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Bleibt die Medizintechnik ein

Bleibt die Medizintechnik ein "Outperformer"?

27. Oktober 2022

Eine wichtige Branche steht vor großen Chancen und Risiken

Der Roland Berger Global MedTech Report 2022 zeigt, dass MedTech-"Winner" im Durchschnitt mehr in Forschung und Entwicklung investieren als "Underperformer" (8,5 % gegenüber 6,5 % des Umsatzes). Gewinner sind hochprofitable und stark waschsende Unternehmen, die Kapital deutlich effizienter einsetzen (VVG-Kosten im Schnitt: 28,6 % gegenüber 34,4 %; durchschnittliche Umsatzkosten: 42,0 % gegenüber 51,7 %) und gewöhnlich eine doppelt so hohe Marktkapitalisierung wie Underperformer aufweisen. Gewinner waren auch bei der Verwaltung ihrer Geschäftsportfolien durch Fusionen und Übernahmen aktiver (im Schnitt 4,9 abgeschlossene Transaktionen gegenüber 3,5 Abschlüssen). In den USA ansässige MedTech-Unternehmen waren in der Regel die profitabelsten, hauptsächlich wegen eines besseren Zugangs zum Hochpreis-Markt USA. Ihre EBITDA-Margen lagen im Durchschnitt fünf Prozentpunkte über denen der europäischen oder asiatischen Wettbewerber. Allerdings verzeichneten in Asien beheimatete MedTechs in der Regel das schnellste Umsatzwachstum – viele von ihnen stammen aus China. Europäische Unternehmen waren am stärksten von neuen EU-Vorschriften betroffen.

"MedTech-Unternehmen müssen sich mit aktuellen Problemen, Strategien und strukturellen Herausforderungen auseinandersetzen, um ihre zentrale Rolle im globalen Gesundheitswesen weiterhin erfüllen zu können."
Portrait of Marco Bühren
Principal
München Office, Zentraleuropa

Eine starke Branche weist deutliche regionale Unterschiede auf

Der Roland Berger Global MedTech Report 2022 beleuchtet eine Branche, die üblicherweise mehr Wertzuwächse verzeichnen konnte als große Börsenindizes. Medizintechnikunternehmen (MedTechs) bieten Produkte und Dienstleistungen an, mit denen sich Krankheiten feststellen, überwachen, behandeln und zunehmend auch verhindern lassen. Sie sind für Gesundheitssysteme von entscheidender Bedeutung und spielen bei Gesundheit und Wohlbefinden eine immer größere Rolle. Die Branche ist schneller gewachsen als viele andere, hat aber nun mit den Folgen von COVID-19, hoher Inflation und steigenden Energiekosten zu kämpfen.

MedTech-Unternehmen haben in den letzten fünfzehn Jahren im Durchschnitt eine EBITDA-Marge von rund 22 % erzielt. Auch wenn die meisten MedTechs damit die 25-Prozent-Marge der Pharmaindustrie nach wie vor verfehlen, übertreffen sie spielend Fertigungssektoren wie den Automobilbau, der in der Regel Betriebs-margen von weniger als 10 % aufweisen kann. Eine stets steigende Nachfrage und höhere Gewinnspannen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich MedTech-Unternehmen besser entwickelt haben als Aktienmärkte weltweit.

Unsere Analyse verdeutlicht jedoch, dass die Branche eine beachtliche Ergebnis-Spanne aufweist, die unterschiedliche regionale und geschäftliche Schwerpunkte widerspiegelt. MedTech-Unternehmen mit Sitz in Nordamerika erzielen seit vielen Jahren deutlich höhere operative Margen als die Wettbewerber aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum (APAC). Höhere Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Margen) sind auf den besseren Zugang zum US-Markt zurückzuführen, auf dem die Preise in der Regel höher sind als anderswo. Der Preisdruck ist anderswo höher – in Europa aufgrund mächtiger Gesundheitssysteme und im APAC-Raum aufgrund traditionell niedriger Gesundheitsausgaben.

Manche Segmente fahren stets bessere Ergebnisse ein als andere

Die Analyse von Roland Berger zeigt auch, dass Umsatz- und EBITA-Entwicklungen der sieben Segmente der MedTech-Branche unterschiedlich sehr sind. Innovative MedTech-Unternehmen mit hoher Produktdifferenzierung konnten Margen von über 20 % einfahren, während MedTechs, die sich auf einheitlichere Einwegprodukte und Verbrauchsartikel konzentrieren, Margen von unter 10 % aufweisen.

Der Trend in Richtung personalisierter Medizin, die Weiterentwicklung von diagnostischen Tests und eine alternde Bevölkerung in den Industrieländern haben dazu beigetragen, dass Labor- und Diagnostikunternehmen dank kletternder Umsätze und noch weiter steigender Margen in den letzten Jahren am besten abgeschnitten haben. Diversifizierte MedTech-Unternehmen beweisen, dass es kein Nachteil ist, in verschiedenen Segmenten gleichzeitig tätig zu sein, denn ihre Umsätze stiegen weiter stetig und hohe Gewinnspannen nahmen erneut zu. Elektro-medizinische und Gerätehersteller sowie Produzenten medizinischer Hilfsmittel und Geräte verzeichneten stetiges Umsatzwachstum und solide Rentabilität.

Allerdings war das Bild in anderen Segmenten durchwachsen. Ein starker Rückgang bei Wahloperationen führte dazu, dass Hersteller von chirurgischen Instrumenten und Geräten ein geringes Umsatzwachstum verzeichneten, obwohl Margen auch weiterhin hoch blieben. Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen mussten sich mit bescheidenem Umsatzwachstum und sinkenden Gewinnspannen zufriedengeben. Eine geringe Produktdifferenzierung bedeutete, dass Hersteller von Einwegprodukten und Verbrauchsartikeln stets die magerste Profitabilität auswiesen.

"MedTechs bieten Produkte und Dienstleistungen an, mit denen sich Krankheiten feststellen, überwachen, behandeln und zunehmend auch verhindern lassen. Sie sind für Gesundheitssysteme von entscheidender Bedeutung und spielen eine essentielle Rolle."
Portrait of Thilo Kaltenbach
Senior Partner
München Office, Zentraleuropa

Gewinner agieren in allen Segmenten, haben aber vier Dinge gemein

MedTech-Winner sind in verschiedensten Branchensegmenten aktiv, haben aber vier Gemeinsamkeiten. Gewinner sind in ihren Geschäftsfeldern führend, weil sie Top-Drei-Positionen erreicht oder Alleinstellungsmerkmale entwickelt haben, die ihnen ermöglichen, Preise festzulegen und diese auch zu verteidigen. Diese Unternehmen verfügen über strategische Kohärenz, die auf einer klar formulierten Vision und einem deutlichen Wertversprechen fußt. Dank Größe und Finanzkraft werden ihre Aktien von führenden Börsenindizes berücksichtigt, was guten Zugang zu Kapital ermöglicht. Sie beweisen eine stringente Umsetzungsfähigkeit von Strategien durch disziplinierte Kapitalzuweisung, effizienten Ressourceneinsatz, klare Kommunikation mit Stakeholder-Gruppen und eine zielgerichtete Ausführung.

MedTechs stehen vor Herausforderungen struktureller Veränderungen

Die MedTech-Branche sollte sich auf die vier gemeinsamen Merkmale der Winner konzentrieren. In unsicheren Zeiten ist es besonders wichtig, die richtigen strate-gischen Prioritäten zu setzen. Darüber hinaus stehen die MedTech-Unternehmen vor sechs strukturellen Herausforderungen. Die Branche befindet sich im Wandel von:

  • losgelösten, papiergestützten hin zu automatisierten, digitalen Prozessen,
  • honorarzentrierter hin zu preisbewusster, personalisierter Versorgung,
  • stationärer hin zu mehr ambulanter Versorgung und Krankheitsprävention,
  • eigenständigen Häusern hin zu großen Klinikketten mit Omnikanal-Vertrieb,
  • einem Blick allein auf klinische hin zur Mitbetrachtung wirtschaftlicher Faktoren,
  • rein inkrementeller hin zu transformativer Forschung und Entwicklung.

Wesentliche fragen für medizintechnik-führungskräfte

MedTech-Unternehmen müssen sich mit aktuellen Problemen, strategischen Fragen und strukturellen Herausforderungen auseinandersetzen, um ihre zentrale Rolle im globalen Gesundheitswesen weiterhin erfüllen und einen soliden Wachstumspfad weiter verfolgen zu können. Wir von Roland Berger können sie dabei unterstützen.

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Bleibt die Medizintechnik ein "Outperformer"?

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Der Roland Berger Global MedTech Report 2022 zeigt, dass "Gewinner" in der Medizintechnik hochprofitable Unternehmen mit starkem Wachstum sind und im Durchschnitt mehr in Forschung und Entwicklung investieren als "Underperformer". Die Gewinner sind deutlich effizienter in der Kapitalallokation und haben im Durchschnitt eine doppelt so hohe Marktkapitalisierung wie die Underperformer.

Veröffentlicht Oktober 2022. Vorhanden in
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