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Nachhaltigkeit – Ein strategischer Imperativ für Vermögensverwalter

3. Dezember 2020

Positionierung über Nachhaltigkeitsthemen wird zum strategischen Imperativ für Privatbanken

"Nachhaltigkeit ist von hoher Relevanz – spätestens jetzt müssen Privatbanken handeln. Bisherige Nachhaltigkeits-Bemühungen sind oft nicht konsequent auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet."
Portrait of Adrian Weber

Adrian Weber

Senior Partner
Büro Zürich, Zentraleuropa

Trotz Wachstum der verwalteten Vermögen nimmt die Profitabilität bei den Privatbanken in der Schweiz weiter ab – sich über Nachhaltigkeitsthemen zu positionieren wird zum strategischen Imperativ.

Seit 2011 sind die verwalteten Vermögen der untersuchten Privatbanken in der Schweiz, dank einer starken Markt-Performance und stabilen Nettoneugeldern (2-2.5%), um jährlich circa 6% auf 5.4 Billionen Schweizer Franken gewachsen.

Demgegenüber ist die durchschnittliche Bruttomarge seither um 15 Basispunkte auf 87 Basispunkte gefallen. Während grosse Privatbanken ihre CIR gegenüber dem Vorjahr senken konnten, waren alle anderen Privatbanken nicht dazu in der Lage – dies aufgrund geringerer Erträge und einer höheren Kostenbasis.

Insbesondere ausländische Privatbanken scheinen dabei ein Profitabilitätsproblem zu haben: Während rund 96% aller Schweizer Privatbanken profitabel operierten, ist dies nur 60% der ausländischen Privatbanken in der Schweiz gelungen.

Herausfordernde Situation für Privatbanken – Gute Markt-Performance in den letzten Jahren hilft, adressiert Grundherausforderungen jedoch nicht.
Herausfordernde Situation für Privatbanken – Gute Markt-Performance in den letzten Jahren hilft, adressiert Grundherausforderungen jedoch nicht.
"Verwaltete Vermögen sind seit 2011 jährlich um 6% gewachsen, wobei die positive Marktentwicklung für rund 65% davon verantwortlich war. Viele Banken scheuen transformative Veränderungen und bleiben im reaktiven Modus."
Portrait of Philippe Blaser
Partner
Büro Zürich, Zentraleuropa

Nachhaltigkeit – Buzzword oder Anlass zum Handeln?

Obwohl Nachhaltigkeit das 'Buzzword' der letzten Jahre ist, sieht man noch relativ wenig Veränderung in der Bankenlandschaft (ausser neue Produktnamen). Eine Roland Berger Umfrage zeigt, dass 80% aller Privatbanken das Thema Nachhaltigkeit aufgrund veränderter Kundenbedürfnisse für relevant halten. Dieser Trend hat sich gemäss den Umfrageteilnehmern durch Covid-19 zusätzlich verstärkt.

Zwar ist der Anteil nachhaltig investierter Vermögen von 5% (2015) auf rund 30% gestiegen, was unter anderem der sehr breiten Definition von nachhaltigen Investitionen zu verdanken ist. So sind z.B. einzelne ESG Exclusion Indizes zu 95% deckungsgleich mit einem MSCI World Index.

Die Relevanz wird aber weiter zunehmen – insbesondere auch, weil rund 80% der vermögenden Kunden angeben, dass Anlageentscheide im Einklang mit persönlichen Wertvorstellungen getroffen werden. Spätestens wenn rund 40 Billionen USD Vermögen in den nächsten 10 Jahren an die nächste Generation der 'Sustainability Natives' gehen, führt kein Weg mehr an einer klaren Positionierung zum Thema Nachhaltigkeit vorbei.

Roland Berger Umfrage: "Nachhaltigkeit im Wealth Management" – Es ist höchste Zeit, zu handeln

Bei rund zwei Dritteln der Umfrageteilnehmer zeigt sich, dass klarer Aufholbedarf bezüglich Nachhaltigkeitsthemen besteht:

  • Privatbanken nutzen Nachhaltigkeit oft noch primär zu Marketing-Zwecken
  • Privatbanken bieten nachhaltige Produkte an, jedoch ohne nachhaltige Änderungen zu bewirken
  • Der vielbeschriebene "cultural change" bezüglich Nachhaltigkeit ist in den Privatbanken noch nicht angekommen

Wir sehen drei Möglichkeiten, wie sich Privatbanken entwickeln werden:

  1. "New purpose": Konsequente, ganzheitliche Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, u.a. durch Aufbau von/Teilnahme in nachhaltigkeitsorientierten Ökosystemen, die über das traditionelle Private Banking hinausgehen
  2. "Business as usual": Reaktive Anpassungen auf ein sich veränderndes Umfeld und Stabilisierung der Margen über Kostenmaßnahmen
  3. "Dead end": Geschäftsaufgabe aufgrund unzureichender Anpassung an neue Vorschriften und das Wettbewerbsumfeld und somit weiter rückgängiger Rentabilität

Die Privatbanken in der Schweiz sind durch ihren starken Heimmarkt, die vorhandene Expertise, die Netzwerke sowie das Vertrauen bestens aufgestellt, um im Thema Nachhaltigkeit eine führende Rolle zu übernehmen. Die Gewinner werden durch eine holistische, das heisst, alle Unternehmensbereiche betreffende Nachhaltigkeitsstrategie sowie eine proaktive Einbeziehung von Mitarbeitern, Kunden und weiteren Anspruchsgruppen ein neues Raison d'être definieren, Nachhaltigkeitsbemühungen in der Gesellschaft vorantreiben und sich eine Plattform zur Erschliessung neuer Märkte, auch über das traditionelle Geschäft hinaus, schaffen.

"Mit dem anstehenden Transfer von Vermögenswerten an eine Generation, die Nachhaltigkeit und persönliche Werte ganz oben auf der Agenda hat, wird sich die Situation noch weiter zuspitzen."
Portrait of Sven Kuonen
Principal
Büro Zürich, Zentraleuropa

Positionierung als nachhaltige Privatbank – Eine Anleitung

Eine nachhaltige Privatbank kombiniert eine klare Positionierung mit einem auf Kunden ausgerichteten, nachhaltigen Geschäftsmodell. Dabei sind eine klare Vision zu definieren, die Implikationen für das Geschäftsmodell abzuleiten sowie die Anpassungen am Betriebsmodell vorzunehmen.

Roland Berger nutzt dazu ein bewährtes Sustainability Framework, um Banken bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Dazu werden, je nach Ausgangslage der Bank, ein Ambitionsniveau sowie entsprechende Initiativen definiert und in die Organisation integriert. Dabei werden neben neuen Opportunitäten auch die bestehenden Ressourcen effizient auf relevante Themen alloziert.

Es ist also höchste Zeit für Privatbanken im Thema Nachhaltigkeit auch gegenüber Kunden zu handeln. Die Bank ist dabei keinesfalls auf sich allein gestellt – Partnerschaften können und sollen eine zentrale Rolle spielen, um den Kunden bestmögliche Angebote zu bieten.

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