Mittelständische Automobilzulieferer: Spurwechsel bei voller Fahrt

Mittelständische Automobilzulieferer: Spurwechsel bei voller Fahrt

24. August 2021

Tempo des Technologiewandels stellt mittelständische Automobilzulieferer vor große Herausforderungen

"Neun von zehn befragten Managern geben an, dass die Elektrifizierung des Antriebsstrangs spürbare Auswirkungen auf das Geschäftsmodell ihrer Unternehmen hat."
Portrait of Thomas Schlick
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Frankfurt Office, Zentraleuropa

Die Geschwindigkeit, mit der Politik und Wirtschaft in Deutschland die Elektromobilität forcieren, überrascht die mittelständische Zulieferbranche und stellt sie vor existenzielle Herausforderungen: Ohne zügige Anpassung des Portfolios schwinden die Chancen am Markt. Besonders pikant: Der Technologiewechsel muss bei engen finanziellen Spielräumen realisiert werden. Für mittelständische Automobilzulieferer in Deutschland gilt es also, bei voller Fahrt die Spur zu wechseln.

Die Studie „Vollbremsung oder Spurwechsel bei voller Fahrt“, für die Roland Berger Vorstände und Geschäftsführer der mittelständischen Automobilzulieferindustrie befragt hat, zeichnet das Bild einer tief verunsicherten Branche. Insbesondere das Tempo beim Wechsel der Antriebstechnologie auf Hybride oder rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge trifft die Zulieferer ins Mark. Mit einer solch großen Dynamik, getrieben von den verschärften Klimazielen und Ankündigungen der Autohersteller zur zügigen Elektrifizierung der Flotte, haben viele mittelständische Zulieferunternehmen nicht gerechnet.

Die Transformation kommt für einige mittelständische Automobilzulieferer schneller als erwartet
Die Transformation kommt für einige mittelständische Automobilzulieferer schneller als erwartet

Die Existenz der Branche steht auf dem Spiel

Auch das veränderte Mobilitätsverhalten, das autonome Fahren sowie die Digitalisierung üben neben der Elektrifizierung ( MADE ) Druck auf die etablierten Geschäftsmodelle aus. Die Befragten machen sich keine Illusionen: Auf dem Spiel steht nicht weniger als die eigene Existenz. Dabei überrascht die Entscheider vor allem das Tempo der technischen Transformation. Die Dynamik des Wandels hat bei jedem zweiten Unternehmen die Erwartungen übertroffen. So sind die Unternehmen gezwungen, ihr Portfolio so schnell wie möglich an die neuen Antriebstechnologien anzupassen.

Die Rahmenbedingungen, unter denen der Wandel vollzogen werden muss, sind alles andere als günstig. Die Covid-19 Pandemie hat die Schuldenlast vieler Unternehmen anwachsen lassen, gleichzeitig sind Umsatz und Gewinn eingebrochen. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr mit 1,09 Milliarden Euro noch unter dem Geschäft von vor drei Jahren (1,25 Mrd. Euro in 2017), die Gewinne (EBIT) haben sich im Vergleichszeitraum mehr als halbiert (von 88,4 Mio. 2018 auf 40,2 Mio. im Jahr 2020).

Mit einer Erholung auf das Vorkrisenniveau rechnen die Top-Entscheider nicht vor 2023. So befürchtet ein Großteil der Befragten, dass die Industrie die Transformation nicht aus eigenen Mitteln stemmen kann. Die überwiegende Mehrheit der Befragten bezeichnet den Prozess für viele mittelständische Zulieferer sogar als existenzbedrohend. Während ein klassischer Antriebsstrang für einen Verbrenner rund 1.500 Einzelteile umfasst, sinkt die Zahl beim batterieelektrischen Antrieb auf nur etwa 250. Diese Veränderung der Systemarchitektur dürfte auch zur Verlagerung großer Teile der Wertschöpfungskette ins Ausland führen, befürchten die Befragten.

"Während das aktuelle Portfolio noch stark vom Verbrenner geprägt ist, müssen Zulieferer hohe Investitionen in neue Technologien tätigen – und das bei einer angespannten Margensituation."
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Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im Fokus

So liegt die Priorität der Entscheider aktuell auch bei anderen Themen: 82 Prozent der Manager bezeichnen die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und die damit verbundene Anpassung der Kostenstrukturen als wichtigstes Thema für die kommenden zwei bis drei Jahre, gefolgt von der Digitalisierung (63%) und der Sicherstellung der Refinanzierungsfähigkeit (56%). Erst dann folgt in der Prioritätenliste die Transformation des Portfolios in Richtung neuer Antriebsformen (ebenfalls 56%).

Vier Handlungsfelder für einen Weg aus der Krise

Roland Berger hat vier Handlungsfelder identifiziert, welche für mittelständische Automobilzulieferer höchste Priorität haben, um erfolgreich aus der Krise zu navigieren und das eigene Unternehmen zukunftsfest aufzustellen:

  1. Sicherung wettbewerbsfähiger Kostenstrukturen
  2. Digitalisierung der Prozesslandschaft
  3. Vorbereitung und Absicherung der Finanzierung
  4. Transformation der Geschäftsmodelle

Hier Studie herunterladen

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