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AmCham Germany Business Barometer 2021

18. März 2021

Transatlantisches Tauwetter sorgt für positive Stimmung

Die deutsche und die US-amerikanische Wirtschaft sind eng verflochten – nicht nur durch Handelsbeziehungen, sondern auch über Tochterunternehmen im jeweils anderen Land. Der Regierungswechsel in den USA macht vielen dieser Unternehmen Hoffnung auf bessere transatlantische Beziehungen. Insbesondere vor dem Hintergrund des durchwachsenen Geschäftsjahres 2020 lässt dieser "Biden-Effekt" die Unternehmen optimistisch nach vorne blicken. Das zeigen die Ergebnisse des Transatlantic Business Barometer 2021, einer Umfrage unter den Mitgliedern der AmCham Germany, die gemeinsam mit Roland Berger durchgeführt wird.

Der Wirtschaftseinbruch im Jahr 2020 hat deutliche Spuren bei den befragten Unternehmen – US-Firmen in Deutschland und deutschen Firmen in den USA – hinterlassen: Weit weniger als die Hälfte konnte 2020 einen Umsatzanstieg verbuchen, auch bei Investitionen und der Zahl der Beschäftigten verzeichneten im Vergleich zu den Vorjahren weniger Unternehmen eine positive Entwicklung. Auffällig ist, dass diese Delle bei deutschen Unternehmen in den USA stärker ausgeprägt war als bei den deutschen Tochtergesellschaften US-amerikanischer Unternehmen. Das generelle Geschäftsklima sehen die Befragten durch die Delle im Jahr 2020 nicht beeinträchtigt: Beiderseits des Atlantiks setzen die Unternehmen für 2021 wieder auf Wachstum.

Unternehmen erwarten bessere transatlantische Handelsbeziehungen

Beflügelt werden die positiven Erwartungen durch die Wahl Joe Bidens zum neuen US-Präsidenten. Die Mehrheit der befragten US-Tochtergesellschaften in Deutschland rechnet damit, dass sich die transatlantischen Handelsbeziehungen deutlich verbessern. Die größte Hoffnung setzen die Unternehmen dabei auf eine fortschreitende Handelsliberalisierung sowie abgestimmte Positionen gegenüber multilateralen Institutionen wie beispielsweise der Welthandelsorganisation WTO. Lediglich mit Blick auf die nicht-tarifären Handelshemmnisse rechnet eine knappe Mehrheit mit gleichbleibenden Bedingungen.

Dieser "Biden-Effekt" zeigt sich noch deutlicher bei den Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen in den USA: Über zwei Drittel hoffen auf bessere transatlantische Handelsbeziehungen im Jahr 2021. Dies gilt insbesondere für das gemeinsame Auftreten auf internationaler Bühne. Auch unter den deutschen Unternehmen in den USA erwartet der geringste Anteil eine Verbesserung bezüglich nicht-tarifärer Handelshemmnisse. Hier fürchten sogar 12 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der transatlantischen Handelsbeziehungen.

Kritik am Standort Deutschland

Neben dem direkten Geschäft der Unternehmen und den transatlantischen Beziehungen beleuchtet das Business Barometer auch die Standortfaktoren in Deutschland und den USA. Damit dient es als regelmäßiger "Pulse Check" und zeigt Handlungsbedarfe für die Politik auf. Die deutschen Unternehmen in den USA stellen ihrem Wirtschaftsstandort ein gutes Zeugnis aus – insgesamt 76 Prozent der Befragten bewerten die Bedingungen mit gut oder sehr gut. Gelobt werden insbesondere die Rahmenbedingungen für Startups und Unternehmertum, die Qualität der Infrastruktur und die Verlässlichkeit der Politik werden als am stärksten verbesserungsbedürftig eingestuft.

Unter den US-Tochtergesellschaften in Deutschland bewertet mit 63 Prozent ebenfalls eine Mehrheit die Standortbedingungen als gut oder sehr gut. Im Jahr 2018 kamen aber ganze 91 Prozent der Befragten zu dieser Einschätzung. Dieser Einbruch der Zufriedenheit mit dem Standort Deutschland kann als klarer Handlungsauftrag an die Politik verstanden werden. Neben den hohen Energiekosten werden insbesondere die Qualität der digitalen Infrastruktur und die Rahmenbedingungen für Startups und Unternehmertum als verbesserungsbedürftig eingestuft. Positiv hervorgehoben werden die Qualität der Mitarbeiter und die Forschungsstärke des Standorts. Auch die allgemeine Verlässlichkeit der Politik wird von zwei Dritteln der Unternehmen mit gut oder sehr gut bewertet.

Für das Transatlantic Business Barometer 2021 wurden im Februar und März 2021 41 US-Unternehmen mit einem Standort und Umsatz von rund 75 Mrd. € in Deutschland sowie 31 deutsche Unternehmen mit einem Standort und Umsatz von mehr als 50 Mrd. € in den USA befragt.

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Studie

AmCham Germany Business Barometer 2021

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Das Transatlantic Business Barometer fasst die Ergebnisse einer Befragung deutscher und US-amerikanischer Tochterunternehmen im jeweils anderen Land zu Geschäftsbedingungen und Standortfaktoren zusammen.

Veröffentlicht März 2021. Vorhanden in
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