Prozent entspricht. Darüber hinaus waren zahlreiche Unternehmen zu vertiefenden Interviews bereit.
Da die Untersuchungsergebnisse großteils auf vertraulichen Informationen beruhen, können keine Angaben zu den teilnehmenden Unternehmen oder einzelnen Gesprächspartnern gemacht werden

