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Verlagern oder nicht? Die Zukunft der produzierenden Industrie in der Schweiz

Zürich/St. Gallen, 7. Juli 2004

Zunehmende Verlagerung der produzierenden Industrie ins Ausland

  • Der Trend zur Auslandsverlagerung beschleunigt sich weiter
  • Gründe sind einerseits die attraktiven neuen Absatzmärkte, aber auch der anhaltende Kostendruck aus Billiglohnländern
  • Zielregionen sind v.a. Osteuropa und Ostasien
  • Der Erfolg eines Verlagerungsprozesses hängt von fünf Faktoren ab

"Verlagern oder nicht?" Mit dieser Frage sehen sich heute fast alle Schweizer Industriebetriebe konfrontiert. Roland Berger Strategy Consultants, die Universität St. Gallen (HSG) und der Berufsverband Swiss Engineering präsentiert die Studie, Verlagern oder nicht? – Die Zukunft der produzierenden Industrie in der Schweiz" Die Publikation basiert auf einer Umfrage bei 112 führenden mittleren und Grossunternehmen und brachte wesentliche Erkenntnisse:

  • Die Schweizer Industrieunternehmen sind bereits heute international ausgerichtet: Nur noch 37% der befragten Unternehmen produzieren ausschliesslich in der Schweiz. Weit über die Hälfte produziert auch in Osteuropa, amerikanischen und asiatischen Ländern.
  • Der Trend zur Auslandsverlagerung beschleunigt sich weiter: Gründe dafür sind die Marktkonsolidierung, die attraktiven Wachstumsmärkte in Osteuropa und Asien, der Kostendruck sowie die sinkende Attraktivität des Standorts Schweiz.
  • Die Verlagerungsaktivitäten weiten sich aus: Standen bisher vor allem die Fertigung und Montage im Vordergrund, so werden vermehrt auch vor- und nachgelagerte Bereiche (Konstruktion, Beschaffung, Service) ausgelagert. Die Forschung & Entwicklung sowie die Administration sind davon nur in geringem Umfang betroffen.
  • Vorreiter für Auslagerungen sind neue Industrien wie die Elektronik und Mikroelektronik. Alteingesessene Bereiche, besonders der Anlagen- und Sondermaschinenbau, folgen ihnen nach.
  • Den Grossbetrieben folgen jetzt KMU: Der Anteil von mittleren Unternehmen mit Aktivitäten im Ausland wird von rund 60% auf 75 % ansteigen, jener von kleinen Unternehmen von rund 40% auf über 60%.
  • Einmal verlagert, immer verlagert: über 70% der bisher getätigten Verlagerungen waren erfolgreich – und wurden nicht rückgängig gemacht.

Ob eine Produktionsverlagerung erfolgreich ist oder nicht, hängt im Wesentlichen von fünf Faktoren ab:

  • Eine klare Strategie ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Verlagerung.
  • Die Optimierung muss die gesamte Wertschöpfungskette umfassen und darf sich nicht auf die Lohnkosten beschränken.
  • Jede Verlagerung muss unternehmensspezifisch optimiert werden – es gibt keine Patentrezepte.
  • Mögliche Szenarien müssen qualitativ und quantitativ sowie hinsichtlich Chancen und Risiken bewertet werden.
  • Der Umsetzungsprozess muss effizient gemanagt werden.

Zitate:

Joost Geginat:
"Zahlreiche unserer Projekte haben gezeigt, dass die reine Senkung von Lohnkosten eine Verlagerung häufig nicht rechtfertigt. Von hoher Bedeutung ist zum einen die Nähe zum Absatzmarkt und zum anderen die Senkung der gesamten Kosten der Wertschöpfung"

"Häufigste Ursache für Misserfolge von Verlagerungsprojekten ist das Fehlen eindeutiger strategischer Vorgaben"

Elgar Fleisch:
"Der Trend der Auslandsverlagerung hält an, und erfasst vermehrt auch kleine und mittlere Unternehmen. Zudem werden nicht mehr nur Fertigung- und Montage ausgelagert, sondern auch Entwicklungs- und Servicetätigkeiten. Die Gründe für diese Verlagerungen liegen aber nicht in den Kosten, wie immer wieder behauptet wird, sondern viel mehr darin, dass viele Firmen in den boomenden Märkten, beispielsweise Asiens, ein Standbein haben möchten. Die Betriebe bleiben in der Schweiz, und diversifizieren ins Ausland. Davon profitieren alle."

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