An illustration of a pirate with the Uber, Tesla, Napster and Virgin logos on his hat and the Amazon logo as an earring
Mit organisatorischen Innovationen "mehr Pirat" sein

Think:Act Magazin "Spielregeln für Regelbrecher"
Mit organisatorischen Innovationen "mehr Pirat" sein

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München Office, Zentraleuropa
23. April 2019

Was können wir von Piraten erwarten? Schauen Sie auf Unternehmer wie Mark Zuckerberg und Steve Jobs.

Artikel

von Nicola Davison

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Ihr Landratten wisst nicht, wie man agile Unternehmen und Teams aufbaut? Dann schaut hin, wie die Piraten es machen!

Die Karriere von Black Bart verlief rasant. Eigentlich hieß er Bartholomew Roberts und war zweiter Steuermann an Bord des Sklavenschiffs Princess. Doch nur sechs Wochen nachdem Piraten die Princess aufgebracht und ihn gefangen genommen hatten, machten sie Roberts zu ihrem neuen Anführer. Innerhalb von nur drei Jahren wurde er der erfolgreichste Pirat des "goldenen Zeitalters" der Piraterie. Als er 1722 in einem Gefecht mit einem britischen Schlachtschiff fiel, hatte er von Neufundland bis Brasilien mehr als 400 Schiffe gekapert und den "Pirate Code" geschrieben: einen Verhaltenskodex für Piraten.

Das Vermächtnis von Piraten wie Black Bart ist heute Inspirationsquelle für Entrepreneure. Nicht wenige Start-ups im Silicon Valley dekorieren ihre Büros mit Totenkopfflaggen. Der Freibeuter-Geist zeigt sich schon 1982 in den berühmt gewordenen Worten von Steve Jobs: "Es ist besser, Pirat zu werden, als zur Marine zu gehen." Und er zeigte sich im Motto von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: "Bewege dich schnell und zerstöre Dinge." Neuerdings bezeichnen sogar Autoren explizit Piraten als Vorbilder für Gründer. So wie Sam Conniff Allende, der in "Be More Pirate: Or How to Take on the World and Win" schreibt: "Piraten stellten sich den mächtigsten Militärmächten der Welt in den Weg, übermächtigen Handelsgesellschaften und vereinten die Kraft der damaligen Weltmächte – und fast 40 Jahre lang gewannen sie." Anders ausgedrückt: Piraten waren die ersten Disruptoren.

An illustration of a parrot clutching the Napster logo in its claws

Piraten waren auch Diebe und Mörder. Aber sie unterschieden sich von anderen Kriminellen: durch unternehmerische und soziale Innovationen. Viele Matrosen wurden im 18. Jahrhundert Piraten, um den menschenverachtenden Zuständen an Bord der Marine- und Handelsschiffe zu entkommen. Conniff Allende nennt sie eine Generation, die das Gefühl hatte, "von ihrer eigenen Zukunft ausgeschlossen zu werden". An Bord der Piratenschiffe wurde die Beute gerecht verteilt. Und jede Stimme zählte gleich, sogar die von Frauen (von denen es wenige gab) und von nicht Weißen (von denen es viele gab). Im ersten Artikel von Roberts 1722 verfassten Piraten-Codes heißt es: "Jeder Mann hat das Recht auf Mitsprache in den Alltagsangelegenheiten und auf den gleichen Anteil an Proviant und Alkohol und kann diese jederzeit nach seinem Gutdünken verwenden – es sei denn in Zeiten des Mangels, wenn diese zum Wohle aller rationiert werden."

Das klingt nach Aufklärung. Aber Piraten ging es nicht darum, die soziale Ungerechtigkeit ihrer Zeit zu beseitigen, sagt Peter Leeson, Autor von "The Invisible Hook: The Hidden Economics of Pirates": "Man kann allein eine Brieftasche stehlen, aber um ein Handelsschiff zu kapern, braucht man die Hilfe von anderen", sagt er. Piraten schufen demokratische Strukturen in einer Welt, die autokratisch organisiert war. Aus dem unternehmerischen Ziel, Profit zu maximieren, resultierte das organisatorische Ziel, Zusammenarbeit zu fördern und Konflikte zu verhindern, sagt Leeson. "Und der Wille, Profit zu maximieren, ist auch für Entrepreneure entscheidend."

Fünf "Piraten"-Firmen
1. Napster

1999 schuf der Student Shawn Fanning Napster, eine digitale Musik-Tauschbörse. Napster wurde 2001 nach juristischen Auseinandersetzungen geschlossen, gilt aber als Wegbereiter für das Online-Geschäft mit Musik.

2. Uber

Uber begann 2009 mit drei Autos in San Francisco. Neben einer innovativen Technologie verdankt das Unternehmen seinen ersten Erfolg seinem "Pirate Code": Es bemüht sich nicht um behördliche Genehmigungen und wirbt Fahrer von Mitbewerbern ab.

3. Tesla

Die Risikofreudigkeit von Elon Musk ist grenzenlos. Er sagt: "Beim Verkauf von PayPal verdiente ich 180 Millionen Dollar. 100 Millionen investierte ich in SpaceX, 70 Millionen in Tesla und 10 Millionen in SolarCity. Ich musste jemand anpumpen, um meine Miete zu bezahlen."

4. Amazon

Die "piratenhafte" Innovation von Amazon bestand darin, dass das Unternehmen von Anfang darauf beharrte, kein Buchhändler zu sein, sondern, ein Technik-Unternehmen, das das Online-Shoppen vereinfacht.

5. Virgin

Richard Branson verhielt sich wie ein Pirat, als er 1971 mehrere Lkw-Ladungen Schallplatten einführte, ohne Zoll zu bezahlen. Virgin Records wurde ein Label für Punk und New Wave. Bis heute steht Virgin für eine neue Einstellung zur Geschäftswelt.

Und so wie sie, passten sich Piraten schnell neuen Bedingungen an. Als Regierungen begannen, sie ernsthaft zu bekämpfen, ließen sie verbreiten, dass sie Matrosen zwangsrekrutierten. Wurden neue Rekruten von der Marine gefangengenommen, konnten sie behaupten, die Piraten hätten sie zum Kampf gezwungen. "Piraten fordern Autoritäten heraus", sagt Andrew Wolfin, Partner der Anwaltsfirma Mishcon de Reya. "Der Geist der Piraterie ähnelt dem des Punks: eine gesunde Respektlosigkeit, die Gründer an den Tag legen – und an den Tag legen müssen."

"Der Geist der Piraterie ist gesunde Respektlosigkeit."
Partner
Mishcon de Reya

Als die Ostindien-Kompanie beanspruchte, Schifffahrtsrouten exklusiv nutzen zu können, war es auch den Angriffen der Piraten zu verdanken, dass sich die Rechtsidee von "internationalen Gewässern" durchsetzte, die allen offenstehen. Genauso müssen Start-ups Wege finden, um durch sich ständig ändernde juristische Vorgaben zu lavieren, sagt Wolfin: "Mir macht es Spaß, mit jungen Unternehmen zu arbeiten, weil ich ihnen dabei helfe, in einer immer regulierteren Geschäftswelt ihre Innovationsfähigkeit auszubauen. Für etablierte Unternehmen ist es ungleich schwerer, einen eingeschlagenen Kurs zu ändern, nicht zuletzt, weil Entscheidungen von Kommissionen und Aktionären abgesegnet werden müssen."

Genau das waren auch die Gedanken der Gründer des Design-Studios Fount. Ihr Unternehmen sollte nicht nur profitabel werden, sondern auch fair und nachhaltig agieren. Darum beschlossen die Gründer, die Gedanken des Piratencodes aus dem 18. Jahrhundert anzuwenden, der bei wichtigen Entscheidungen die gesamte Crew mit einbezieht. Bei Fount werden Führungskräfte nicht von der Führungsebene bestimmt. Stattdessen wählen Projekt-"Crews" anonym einen Kapitän und stellen so sicher, dass dieser das volle Vertrauen seiner Mannschaft genießt.

Ryan Blair: vom Gangster zum Geschäftsmann

Ryan Blairs Weg zum Erfolg war nicht die Überholspur, die Abgänger von Elite-Universitäten gewöhnlich nehmen, sondern eher ein Trampelpfad voller Schlaglöcher. Der Selfmade-Millionär und Autor von "Nothing to Lose, Everything to Gain" gab nie viel auf Konventionen. Er brach die Schule in der der neunten Klasse ab, schloss sich einer Gang an, wurde zehn Mal verhaftet und saß im Jugendknast. Der erste Computer, den Blair benutzte, war geliehen: Mit dem PC eines Freundes wollte er sein schlechtes Zeugnis fälschen. Dann begann er in Computerläden einzubrechen, in denen er alle Bücher mitgehen ließ, die erklärten, wie man programmiert.

Der alles verändernde Moment…

war gekommen, als seine Mutter einen Immobilienunternehmer kennenlernte und die Familie aus dem Stadtteil wegzog – und damit weg von den Gangs. Blair bekam einen Job im Kundendienst von Logix Computer; zwei Jahre später machte man ihn zum Vizepräsidenten. Mit 21 gründete er den Technikdienstleister 24/7 Tech. Seitdem hat er Millionen mit Investitionen in Start-ups gemacht. Nach seinem Rücktritt als CEO der Marketingfirma ViSalus konzentriert er sich auf seine Venture-Kapitalfirma HashtagOne.

In seiner Autobiografie…

Nothing to Lose, Everything to Gain schreibt Blair seinen Erfolg als Geschäftsmann den Überlebensinstinkten zu, die er in seiner schwierigen Jugend erwarb. Seine "Philosophie aus der Gefängniszelle" beinhaltet den Gedanken: "Wenn du Menschen das Gefühl gibst, sie könnten dich beherrschen, werden sie dich beherrschen." Der Schlüssel besteht für ihn in der Fähigkeit, sich anzupassen und den Trends des Markts voranzugehen: "Ändere deine Pläne, wenn sich die Technologie ändert und passe deine Strategie an die Fähigkeiten deines Unternehmens an."

Piraten Kapitäne wussten, dass Gehälter transparent sein müssen: Ungerechtigkeiten konnten zu Neid, Vertrauensverlust und Arbeitsverweigerung führen. Von jeder Prise, die Black Barts Schiffe erbeuteten, erhielten der Kapitän und der Quartiermeister jeweils zwei Anteile, der Steuermann, der Bootsmann und der Kanonier eineinhalb Anteile und die anderen Offiziere eineinviertel Anteile. Bei Fount werden die Unternehmensanteile proportional nach dem Engagement für das Unternehmen aufgeteilt, erklärt Gründungspartner Ryan VanMiddlesworth. Jedes Quartal wird eine festgelegte Menge an Aktien ausgegeben und gleichmäßig unter den Angestellten aufgeteilt, was bedeutet, dass die Anteile der neuesten "Crew"-Mitglieder und die der Ursprungsgründer in gleichem Tempo wachsen.

"Unsere entscheidende Erkenntnis war: Wenn man jedem Mitarbeiter Mitspracherecht bei Entscheidungen gibt und einen relevanten Besitzanteil am Unternehmen, setzen sie sich mehr für die Strategie und den Erfolg des Unternehmens ein – emotional und finanziell", sagt VanMiddlesworth. Und dann kommt der Erfolg oft rasant.

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Veröffentlicht März 2019. Vorhanden in
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